Drei Generationen, eine Leidenschaft: Die Zellmers leben für die Imkerei

rnNatur in Dortmund

Seit mehr als 60 Jahren ist Günter Zellmer Imker. Die Anfänge dieser Leidenschaft liegen noch länger zurück. Die Ursprünge haben aber einen traurigen Umstand.

Brackel

, 20.08.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Den ersten Kontakt zu seiner großen Leidenschaft hat Imker Günter Zellmer zu einer schwierigen Zeit gemacht - während des Zweiten Weltkriegs.

„Damals gab es keinen Zucker, es gab keine Bonbons, aber der Nachbar hatte Bienen“, erzählt der 87-Jährige. „Da bin ich dann hingegangen und habe mir ein bisschen Honig geholt, um etwas Süßes zu haben.“

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Doch dann war erst einmal Schluss. Zellmers Familie wurde aus Pommern vertrieben. Sie landete in Dortmund, wo Zellmer die Leidenschaft fürs Imkern neu entdeckte. In der Nachbarschaft der Werkstatt, in der der gelernte Tischler arbeitete, gab es Bienen - die Hingabe für die Insekten war sofort wieder da.

Und so richtig war sie auch nicht weg. „Schon mein Großvater hat geimkert. Das sitzt mir also schon im Blut“, sagt Zellmer.

Das Coronavirus verlegt die Verleihungszeremonie

In den ausgehenden 50er-Jahren erhielt Günter Zellmer seine ersten beiden Bienenvölker und trat in den Imkerverein Kurl ein. Seitdem ist er nicht nur Mitglied, sondern führte auch den Verein zwischen 1981 und 2002.

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Für diese lange Vereinstreue wurde Günter Zellmer jetzt ausgezeichnet. Ende Juli bekam er dafür im Rathaus die Goldene Wabe von Oberbürgermeister Ullrich Sierau verliehen. Eigentlich hatte die Zeremonie schon im März stattfinden sollen, doch das Coronavirus machte dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung.

"Das 'H' muss irgendwo zwischen Verein und Stadt dazugekommen sein", sagt Stefan Zellmer über die Auszeichnung für seinen Großvater Günter, der mit der Goldenen Wabe ausgezeichnet wurde.

"Das 'H' muss irgendwo zwischen Verein und Stadt dazugekommen sein", sagt Stefan Zellmer über die Auszeichnung für seinen Großvater Günter, der mit der Goldenen Wabe ausgezeichnet wurde. © Stadt Dortmund

Von der Auszeichnung hat Günter Zellmer bis zum Schluss nichts geahnt. Sein Enkel Stefan schlug ihn beim Vereinsvorsitzenden Jörg Krafft für die Ehrung vor. Dieser wandte sich an den Landesverband, der die Auszeichnung bestätigte.

Fehler schleicht sich auf der Ehrentafel ein

„Nur der engste Familienkreis war eingeweiht“, erzählt Krafft. Und die Überraschung hat geklappt: „Davon habe ich nichts geahnt“, sagt Günter Zellmer. Umso schöner sei es gewesen. Auch wenn sich auf der Ehrentafel ein Fehler eingeschlichen hat: „Das ‚H‘ muss irgendwo zwischen Verein und Stadt dazugekommen sein“, erzählt Enkel Stefan augenzwinkernd.

Mit seiner Begeisterung für die Bienen hat Günter Zellmer (ohne h im Vornamen) über die Jahre auch seine Mitmenschen angesteckt. Sein Schwiegersohn und sein Enkel haben jeweils eigene Völker, die im gemeinschaftlichen Garten der Hausgemeinschaft zu finden sind.

Mehrere Bienenvölker sind heute noch im Garten von Günter Zellmer zu finden.

