„Drogenkinder-Prozess“: 23-Jähriger schildert seinen Dealer-Alltag

rnLandgericht

Zwei Brüder aus der Nordstadt sollen kiloweise Marihuana verkauft haben. Zum Prozessauftakt gab einer der Angeklagten in seinem Geständnis Einblicke in den „Schichtdienst“ als Dealer.

Dortmund

, 24.10.2018 / Lesedauer: 3 min

Zwei Bürder aus der Nordstadt sollen kiloweise Marihuana verkauft haben. Der ältere der beiden Angeklagten gab ein Geständnis ab. Vor der 31. Strafkammer schilderte der 23-jährige Dortmunder detalliert seine Tätigkeit als Drogendealer.

„Erst war ich selbst nur Konsument, dann bin ich an Silvester von einem anderen Dealer aus Lütgendortmund gefragt worden, ob ich nicht bei ihm einsteigen will“, sagte der Angeklagte. Gemeinsam habe das Duo danach ab Januar 2017 tagtäglich Marihuana in der Nordstadt verkauft. Und zwar in klar aufgeteilten Schichten – ähnlich wie in ganz normalen Jobs. Der 23-Jährige: „Von 11 bis 17 Uhr habe ich verkauft, von 17 bis 23 Uhr hat er dann übernommen.“

Erster Gras-Bunker bei einem „alten Opa“

Die Zahl der Kunden und die verkauften Drogenmengen seien mit der Zeit immer weiter angestiegen, so der Angeklagte weiter. Am Ende seien täglich „locker 200 Gramm Marihuana weg gegangen“. Als Aufbewahrungsort für den zuvor über verschiedene Lieferanten angeschafften Drogenvorrat, hatte der 23-Jährige nach eigenen Angaben nacheinander mehrere Privatwohnungen von Kunden genutzt.

Erster sogenannter „Bunker“ sei ein Onkel gewesen, der das Marihuana für 60 Euro pro Tag in seiner Wohnung unweit von der Düppelstraße aufbewahrt habe. „Er hat uns regelrecht überredet, die Drogen auch bei ihm zu lagern“, erinnerte sich der Angeklagte. „Er sagte, ,kein Mensch auf der Straße kommt doch darauf, dass bei einem alten Opa Gras in der Wohnung liegt.‘“

Kinder als lebende Drogen-Bunker missbraucht?

Laut Anklage sollen die beiden angeklagten Brüder später auch so genannte „Läufer“ eingesetzt haben, die die Marihuana-Tütchen grammweise für sie verkauft haben.

Außerdem sollen sie die portionierten Drogen angeblich auch zehnjährigen rumänischen Kindern, die wegen des Alters vor Polizeikontrollen sicherer waren, zur Aufbewahrung gegeben haben und diese so als eine Art „lebende Drogen-Bunker“ missbraucht haben.

Dass sein mitangeklagter 18-jähriger Bruder auch groß ins Drogengeschäft eingestiegen sein soll, wies der ältere Angeklagte am Mittwoch zurück. Eigentlich habe er ihn immer nur beschützen wollen. „Ich habe ihn nur Kleinigkeiten machen lassen“, sagte der 23-Jährige.

Die beiden Brüder sitzen seit dem 19. April in U-Haft. Der Prozess wird fortgesetzt.

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