Verkehrsforscher: Dortmunds Straßennetz ist schlecht gerüstet für E-Scooter

rnElektro-Tretroller

Sollte der Bundesrat am Freitag E-Scooter zulassen, könnten bald zahlreiche Elektroroller in der Stadt unterwegs sein. Ein TU-Forscher sagt: Dortmunds Straßen sind dafür nicht bereit.

Dortmund

, 17.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Als sich Jacobo Villegas vor einigen Wochen einen E-Roller kaufte, war die Sache für ihn klar: Der 42-jährige Programmierer wollte ein schnelles, unkompliziertes Fahrzeug, dass ihn ohne Anstrengung von seiner Wohnung im Klinikviertel ins Büro in der City bringt: „Vorher hatte ich Fahrräder, doch die wurden mir immer geklaut, wenn ich sie draußen abschloss.“ Seinen 350 Euro teuren und bis zu 20 km/h schnellen Scooter kann Villegas ganz einfach zusammenklappen und sich wie eine Tasche umhängen, wenn er am Ziel angekommen ist.

Doch was man dem Dortmunder beim Kauf nicht gesagt hatte: E-Scooter sind noch nicht für den Straßenverkehr zugelassen. Das kann sich am Freitag (17.5.) ändern: Dann wird der Bundesrat aller Voraussicht nach die Nutzung der Elektroroller auf deutschen Straßen erlauben.

E-Scooter gelten als Alternative zu Autos in der Innenstadt

Nicht nur Privatleute wie Villegas freuen sich schon auf die Zulassung. Gleich mehrere Start-Ups wie Lime, Tier und Bird bereiten sich darauf vor, möglichst schnell Leih-Elektroroller in Dortmund zu verteilen, wie sie es auch schon in Städten wie Athen, Kopenhagen oder Wien getan haben. Die Stadt sei in Gesprächen mit mehreren Verleihern, sagte Oberbürgermeister Ullrich Sierau vergangene Woche.

E-Scooter gelten als wichtiger Bestandteil der Verkehrswende, als umweltfreundliches und flexibles Verkehrsmittel für kurze Strecken, als Alternative zu Autos in der Innenstadt.

Durchgängiges Radwegenetz fehlt in Dortmund

Doch abseits des Hypes um sie werden die Elektroroller auch zu Problemen im Straßenverkehr führen, glaubt Christian Holz-Rau. Seit 1998 ist der Diplom-Ingenieur Professor für Verkehrswesen und Verkehrsplanung an der TU Dortmund. Er sagt: „Dortmunds Straßennetz ist schlecht gerüstet für einen möglichen E-Scooter-Boom.“

E-Scooter werden in Deutschland nicht auf Gehwegen unterwegs sein dürfen, sondern werden behandelt wie Fahrräder. Damit E-Scooter also sicher und komfortabel fahren können, braucht es ein durchgängiges Radwegenetz vor allem entlang der Hauptverkehrsstraßen, meint Holz-Rau. „Doch Dortmund ist von einer fahrradfreundlichen und damit auch E-Scooter-freundlichen Stadt leider noch immer weit entfernt.“

„Verkehrstechnisch sind die E-Scooter eine Katastrophe“

Mara Kammermeier von „Aufbruch Fahrrad“ geht sogar noch weiter: „Verkehrstechnisch sind E-Scooter auf Fahrradwegen eine Katastrophe.“ Auch wenn sie sich persönlich über jeden Menschen freue, der vom Auto umsteige, gebe es schon jetzt viel zu wenig Platz auf den zu schmalen und lückenhaften Radwegen. Das werde mit E-Rollern nur noch schlimmer.

Kammermeier ist Mitglied des Dortmunder Ablegers der Volksinitiative, die den Anteil des Radverkehrs in NRW von derzeit 8 auf 25 Prozent erhöhen will – in Dortmund lag er bei der letzten Mobilitätsbefragung 2013 bei lediglich 6 Prozent. Die Kreuzviertlerin und ihre Mitstreiter haben für diese Forderung allein in Dortmund bisher rund 30.000 Unterschriften gesammelt.

„Emissionsfreie Innenstadt“ wird gefördert

Doch es tut sich was in Dortmund: In ihrem Projekt „Emissionsfreie Innenstadt“ will die Stadtverwaltung in den nächsten drei Jahren unter anderem den Radweg am Schwanen- und Ostwall verbessern, Fahrradachsen für die Fahrt in die Innenstadt einrichten und eine Radstation am Rathaus planen. Und langfristig ist in der Diskussion, ob man den Wall als Ganzes nicht fahrradfreundlicher gestalten kann, eventuell sogar mit einer Spur nur für Fahrräder.

„Die politischen Rahmenbedingungen ändern sich erkennbar“, sagt Holz-Rau, schiebt aber nach: „Verbesserungen für den Fuß- und Radverkehr brauchen in Dortmund einfach zu viel Zeit.“

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