Paare in der Pandemie: „In Corona-Zeiten trennt man sich nicht“

rnEheberatung Dortmund

Die Anfangsphase der Pandemie wurde für viele Paare und Familien zur Belastungsprobe. Nun stellt sich heraus: Die Krisensituation kann positive Effekte auf die Beziehung haben.

Dortmund

, 29.08.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle (EFL) der katholischen Kirche betreut kostenlos Paare, Familien und Einzelpersonen. Als in der Anfangsphase der Coronavirus-Pandemie viele Geschäfte und öffentliche Orte schließen mussten, hat das auch die EFL betroffen.

In dieser Zeit mussten die Berater und Beraterinnen auf alternative Kommunikationswege ausweichen. An den Anliegen, wegen derer Menschen die Telefon- und Video-Beratung aufgesucht haben, hat sich durch die Pandemie allerdings wenig geändert.

Lebensberatung übers Telefon

Die Möglichkeit, per Telefon beraten zu werden, haben vor allem Einzelpersonen genutzt. „Durch Corona ist alles andere, was stabilisierend war, weggefallen“, sagt Dr. Petra von der Osten, Beraterin der EFL in Dortmund.

Bei der Lebensberatung handelt es sich um eine Einzelberatung. Hier rufen Leute an, die akute Probleme haben. Häufige Themen sind Angst, Beruf, Einsamkeit und Lebensphasenklärung.

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Video-Beratung durch Corona eingeführt

Von Paaren wurde das Angebot der Telefonberatung jedoch kaum angenommen. „Die Paarberatung lebt von Face-to-Face“, sagt von der Osten. Bei der EFL werden „alle Arten von Paaren“ beraten: Ehepartner, Geschwisterpaare oder Eltern-Kind-Paare.

Daher sei eine Video-Beratung neu eingeführt worden. „Bei der Paarberatung ist es wichtig zu sehen, wie der Partner reagiert“, sagt Niels Christensen, Leiter der Beratungsstelle in Dortmund. Den Partner reagieren zu sehen sei wichtiger, als den Redner selbst zu sehen.

Das Angebot des Video-Chats sei jedoch nicht so viel genutzt worden, wie anfangs vermutet. Ein Grund dafür sei, dass Probleme in der Beziehung meistens weniger akut seien.

Eheberatung unabhängig von Pandemie in Anspruch genommen

Das häufigste Problem, mit dem Paare zur Beratungsstelle kommen: Kommunikation. Da habe sich auch durch Corona nicht viel dran geändert. „Es gibt keine speziellen Corona-Themen. Die Paare kommen mit den alten Problemen“, sagt Leiter Niels Christensen.

Trennwände aus Glas machen eine persönliche Paarberatung unter Corona-Bedingungen bei der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle in Dortmund möglich.

Trennwände aus Glas machen eine persönliche Paarberatung unter Corona-Bedingungen bei der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle in Dortmund möglich. © Anne Schiebener

Als Beispiel nennt er Kindergeburtstage, Oma besuchen, Kontakte pflegen oder Rücksichtnahme. Bei den meisten Paaren habe Corona für die Beziehung keine Bedeutung. Sie kämen nicht zur Eheberatung, weil Corona ausgebrochen ist.

Corona als gemeinsamer Feind für Paare

Für viele Paare sei die Zeit, in der große Teile des Lebens in der Wohnung stattfanden, für eine gewisse Zeit sogar eine gute Erfahrung gewesen. „Endlich ist mal nicht alles andere wichtiger als ich“, sagten Paare, die mehr Zeit füreinander hatten, als Termine und Veranstaltungen ausgefallen waren.

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„Paare kommen näher zusammen, wenn sie einen gemeinsamen Feind haben“, sagt Niels Christensen. Das können die Schwiegereltern oder Nachbarn sein. Oder eben auch das Coronavirus.

„In Corona-Zeiten trennt man sich nicht.“ Da spiele die Unsicherheit eine wichtige Rolle. Krisenzeiten seien nicht der richtige Zeitpunkt für eine Trennung. Im Beruf sei es ähnlich. Da würde man zu dieser Zeit auch nicht kündigen oder den Job wechseln.

Situation in Beratungsstelle wieder normalisiert

Mittlerweile darf das Team auch wieder in der Beratungsstelle selbst beraten. Dafür hat EFL Trennwände in den Beratungszimmern aufgebaut und die Beratungszeiten verkürzt, um zwischen den Sitzungen ausreichend durchlüften zu können.

In den vergangenen vier Wochen habe EFL wieder mehr zu tun. Die Paare, die schon vor Corona zur Beratung gekommen sind, seien zurück, aber auch neue Klienten seien aufgenommen worden.

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