Duisburger Stadtwerke kämpfen um Gas- und Stromkunden von DEW21

rnEnergiemarkt in Dortmund

Rauer Wind auf dem Energiemarkt: Die Duisburger Stadtwerke buhlen um Strom- und Gaskunden in Dortmund. Sie reagieren damit umgekehrt auf einen Vorstoß, den DEW21 in Duisburg gemacht hat.

Dortmund

, 08.01.2019 / Lesedauer: 3 min

Tausende Strom- und Gaskunden von Dortmunder Energie und Wasser (DEW21) haben in diesen Tagen Post von den Duisburger Stadtwerken bekommen. Darin enthalten: ein mehr oder weniger fix und fertig ausgefüllter Vertrag, mit dem die Duisburger neue Kunden für ihre Online-Marke „Rheinpower“ gewinnen wollen.

Versprochen werden neben „attraktiven Preisvorteilen, exzellentem Online-Service und 24-monatiger, eingeschränkter Preisgarantie“ bestimmte Vergünstigungen wie ermäßigter Eintritt in Freizeitparks und Zoos. Als weiterer Lockvogel winkt Neukunden eine Bonuszahlung von 100 Euro nach den ersten zwölf Monaten.

Der heimische Versorger DEW21 reagiert gelassen. Seit Jahren erwehrt sich DEW21 auswärtiger Konkurrenten, die das Revier streitig machen und in Dortmund auf Kundenfang gehen. „In der Summe kommen wir pro Jahr auf 170 bis 250 Angebote verschiedenster Lieferanten“, sagt DEW21-Sprecherin Martina Sprotte. „Das ist der Markt.“

Wie viel Kunden DEW21 von der Fahne gehen beziehungsweise umgekehrt zu DEW21 kommen, darüber schweigt sich der Energieversorger aus. Ex-DEW21-Chef Frank Brinkmann hatte 2011 eine Wechselquote von „rund zehn Prozent“ vorhergesagt. Das habe sich so nicht bewahrheitet, sagt Sprotte. „Die Zahl ist zu hoch gegriffen.“

Wildern im fremden Revier? „Dies machen aber nicht alle“

Christina Wallraf, Referentin für Energiemarkt bei der Verbraucherzentrale NRW, wundert sich, dass ausgerechnet die Stadtwerke als Mitglieder der „gemeinsamen kommunalen Familie“ gegenseitig in ihren Revieren wildern. „Dies machen aber nicht alle“, sagt Wallraf.

Aus Duisburg wiederum ist zu hören, die Aktion sei lediglich eine Reaktion auf das Vorgehen von Dortmund. Schließlich habe DEW21 im vergangenen Jahr 2018 umgekehrt eine Kampagne in Duisburg gestartet, sagt Felix zur Nieden, Sprecher der Duisburger Stadtwerke. „Wir müssen in einem liberalisierten Markt eben mit allen Energieanbietern konkurrieren.“

Kommt StadtEnergie wieder ins Spiel?

Natürlich versucht auch DEW21, Anteile aus anderen Revieren zu gewinnen. Über Umfang und Adressaten schweigt sich der Energieversorger aus; ohnehin wird der gesamte Vertriebsbereich aktuell auf neue Füße gestellt. Sprecherin Martina Sprotte mag nur so viel sagen: DEW21 sende hin und wieder Angebote per Mail in die nähere Umgebung. „Aber wir machen das nicht exzessiv.“

2011 gab es noch andere Pläne: Damals hatte DEW21 eigens die Tochter „StadtEnergie GmbH“ gegründet, um damit deutschlandweit auf Kundenfang zu gehen. Viel geworden ist daraus nicht: StadtEnergie ist mittlerweile in der Versenkung verschwunden. Nun wird bei DEW21 geprüft, die Gesellschaft zu reaktivieren.

Verbraucherzentrale: Nicht nur auf Preise, sondern auch auf Vertragsbedingungen schauen

Energie-Expertin Wallraf von der Verbraucherzentrale rät Kunden, bei Angeboten „nicht nur auf die Preise, sondern vor allem auf die Vertragsbedingungen zu schauen.“ Einen Vertrag mit zwei Jahren Laufzeit würde sie generell eher nicht unterschreiben. „Kunden sollten sich lieber für ein Jahr binden und dann schauen, welche neuen Angebote es gibt“, empfiehlt Walraf.

Die Duisburger jedenfalls zielen mit ihrer Werbetour auf jene DEW21-Kunden, die noch über einen (relativ teuren) Grundversorgungstarif verfügen – das sind die meisten Kunden. Sie sollen in den Online-Tarif von R(h)einpower gelockt werden. „Verbraucher sollten da genau rechnen“, sagt Energieexpertin Wallraf. Auch DEW21 bietet einen Online-Tarif für Strom und Gas.

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