Tödliches Beziehungsdrama: "Ich habe sie über alles geliebt"

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Ein Iraker aus Scharnhorst soll im Oktober seine Ex-Partnerin ermordet haben. Die Staatsanwaltschaft spricht von Wut und Eifersucht, der Angeklagte von Provokationen und Beleidigungen.

Dortmund

, 09.04.2019, 18:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Paar hatte sich schon Wochen vor der Bluttat getrennt, war aber unter anderem wegen der beiden Kinder trotzdem in der gemeinsamen Wohnung geblieben. Immer wieder soll der 32-jährige Angeklagte anschließend jähzornig und gewalttätig geworden sein. So sehr, dass die Frau zwischenzeitlich beim Amtsgericht eine einstweilige Verfügung erwirkte, die es dem Mann verbot, sich ihr zu nähern.

Der Iraker hält diese Berichte jedoch für böswillige Unterstellungen. Er präsentierte sich zum Prozessauftakt als zutiefst geknickt und falsch verstanden. "Ich habe sie über alles geliebt", sagte er. "Ich habe das beste und wichtigste Mädchen in meinem Leben verloren, und das auch noch durch meine eigenen Hände." Zu keiner Zeit sei er gegenüber seiner Partnerin handgreiflich geworden, behauptete der Mann. Im Gegenteil: "Ich habe alles für sie getan."

Keine Erinnerung an die Tat

Dass es am Tatabend gegen 22.30 Uhr Streit gab, bestreitet der Angeklagte dagegen nicht. Jedoch sei nicht er der Aggressor gewesen, sondern seine Partnerin. Sie habe ihn beleidigt und verhöhnt und schließlich ein Messer von einem Schrank genommen. "Sie sagte, ich solle zeigen, dass ich ein Mann bin und sie doch umbringen", sagte der Iraker.

Natürlich will er zunächst nicht auf diese Provokation eingegangen sein. Als die Frau ihn daraufhin jedoch auch noch angespuckt habe, müsse er wohl ausgerastet sein. "Ich war komplett weg", behauptete der Angeklagte am Dienstag. Dass er selbst danach die Polizei rief, dass er die Eltern seiner Lebensgefährtin alarmierte und vor seiner Festnahme sogar noch ein Foto der Leiche bei Instagram veröffentlichte, will er überhaupt nicht mehr wissen. "Alles weg", so der 32-Jährige.

43 Stich- und Schnittverletzungen

Das Opfer hatte keine Chance, den Angriff zu überleben. Insgesamt zählten die Rechtsmediziner bei der Obduktion der Leiche 43 Stich- und Schnittverletzungen. Allein das Herz wurde dreimal getroffen, die Lunge immer wieder durchstoßen. Und was besonders auffällt: Die einzelnen Stichkanäle waren fast doppelt so lang wie die Messerklinge. "Das spricht dafür, dass mit erheblicher Wucht zugestochen wurde", sagte der Vorsitzende Richter Peter Windgätter.

Ein Cousin des Angeklagten nährte in seiner Zeugenaussage den Verdacht, dass vielleicht doch Wut und Eifersucht hinter der Messerattacke gesteckt haben könnten. Der junge Mann präsentierte den Richtern einen Kurznachrichten-Verlauf mit dem Angeklagten. Darin wirft ihm der 32-Jährige immer wieder vor, ein Verhältnis mit seiner Lebensgefährtin zu haben. "Außerdem hat er mich und meine Familie immer wieder beleidigt", sagte der Cousin.

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