Mehrere Bienenvölker sind heute noch im Garten von Günter Zellmer zu finden. © Matthias Henkel

Eine Chance, sich der Imkerei zu verweigern, hatte Günter Zellmers Enkel im Prinzip nicht: „Seit ich mich erinnern kann, stehen bei uns Bienen im Garten. Deswegen war das zuhause auch immer Gesprächsthema. Da bin ich dann ganz automatisch reingerutscht“, sagt Stefan Zellmer. „Man kann sagen, dass mir das in die Wiege gelegt wurde.“

Stefan Zellmer hat einen Teil der Ausrüstung seines Großvaters übernommen, weil der mittlerweile etwas kürzer tritt. Trotzdem geht einiges an Zeit für das gemeinsame Hobby drauf, auch wenn sich jeder vor allem um die eigenen Bienenvölker kümmert.

Der Aufwand ist höchstens zu erahnen

„Im Sommer muss man schon jede Woche reinschauen. Dazu kommen dann noch das Schleudern und die Wachsgewinnung“, sagt Stefan Zellmer. Das Honigschleudern ist sehr aufwendig. „Bei 15 bis 20 Völkern ist das Wochenende dann schon mal weg.“ Pro Volk kommen 35 bis 40 Kilo Honig zusammen.

Trotzdem kümmern sich alle drei Generationen der Zellmer-Imker gerne um ihre Tiere. „Wir betreiben das zwar als Hobby, aber wir schauen da nicht nach der Zeit“, erklärt Günter Zellmer.

Der Rentner ist auch ein wenig stolz darauf, dass sein Enkel einen Teil seines Materials übernommen hat: „Da freue ich mich sehr drüber“, betont er. Ganz selbstverständlich ist das nicht, denn Günter Zellmer imkert heute im kaum noch gebräuchlichen „Alten Kurler Maß“, das die Herstellung von Rahmen und Zargen im Eigenbau erfordert. Als gelernter Tischler war das für ihn nie ein Problem.

Die Rahmen baute Günter Zellmer nach dem „Alten Kurler Maß“ früher selbst - und benutzt sie noch heute.

Die Rahmen baute Günter Zellmer nach dem „Alten Kurler Maß“ früher selbst - und benutzt sie noch heute. © Matthias Henkel

Dafür ist Günter Zellmer auch der Respekt im eigenen Verein sicher: „Wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann macht er sein eigenes Ding“, sagt Jörg Krafft. „Ich finde es aber toll, wie gradlinig er ist. Und es ist erstrebenswert, dass er noch immer seinem Hobby nachgeht.“

Natürlich ist auch Stefan Zellmer Mitglied im Kurler Imkereiverein. Schon als Jugendlicher sei er eingetreten, sagt er. Damals war das noch eher ungewöhnlich gewesen. Es sei früher eher ein Hobby älterer Herren gewesen. 20 bis 25 Mitglieder habe der Verein damals im Schnitt etwa gehabt.

Verein hat eine positive Entwicklung genommen

Damals sei das Ziel gewesen, den Verein am Leben zu erhalten, sagt Stefan Zellmer. „Er hat den Verein in schwierigen Zeiten übernommen“, bestätigt auch der heutige Vorsitzende Jörg Krafft.

Und in die 21-jährige Amtszeit fiel 1989 auch die Feier zum 100-jährigen Bestehen des Vereins, die Günter Zellmer organisierte. Damals war er bereits schon einmal zu Gast - beim früheren Oberbürgermeister Günter Samtlebe.

Günter Zellmer organisierte unter anderem das 100-jährige Jubiläum des Imkereivereins Kurl.

Günter Zellmer organisierte unter anderem das 100-jährige Jubiläum des Imkereivereins Kurl. © Matthias Henkel

Heute sieht die Zukunft viel besser aus: 90 Imker engagieren sich in der Kurler Gemeinschaft. Der Verein ist jünger und weiblicher geworden, wie die Zellmers sagen. 26 Frauen imkern im Verein.

Dass der Verein diese positive Entwicklung genommen hat, daran hat auch Günter Zellmer seinen Anteil, denn häufig gab er Kindern einen Einblick in sein großes Hobby. „Das hat mir immer viel Spaß gemacht“, sagt er. Und jeder, der Günter Zellmer ein wenig zuhört, merkt: Es wäre kein Wunder, wenn sich noch mehr Menschen mit der Leidenschaft für die Imkerei bei ihm anstecken würden.

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