DSW21 macht mindestens 20 Millionen Euro Verlust

Pannenkraftwerk Gekko

Die Dortmunder Stadtwerke (DSW21) kommen in schwere Wasser: Nach Jahren schwarzer Zahlen droht 2015 ein Verlust von rund 20 Millionen Euro, der sogar noch höher ausfallen könnte. Steigende Pensionslasten und die Beteiligung der Energie-Tochter DEW21 am Pannenkraftwerk Gekko schlagen mächtig zu Buche. Wir klären die wichtigsten Fragen.

DORTMUND

, 30.10.2015, 02:07 Uhr / Lesedauer: 2 min
DSW21 macht mindestens 20 Millionen Euro Verlust

Der Firmensitz von DSW21 an der Deggingstraße.

Warum machen die Pensionslasten DSW21 so sehr zu schaffen?

Weil der Kapitalmarkt, an dem das Geld angelegt ist, kaum noch Zinsen abwirft. Darunter haben aktuell alle Unternehmen zu leiden, die ihren Mitarbeiterin Pensionszusagen gemacht haben. Das Problem ist, dass sich der Bilanzposten für Pensionsrückstellungen in der Größe an einem durchschnittlich errechneten Marktzins orientiert. Je niedriger der Zins ausfällt, desto mehr steigen die Rückstellungen.

Weil sie als Verbindlichkeiten betrachtet werden, schmälern sie wiederum das Eigenkapital eines Unternehmens und drücken den Gewinn. Mittlerweile hat DSW21 rund 375 Millionen Euro Pensionsrückstellungen gebildet. 2013 mussten zusätzlich 10 Millionen Euro nachgelegt werden, 2014 bereits 20 Millionen Euro. Für 2015 zeichnet sich ein doppelt so hoher Aufwand von rund 40 Millionen Euro ab.

Und das geht von Jahr zu Jahr weiter, bis die Zinsen steigen?

Nein. Eine solche Entwicklung kann kleine und mittlere Betriebe ernsthaft gefährden. Deshalb setzen Unternehmen darauf, dass der Gesetzgeber erlaubt, die Berechnungsgrundlagen zu ändern und sie so mehr Spielraum für ihre Bilanz gewinnen.

Das gilt auch für DSW21: Das Unternehmensergebnis wird wesentlich davon abhängen, ob die anvisierten Änderungen noch 2015 oder erst später greifen. Laut Plan steuern die Stadtwerke auf ein Minus von rund 20 Millionen Euro zu. Ändert sich bei den Pensionsrückstellungen im laufenden Jahr nichts, kann das Minus im schlimmsten Fall auf rund 40 Millionen Euro in die Höhe schießen.

Welche Rolle spielt das Pannenkraftwerk Gekko für DSW21?

Die Stadtwerke sind über ihre Tochter DEW21 (Dortmunder Energie und Wasser) an dem RWE-Steinkohlekraftwerk in Hamm beteiligt. Wie 22 weitere Kommunen wollen sie nach Jahren hoher Verluste aus dem Gemeinschaftsunternehmen aussteigen und verhandeln darüber mit dem RWE-Konzern. Gut 65 Millionen Euro Rückstellungen hat DEW21 für Gekko bereits bilden müssen.

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Im Falle eines 100-prozentigen Ausstiegs, über den in den nächsten Wochen entschieden wird, könnten noch einmal gut 30 Millionen Verluste hinzukommen. Das schlägt auf die Bilanz von DEW21 und auf die der Mutter DSW21 durch.

Gibt es eine Lösung?

Darüber wird mit RWE verhandelt. Das zusätzliche Problem in Dortmund besteht darin, dass RWE, der Erbauer des Pannenkraftwerks, mit 39,9 Prozent an DEW21 beteiligt ist. (60,1 Prozent hält DSW21). Bei den Verhandlungen geht es also im Kern auch um die Frage, ob RWE zu einer fairen Lastenteilung bereit ist. Die gut 65 Millionen Euro, die DEW21 für Gekko zurückgestellt hat, sind allerdings weg und nicht mehr hereinzuholen. Es geht also nur noch um Schadensbegrenzung.

Aber wie kann die aussehen?

Betriebswirte hätten ihre helle Freude, Laien würden eher von Buchhalter-Tricks sprechen. Das Prinzip nennt sich "Schütt-aus-und-hol-zurück-Verfahren" und funktioniert so: Die beiden Gesellschafter DSW21 und RWE erhalten wie üblich ihren anteiligen Gewinn an DEW21.

Im zweiten Schritt führen beide Gesellschafter ihre Erlöse teilweise zurück an DEW21. Was das bringt? DEW21 steigert seine Eigenkapitalquote – und damit automatisch seinen Wert. Und das sowohl in den Büchern von DSW21 als auch in den Büchern von RWE. So soll der Schaden für DEW21 und DSW21 zumindest begrenzt werden. 

 

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