Trotz laufenden Verfahrens vor Gericht: Drogenkonsumraum zieht an den Wall

rnCafé Kick

Seit Jahren ist der Umzug zum neuen Gesundheitsamt am Hohen Wall geplant - jetzt steht der Termin für die Eröffnung des Drogenkonsumraums. Eine Drogenhilfe-Einrichtung ist schon vor Ort.

Dortmund

, 26.12.2019, 15:29 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es gab Essen, Getränke, Süßes und Geschenke: Wie ein Mini-Weihnachtsmarkt wirkten die Zeltpavillons, die am ersten Weihnachtstag vor dem Gesundheitsamt am Hohen Wall aufgebaut waren.

Die kleine Weihnachtsfeier, die ehrenamtliche Helfer der Drogenhilfe Pur für die Patienten der Methadon-Ausgabe organisieren, ist schon Tradition. Zum ersten Mal fand sie allerdings in neuer Umgebung statt. Denn Anfang Oktober ist die Methadon-Ausgabe aus einem Keller am Eisenmarkt in neue Räume in einem Seitenflügel des Gesundheitsamtes am Hohen Wall umgezogen.

Das kommt bei den Patienten wie auch bei den haupt- und ehrenamtlichen Helfern von Pur gut an. „Hier ist alles viel freundlicher“, stellen Martina Schrade und Nicole Schwind fest, die als Ehrenamtliche regelmäßig an den Wochenenden im Einsatz sind und die Weihnachtsfeier organisiert haben.

Trotz laufenden Verfahrens vor Gericht: Drogenkonsumraum zieht an den Wall

Etwa zwei Dutzend ehrenamtliche Helfer waren bei der Weihnachtsfeier für die Patienten der Drogenhilfe Pur im Einsatz. Döner hatte das Restaurant Karas im Klinikviertel gespendet. © Oliver Volmerich

Rund 1600 Drogenabhängige gibt es in Dortmund, die als Ersatzmedikament für harte Drogen Methadon bekommen. In der Woche wird der Stoff in rund 30 Arztpraxen in ganz Dortmund ausgegeben. Am Wochenende und an Feiertagen bekommen es rund 300 Patienten – ebenfalls unter ärztlicher Aufsicht – bei der Drogenhilfe Pur in Räumen des städtischen Gesundheitsamtes.

Umzug des Drogenkonsumraums im Januar

Die Methadon-Ausgabe ist gewissermaßen der Vorbote für den Drogenkonsumraum „Café Kick“, der ebenfalls vom Eisenmarkt an den neuen Standort des Gesundheitsamtes verlegt wird. Dafür ist ein Neubau im Innenhof des Gebäudekomplexes zwischen Hoher Wall und Grafenhof entstanden.

Das Problem: Die Klage von zwei Hauseigentümern am Grafenhof hatte den Umzug gebremst. Die Kläger waren aus Sorge vor Lärm, Drogenhandel und weiteren Begleiterscheinungen gegen die Baugenehmigung der Stadt vor das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen gezogen.

Mit dem Antrag auf eine einstweilige Verfügung, die zu einem Baustopp geführt hätte, waren sie Anfang 2018 gescheitert. Die eigentliche Klage war in ein Mediationsverfahren vor dem Verwaltungsgericht gemündet.

Unter Vermittlung eines Güterichters soll versucht werden, eine Einigung zu erreichen. „Das Verfahren läuft noch“, erklärte Wolfgang Thewes als Sprecher des Verwaltungsgerichts auf Anfrage. „Die Beteiligten sind in intensiven Gesprächen.“

Was passiert, sollten diese letztlich doch noch scheitern, ist völlig offen. Aber damit rechnet niemand ernsthaft.

Info-Veranstaltung für Anwohner

So läuft auch bereits der Umzug für das „Café Kick“ an. Der Eröffnungstermin steht: Der Drogenkonsumraum wird am 20. Januar 2020 seinen Betrieb am neuen Standort aufnehmen, teilen Stadt und die Aidshilfe Dortmund als Trägerin der Einrichtung mit.

Für den 6. Januar sind die Anwohner zu einer Informationsveranstaltung in die neuen Räume eingeladen, bei der dann auch das Sicherheitskonzept vorgestellt wird. In welche Richtung es dabei geht, deutet die Aidshilfe in ihrer Umzugsankündigung an.

Um die Belastungen für die Nachbarschaft zu minimieren, arbeite man auf Basis einer Kooperationsvereinbarung eng mit Ordnungs- und Gesundheitsamt der Stadt sowie der Polizei zusammen, heißt es da. „Ein externer Sicherheitsdienst gewährleistet die Umsetzung einer mit allen Kooperationspartnern abgestimmten Hausordnung. Aktuell werden letzte Vorbereitungen getroffen, um einen reibungslosen Ablauf auch am neuen Standort zu gewährleisten.“

Zwei Wochen geschlossen

Bei der Info-Veranstaltung stehen Vertreter der Aidshilfe, von Gesundheits- und Ordnungsamt sowie der Polizei für Fragen zur Verfügung. Im Frühjahr ist für alle Bürger und Interessierten ein Tag der offenen Tür geplant, kündigt die Aidshilfe an.

Ein Problem bleibt: Um den Umzug bewerkstelligen zu können, ist der Drogenkonsumraum zwei Wochen geschlossen. Er öffnet am 6. Januar zum letzten Mal am Eisenmarkt. Erst am 20. geht es dann am neuen Standort weiter.

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