Eigentlich ist es eine super Lage, hier in Scharnhorst an der Droote: Nah am Zentrum, direkt an der U-Bahn. Dennoch haben viele Mieter die Nase voll und würden lieber heute als morgen weg.

Scharnhorst

, 26.04.2019, 13:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es könnte optimal sein für die Mieter hier an der Droote auf Höhe der Hausnummer 35: Eine zentrale Lage, ein U-Bahn-Anschluss direkt vor der Tür und ein großer Innenhof mit Wiese für die zahlreichen Kinder.

Die Realität sieht allerdings anders aus: Es fehlt auf dem Innenhof ein Spielplatz, erzählen die Mieter sowie Rüdiger Schmidt und Heike Gottwald gleichermaßen. Es gibt nur ein Spielplatzschild. Schmidt und Gottwald gehören dem Rat der Stadt an und sind im Spielplatzverein. In diesem Fall für einen Spielplatz, den es seit Jahren nicht gibt. Versuche, an dem Zustand hinter den Häusern etwas zu ändern, seien in der Vergangenheit immer fehlgeschlagen, erzählen die beiden. Nun wollen sie gemeinsam mit den Mietern sich Rat holen beim Mieterverein.

Droote-Mieter sind wütend auf Immobiliengesellschaft und klagen über Zustand der Siedlung

An Kindern fehlt es nicht in Siedlung, allerdings an einem Spielplatz. Ironie des Schicksals: ein schickes Spielplatzschild gibt es. © Britta Linnhoff

Familie wohnt seit drei Jahren hier und will am liebsten wieder weg

Denn die fehlenden Spielgeräte sind längst nicht das einzige Ärgernis der Mieter: Reparaturen, die nicht erledigt werden, Schimmel an den Wänden und von energetischer Sanierung könne nun mal gar keine Rede sein. Es sei mal jemand da gewesen wegen der Fenster, erzählen die Mieter. Der habe dann gesagt, „die sind noch gut“. Dabei ziehe es da durch.

Seit drei Jahren wohnt Jerome Voß mit seiner Familie hier - und wäre längst schon wieder weg, wenn es der Wohnungsmarkt hergeben würde, sagt er. Er selbst habe in seiner Wohnung den Schimmel von den Wänden gekratzt. Durch die Fenster ziehe es und damit alles warm und trocken werde, müsse die Heizung immer „volle Pulle“ laufen.

Der Hausmeister tue, was er könne, da sind sich alle einig hier. „Das ist ein Super-Hausmeister“, sagt Metiha Murtez, Voß‘ Frau. Mehr könne er nicht machen. Auch sie klagt über die fehlenden Spielgeräte: „Die Kinder laufen dann immer weiter zum nächsten Spielplatz, dabei müssen sie über die Straße“. Nicht einfach, die Kinder so im Auge zu behalten.

Mieter beklagen Mülltourismus vor der eigenen Haustür

Bewegung in anderer Richtung gibt es dafür beim Müll. Jerome Voß und Metiha Murtez beklagen einen regelrechten Mülltourismus: „Leute aus den Nachbarhäusern schmeißen ihren Müll hier in die Tonne, weil die direkt auf dem Weg zur U-Bahn stehen“, erzählen sie. Und wo Müll herumliegt, ist schnell noch mehr Müll. An diesem Tag liegt ein Regal neben den Tonnen. Und weil so der Weg zu den Mülltonnen versperrt ist, habe die Müllabfuhr ihre Probleme, erzählt Voß und zeigt dafür durchaus Verständnis. Aber es verschlimmert die Situation natürlich. Dabei wäre es simpel, das zu verhindern, denn es fehlt schlicht ein Schloss für die Tür im Zaun, der den Standort der Tonnen umgibt.

Die Häuser gehören nach Auskunft von Schmidt und Gottwald der Paul-Immobilien-Gesellschaft. Die ist bundesweit tätig, hat ihren Hauptsitz in Berlin und ein Büro in Dortmund-Lanstrop. Dort verspreche man immer, „alles weiterzugeben“, so Rüdiger Schmidt. „Dann aber passiert nichts.“

Deshalb haben er und seine Ratskollegin Heike Gottwald (beide SPD) nun beschlossen, sich Rat beim Mieterverein zu holen. Schmidt: „Mit der Dogewo und dem Spar- und Bauverein, den beiden alteingesessenen Wohnungsunternehmen, gibt es keinerlei Probleme.“ Alles andere sei „eine Katastrophe“.

Bei der Paul-Immobiliengesellschaft sieht man manches ein bisschen anders

Das Büro der Paul-Immobiliengesellschaft war man am Telefon zu keinerlei Auskünften bereit. Fragen müssten schriftlich eingereicht werden. Inzwischen sind Antworten eingetroffen:

Darin heißt es unter anderem: Notwendige Arbeiten in den Wohnungen würden „selbstverständlich gemäß den Empfehlungen der Fachfirmen durchgeführt“. Leider gebe es manchmal eine „Diskrepanz zwischen diesen Empfehlungen und den Mieterwünschen“.

Zum Standort der Mülltonnen äußer man sich so:

Eine Sicherung der Müllplätze sei nicht sinnvoll, da man an anderen Standorten die Erfahrung gemacht habe, dass dann der Müll über den Zaun geworfen oder davor gestellt wird. Dies würde die Situation nur noch verschlimmern. „Um dieses Problem in den Griff zu bekommen, werden wir zeitnah ein Müllmanagement einführen, da a) durch korrekte Sortierung die Entsorgungskosten sinken und b) dann zusätzlich drei Mal in der Woche der Müllplatz gereinigt wird.“ Hier sei man bereits in Endverhandlungen mit einem Fachunternehmen. „Wir haben hierzu selbst eine Begehung der Liegenschaften durchgeführt – zu diesem Zeitpunkt waren bereits alle Tonnen wieder geleert und die Müllstandsplätze gesäubert“, teilt Michael Körner, Geschäftsleiter Property Management für die Paul-Immobiliengesellschaft mit.

Was den nach Ansicht der Mieter fehlenden Spielplatz angeht, heißt es: Der Siedlung mit ihren 250 Wohnungen stünden ein großer und zwei kleinere Spielplätze zur Verfügung. Man berücksichtige bei der Planung die Wünsche der Mieter. Durch die beiden unterschiedlichen Größen habe man „soweit wie möglich die meistern Mieterwünsche berücksichtigt“.

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