Duell mit Wasserpistolen ersetzt am Schloss Rodenberg bei über 30 Grad den Schwertkampf

rnAplerbecker Schlossfehde

Der fünfte Mittelaltermarkt rund um das Schloss Rodenberg bot am Wochenende Besonderes. Mit dem Königlichen Herold, einem Zuber und dem Pilgerabzeichen Reinoldus aus Zinn.

Aplerbeck

, 30.06.2019, 13:12 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei Temperaturen von über 30 Grad Celsius fordert der Mittelaltermarkt im Rodenbergpark Darstellern wie Gästen einiges ab. Dennoch haben sie nach der erstmaligen Eröffnung auf dem schattigen Schlosshof viel Spaß.

„Rüstungen dürfen nicht angelegt werden“, verfügen Organisator und Bettelmönch-Darsteller Jörg Wiedelmann sowie der Inquisitor und Königliche Herold Roland Freiherr zu Eberswalde gleich zu Beginn der dreitägigen „Aplerbecker Schlossfehde“. „Unter der Rüstung werden es schnell ´mal 60 bis 70 Grad“, verdeutlicht der Herold.

Leichte Gewänder

So präsentieren sich Ritter „nur“ in Gewändern und Handwerker mit freiem Oberkörper, lediglich mit typischer Tischler-Lederschürze bekleidet. Gewerkelt wird gleichwohl. Mit gebotenen Pausen. „Ich mache gleich weiter“, sagt der Schmied, der sich im Schatten von seiner schweißtreibenden Arbeit am offenen Feuer erholt.

Bei der Schlossfehde gab es viel Handwerkliches zu bewundern. Claudia Brunner flechtete Körbe aus Weidenzweigen.

Bei der Schlossfehde gab es viel Handwerkliches zu bewundern. Claudia Brunner flechtete Körbe aus Weidenzweigen. © Dietmar Bock

Besser hat es Claudia Brunner. Die Halternerin flechtet Körbe aus Weiden. „Die Zweige kaufe ich in Holland“, sagt sie im Schatten sitzend. „Die werden dort extra für diesen Zweck gezüchtet.“ Durch ein Buch habe sie dieses Hobby entdeckt, mittels Bücher sich alles selbst beigebracht. Neben Körben fertigt Claudia Brunner Dekorationen wie Spiralen, Fackeln und Kränze. „Ich will anderen eine Freude machen.“

Filigrane Kunst des Zinngießens

Freude mit alter Handwerkskunst wollen auch die „Gebrüder Zinngießer“ alias Thomas Reiner und Herbert Althaus bereiten. Die Mitglieder der Dortmunder Stadtwache verbinden ihre Kunst des Zinngießens mit der Historie. Herbert Althaus fertigt das filigrane Pilgerabzeichen Reinoldus. Dem liege ein archäologisches Fragment zu Grunde, weiß Thomas Reiner. „Zinngießer waren damals reiche Leute“, betont er. „Zinn war das Silber des kleinen Mannes.“

Neben diesen Produkten gibt es Liköre, Wein, Bier, Marmelade, Gürtel, edle Tücher, Kleidung und was sonst noch im Mittelalter notwendig war, zu erstehen. Für die Kinder werden bunte Schutzschilde, teilweise mit Motiven wie ein Einhorn darauf, Schwerter und Ritterhelme aus Kunststoff feilgeboten. Während letztere nicht nachgefragt werden, lässt so manch´ junger Ritter sein gerade erstandenes Schild sogleich tragen – von seiner Mutter.

Auch an die Jüngsten war gedacht. Hier proben zwei Mädchen das bunte Tücherkreisen.

Auch an die Jüngsten war gedacht. Hier proben zwei Mädchen das bunte Tücherkreisen. © Dietmar Bock

Treffsicherheit mit der Axt

Selbst aktiv werden, können die Besucher beim Axtwerfen, Bogenschießen und beim schwierigen Unterfangen, einen Nagel mit der spitzen Seite einer Axt in einen Baumstamm zu schlagen. Mädchen proben derweil das Schwenken von bunten Tüchern, zeigen schon nach kurzer Zeit tolle Choreografien. Statt der sonst beliebten Schwertkämpfe duellieren sich Ritter, abseits des offiziellen Programms, mit Wasserpistolen.

Und wer von den rund 350 Teilnehmern aus ganz Deutschland und sogar aus dem französischen Toulouse eine Abkühlung benötigt, kann das inmitten der 30 Heerlager im wohl temperierten Wasserbottich tun, dem sogenannten Zuber. Hergeleitet wird der Begriff vom althochdeutschen Wort "zwi-bar", das für "zwei Träger" steht und auf die beiden Tragevorrichtungen des Gefäßes zurückgeht.

Statt sich im Schwertkampf zu beweisen, duellieren sich die Ritter bei über 30 Grad Celsius ohne Rüstung nur mit Wasserpistolen.

Statt sich im Schwertkampf zu beweisen, duellieren sich die Ritter bei über 30 Grad Celsius ohne Rüstung nur mit Wasserpistolen. © Foto: Dietmar Bock

Hitze hält viele Besucher fern

Anderweitige Erfrischung ist am heißen Samstag mehr gefragt. „Viele haben einen Freibadbesuch vorgezogen“, resümiert Jörg Wiedelmann, der diesen Event mit Karsten Urban organisiert. „Aber heute Abend dürfte es voller werden“, setzt der den Bettelmönch Georg de Tremonia darstellende Gastgeber auf angemessene Würdigung der vielen Arbeit.

Schon jetzt liefen die Vorbereitungen für das nächste Jahr, fügt der Mann mit dem Kreuz auf der Brust hinzu. Dann hoffen Wiedelmann, Urban und alle Mittelalterfans auf so illustre Teilnehmer wie dieses Mal - und „ein paar Grad weniger.“

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