Die ersten Leih-E-Scooter sind seit Montag, 8. Juli, in Dortmund zu haben. Wir haben es getestet: Wie funktioniert das? Wo wird‘s brenzlig? Und was passiert in den Verbots-Zonen?

Dortmund

, 08.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Sie fallen schnell ins Auge. Schwarz, mit orangefarbenen Applikationen an der Lenkerstange. Die ersten elektrischen Leih-Tretroller des Anbieters Circ stehen seit Montagmorgen, 8. Juli, in Dortmunds Innenstadt bereit. Nach Angaben des Unternehmens sind es zu Beginn etwa 100 Stück. Je nach Nachfrage stockt Circ die Zahl in der nächsten Zeit auf.

Die entsprechende App - sowohl im Google Play Store als auch im Apple Store erhältlich - zeigt unter Verwendung des Smartphone-GPS an, wo genau. Gegen 10 Uhr stehen noch vier Stück am Fuß der Petrikirche.

App akzeptiert derzeit nur Kreditkarten als Zahlungsmethode

Ein Klick in der App, ein Scanfeld erscheint. Dieses auf einen QR-Code am Lenker des Rollers gerichtet – und schon erklingt ein Ton. Bevor der Roller zahlungspflichtig geliehen ist, zeigt die App den Ladestatus des Akkus an. Das Fahrvergnügen ist ein Wischen nach rechts entfernt. Unter der Vorraussetzung, dass man vorher eine Kreditkarte eingetragen hat.

Die Gebühr für die Freischaltung eines E-Tretrollers von Circ liegt derzeit bei einem Euro. Jede Minute kostet den Nutzer anschließend 15 Cent.

E-Scooter im Test: So gut funktioniert das neue Leih-System in Dortmund

An der Kampstraße ziehen die E-Scooter viele neugierige Blicke auf sich. © Thomas Thiel

Slalom-Fahrt über den Westenhellweg erzeugt viele erschrockene Blicke

Dann mal los: Einen Fuß drauf, mit dem anderen Schwung geben. „Ich würde den Ständer einklappen“, sagt eine Passantin prompt. Besser ist das.

Also nochmal: Einen Fuß drauf, mit einem einmal antreten. Der Hebel zum Beschleunigen am rechten Griff lässt sich mit dem Daumen herunterdrücken.

Die abenteuerliche Fahrt beginnt über den Westenhellweg. Bis auf 20 Kilometer pro Stunde sollen die Roller beschleunigen können. Wirklich schnell lässt es sich hier in der Fußgängerzone aber nicht fahren. Zu viele Menschen. Mit entsprechender Balance im Körper lässt sich der Slalomkurs durch die flanierenden Menschenmassen bewältigen - inklusive einiger stärkerer Bremsmanöver.

„Irgendwie würde ich mich gerne bemerkbar machen können“, ist ein erster Gedanke. Eine Klingel finde ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Dafür eine Smartphone-Halterung am Lenker. Der E-Scooter macht so gut wie keine Geräusche. Die Folge: mehrere erschrockene Blicke von überholten Fußgängern. Später stellt sich eher zufällig heraus, dass ein Drehen am linken Lenkergriff ein Klingeln ertönen lässt.

Sind die roten Zonen Verbotszonen?

Auf dem Hansaplatz ist die Fahrt dann weniger erfreulich. Die kleinen Räder des Rollers vertragen sich nicht so recht mit dem Kopfsteinpflaster. Auf dem Friedensplatz geht’s durch die glatten Steinstreifen zwischen dem Pflaster besser. Hier geht es zur ersten „roten Zone“. In der App rot eingezeichnet: der Stadtgarten. Was passiert, bei der Fahrt in diese Zone? Die Antwort: Nichts. Ohne Probleme fährt der E-Scooter einmal quer hindurch. Ich bin verwundert...

Das will ein zweites Mal getestet werden. Zielort ist diesmal der Westpark. Auch dieser ist eine „rote Zone“. Aber auch hier gibt es keine Einschränkung.

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„Es handelt sich bei den roten Zonen um Parkverbotszonen. Ich kann den Roller zwar abstellen, aber die Miete nicht beenden“, erklärt Circ-Deutschland-Chef Max Hüsch im Gespräch mit der Redaktion. Genauso verhält es sich in den grauen Bereichen, die außerhalb des sogenannten Geschäftsbereiches liegen.

Wo finde ich die Rolle und wo darf ich fahren? Und wie lange hält der Akku?

In Dortmund gibt es zurzeit zwei Zonen, die zum Geschäftsbereich gehören. Dort sind die E-Scooter mittels App zu finden und dort können sie auch wieder abgestellt werden. In der Innenstadt reicht der Bereich momentan etwa von der S-Bahn-Haltestelle Dortmund-West bis kurz vorm U-Bahn-Haltepunkt Funkenburg im Osten. Im Süden Dortmunds verläuft die Grenze derzeit ungefähr auf der Strobelallee und am Westfalenpark.

Der Dortmunder Norden geht dagegen weitestgehend leer aus. Hier ist kurz hinter dem Hauptbahnhof Schluss.

„Der Bereich kann sich noch vergrößern“, erklärt Max Hüsch. „Das hängt von der Nachfrage ab.“ Warum zu Beginn gerade die Nordstadt ausgelassen wurde? „Wir schauen nach der Infrastruktur und haben dann für uns den idealen Start-Bereich bestimmt.“

E-Scooter im Test: So gut funktioniert das neue Leih-System in Dortmund

Die derzeitigen Zonen des Anbieters Circ. In den roten Fläche sollte das Fahren eigentlich nicht möglich sein. © Wilco Ruhland

Ein zweiter Bereich, in dem die Roller aufgestellt wurden, befindet sich rund um die Uni. Heißt das, ich kann nur in der Innenstadt und rund um die Universität fahren?

Mit dem E-Roller zur Uni

Nein. Auch der Weg von der Innenstadt Richtung Barop, entlang der A40, ist kein Problem.

Hier ist der erste geparkte Tretroller zu sehen, der mitten vor einer Treppe, hoch zum Campus, abgestellt wurde. So lange man sich in der erlaubten Zone befindet, kann man die Roller einfach stehen lassen. In der App auf dem Smartphone einmal wischen und die Fahrt ist beendet.

Die Rückfahrt wird dann spannend: Nach knapp zwei Stunden Fahrt mit einer zwischenzeitlichen Pause ist die Akkuladung von 98 Prozent weit gefallen. Das lässt sich mit der Circ-App überprüfen. Bei der Rückkehr am Medienhaus in der Silberstraße steht der Akku noch bei 8 Prozent. Zur Aufladung abgeholt werden die Roller laut Hüsch rund um die Uhr.

Schwieriges Abbiegen im Straßenverkehr

Ein paar schwierige Situationen im Straßenverkehr gibt es. Beispiel: das Abbiegen. Einen Blinker besitzen die elektrischen Flitzer nicht. Handzeichen geben ist eher etwas für Balance-Talente. Mit nur einer Hand am Lenker wird das Ganze schon sehr wackelig.

Nicht nur Kopfsteinpflaster sind während der Fahrt unangenehm. So geht es auch bei zahlreichen Schlaglöchern oder Gulli-Deckeln. Richtig gefährlich wird es im Straßenverkehr dann, wenn man versucht, diesen auszuweichen.

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Wie auf diesem Screenshot zu sehen, haben die beiden längeren Fahrten nicht ganz 25 Euro gekostet. © Wilco Ruhland

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