Durchbruch im Kita-Streit - Neue Streiks wohl vom Tisch

Stadt arbeitete an Plan B

Gute Nachrichten für alle Eltern: Aller Voraussicht nach wird es keine neuen Kita-Streiks geben. Nach sieben Monaten erzielten die Gewerkschaften und die kommunalen Arbeitgeber jetzt einen Durchbruch im Tarifstreit um die Erzieherinnen und Sozialarbeiter. Die Stadt Dortmund hatte schon an einem Plan B gebastelt.

DORTMUND

, 30.09.2015, 10:34 Uhr / Lesedauer: 2 min
Durchbruch im Kita-Streit - Neue Streiks wohl vom Tisch

Wenn es in den städtischen Kitas erneut zum Streik kommt, wird es zwar keine offiziellen Notgruppen geben. Die Stadt will den Eltern trotzdem unbürokratisch helfen.

Aktualisierung, Mittwoch, 13.13 Uhr:

Neue Streiks sind offenbar vom Tisch. Die Gewerkschaften und die kommunalen Arbeitgeber erzielten am Mittwoch einen Durchbruch im Tarifstreit. „Insgesamt bringt das Ergebnis für das Gros der Beschäftigten Verbesserungen“, sagte Verdi-Chef Frank Bsirske am Mittwoch in Hannover. Der Gewerkschaftsbasis werde die Annahme empfohlen. Neue Kita-Streiks wären damit abgewendet. 

Verbesserungen sind vor allem für jüngere Erzieherinnen und Sozialarbeiter vorgesehen. Vollzeitbeschäftigte sollen zwischen 93 und 138 Euro mehr im Monat erhalten. Die Bundestarifkommission der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kommt am Freitag in Fulda zusammen, um ein Votum zu der Einigung abzugeben. Die kommunalen Arbeitgeber bezifferten die Mehrkosten durch das Ergebnis auf 315 Millionen Euro.

Verhandelt wurde für rund 220.000 Erzieherinnen, Sozialarbeiter und -pädagogen, Kinderpfleger und Mitarbeiter der Behindertenhilfe. Ein Streik der Kita-Erzieherinnen hatte sich im Frühjahr über vier Wochen hingezogen.

Erster Bereicht, Mittwoch, 10.34 Uhr:

Äußerst zäh gestalteten sich auch am Dienstag die Gespräche zwischen kommunalen Arbeitgebern und der Gewerkschaft Verdi um eine bessere Bezahlung von Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst. Ohne Ergebnis drohen ab Mitte Oktober neue Streiks in Kitas und Jugendeinrichtungen. Und dabei will die Gewerkschaft die Gangart noch einmal verschärfen, wie Verdi-Chef Frank Bsirske schon am Montag angekündigt hatte. So soll es Arbeitsniederlegungen ohne Vorankündigung und ohne Notgruppen geben.

Zur Erinnerung: Beim vierwöchigen Kita-Streik im Mai und Juni hatte es nach der Vereinbarung zwischen Stadt und Verdi zunächst 140 Notplätze in sechs Kitas des städtischen Trägers Fabido gegeben, zuletzt war wegen der großen Nachfrage die Zahl der Plätze auf 710 erhöht worden. 

Notangebot steht nicht mehr zur Verfügung

Bei einem erneut drohenden Streik stünde dieses Notangebot nicht mehr zur Verfügung. Dabei sind die Rahmenbedingungen für die Eltern noch schwieriger geworden, weil viele beim zurückliegenden Kita-Streik ihren Urlaub schon aufgebraucht haben, weiß Oberbürgermeister Ullrich Sierau.

Deshalb will die Stadt nach seiner Ankündigung „Brückenformate“ anbieten. Dazu gehört, dass die betroffenen Eltern die ungenutzten Fabido-Kitas für eine gemeinsame Kinderbetreuung in Eigenregie nutzen können. „Wir wollen für den Fall der Fälle zumindest ein Dach über dem Kopf und Infrastruktur anbieten“, erklärt Sierau. 

Selbstorganisierte Notbetreuung

Die Eltern sollen dazu in den nächsten Tagen ihr Interesse an einer solchen selbstorganisierten Notbetreuung in der Kita ihres Kindes anmelden, erklärt Sierau. Ziel sei es, möglichst in jedem der zwölf Stadtbezirke eine Not-Einrichtung anbieten zu können. Und letztlich ist auch nicht ausgeschlossen, dass in den Not-Kitas auch Erzieherinnen und Erzieher, die nicht streiken, zum Einsatz kommen.

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mit dpa-Material

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