Rentner (79) schmuggelte 10 Kilo Heroin für Drogen-Bande aus Dortmund

rnProzess gegen Drogenkurier

Dortmunds vielleicht ältester Drogenkurier saß am Donnerstag auf der Anklagebank des Landgerichts Der 79-Jährige hatte in großem Stil Heroin und Kokain geschmuggelt. In Haft muss er aber nicht.

Dortmund

, 20.08.2020, 15:38 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine marokkanische Dealer-Bande aus Dortmund soll sich für längere Zeit die Dienste eines ganz besonderen Drogenkuriers gesichert haben. Der Mann kommt aus Dorsten-Hervest, ist fast 79 Jahre alt - und sieht aus wie der nette, freundliche Herr von nebenan.

Als die Polizei den Mann im August 2014 in seinem Auto anhielt, waren sich die Beamten dennoch sicher, das Richtige zu tun. Und tatsächlich: In dem Fahrzeug befanden sich knapp 10 Kilogramm Heroin, 150 Gramm Kokain und 23 Kilo Streckmittel. Das Rauschgift hatte der Kurier offenbar kurz zuvor aus Rotterdam geholt und über die Grenze gebracht.

Angeklagter nannte Hintermänner

Noch in der Untersuchungshaft beschloss der Rentner, umfassend auszupacken und seine Hintermänner ans Messer zu liefern. In der Folgezeit wurden weitere Bandenmitglieder und Helfershelfer festgenommen.

Den Mann aus Dorsten-Hervest traf jedoch das Schicksal hart. Nach vier Monaten im Gefängnis eröffnete ihm ein Arzt nach einer körperlichen Untersuchung, dass er schwer an Krebs erkrankt sei und nicht mehr lange zu leben habe.

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Der Rentner, der von den übrigen Bandenmitgliedern liebevoll „Großvater“ genannt worden sein soll, wurde im Dezember 2014 aus der Haft entlassen. Sein Prozess wurde danach erst einmal auf die lange Bank geschoben.

Krank ist der Mann auch heute noch. Doch er sagt: „Irgendwie geht es immer weiter.“ Nach einer Operation habe er den Krebs zwar nicht besiegt, aber in den Griff bekommen. „Mein Arzt sagt, ich wäre einer von 400 Patienten, die das so schaffen.“

Verteidiger will Rechtsgespräch

Der Gang ins Dortmunder Landgericht, wo am Donnerstag dann doch mal gegen den Drogenkurier verhandelt werden sollte, fiel dem Angeklagten dennoch sichtlich schwer. Schließlich hätten die Vorwürfe durchaus für eine Haftstrafe ohne Bewährung ausreichen können.

Immerhin hatte der Rentner am Tag vor seiner Festnahme auch mehr als 450.000 Euro Drogengeld durch die Republik gefahren.

Verteidiger Siegmund Benecken aus Marl regte deshalb sofort nach der Verlesung der Anklageschrift ein Rechtsgespräch zwischen den beteiligten Berufsjuristen an. Erst danach werde der Angeklagte eine Aussage machen, so der Anwalt.

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Am Ende kam alles genau so, wie es sich Benecken und der Mann aus Hervest vorher vorgenommen hatten. Wieder räumte der Angeklagte die Tatvorwürfe ein, und wieder nannte er die Namen seiner Auftraggeber.

Damit hatte er den Weg für eine Bewährungsstrafe freigemacht. Die Richter setzten die verhängten zwei Jahre Haft zur Bewährung aus - in der sicheren Erwartung, dass der Rentner fortan keine Straftaten mehr begeht.

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