Ein altes Pfarrhaus und viele Antiquitäten zwischen schicken Neubauten am Tremoniapark

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Am Leierweg versteckt sich zwischen hohen Häusern ein altes Pfarrhaus. Es stammt aus einer Zeit, in der das Viertel verrufen und der Tremoniapark noch Brachgelände war. Wir haben angeklopft.

von Rebekka Antonia Wölky

Dortmund

, 12.06.2019, 21:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In einem ehemaligen Pfarrhaus im Tremoniaviertel lebt und arbeitet seit mehr als 35 Jahren der Antiquitätenhändler und Restaurator Gerd Klemmer. Denn rund um den Tremoniapark stehen längst nicht nur Neubauten und Architektenhäuser. Zwar ist das Viertel in den vergangenen Jahrzehnten zu einer beliebten und modernen Wohngegend geworden, bei genauerem Hinsehen findet man aber noch Relikte aus einer anderen Zeit. So auch Klemmers Pfarrhaus am Leierweg 29, das zwischen den mehrgeschossigen Wohnhäusern beinahe klein wirkt.

Aus Brachgelände wurde der Tremoniapark

„Ich habe das Viertel noch erlebt, da war das hier alles Underground“, sagt Klemmer. Früher habe man zu den Kindern im Kreuzviertel gesagt: „Geh bloß nicht in den Leierweg!“ „Die Gegend hatte einen sehr schlechten Ruf. Jetzt ist das ganz anders“, erzählt er. „Hier stehen mittlerweile schicke Häuser und es ist eine teure Wohngegend. Was einmal Brachgelände war, ist zu einem schönen Park geworden.“

Ein Zugang zum Tremoniapark befindet sich sogar direkt gegenüber des Pfarrhauses. Besser könnte die Wohnlage also kaum sein. Durch ein Eisentor gelangt man in einen Hof, in dem Skulpturen, Kunstwerke und Antiquitäten stehen. Von dort aus führt eine Treppe unter einem Vordach zur Eingangstür und in den Verkaufsraum.

Küsterwohnung im Pfarrhauskeller

Ursprünglich gehörte das Pfarrhaus zur Evangelischen Nicolai-Gemeinde. „Damals waren hier Auswanderer aus dem Osten in Baracken untergebracht. In der Straße entstand eine richtige kleine Stadt, mit Bäckern, Schustern und eben auch diesem Pfarrhaus“, berichtet Klemmer. Die Ausgewanderten verschwanden nach und nach und die Gemeinde wurde eingemeindet. Das Pfarrhaus aber blieb. Klemmer mietete es zunächst von der Kirche an, später kaufte er Gebäude und Grundstück.

Heute bewohnt er noch immer die ehemalige Küsterwohnung im Keller und führt im Erdgeschoss sein Antiquitätengeschäft. In einer kleinen Werkstatt restauriert er Sammlerstücke. Der Laden ist ruhig, die Räume sind sehr hoch und durch die großen, fast deckenhohen Fenster fällt viel Licht herein.

Ladeninneneinrichtungen und altes Spielzeug

Beinahe bis unter die Decke stapeln sich auch die Antiquitäten. Es ist ein wahres Stöberparadies, in dem man sich ein bisschen verlieren kann. Das Gefühl, hinter einem der Globen oder zwischen den Büchern in einer alten Vitrine echte Schätze finden zu können, ist allgegenwärtig. Die Luft ist etwas staubig und scheint nach den Geheimnissen und Geschichten, die die Antiquitäten verbergen, zu riechen.

Angefangen hat Klemmers Leidenschaft für Außergewöhnliches mit Ladeninneneinrichtungen und altem Spielzeug. Davon gibt es in seinem Laden auch heute noch einiges. Alle Stücke seien nach System geordnet, versichert er. „Ich bin kein Messi-Typ, sondern habe einen Überblick über die Sachen. Das Geschäft ist zum Beispiel in Bereiche mit Möbeln, Raritäten, Lampen und Bildern gegliedert.“ Wie viele Stücke er heute besitzt, weiß allerdings auch er nicht genau. Es seien schon einige. Allein zur Raritätenbörse auf Zeche Carl in Essen hat er über Pfingsten um die 1000 Wohnaccessoires, Werkzeuge und alte Reklameschilder aus den 1950er- und 1960er-Jahren mitgenommen.

Idyllischer Pfarrhausgarten

Im hintersten der Räume führt eine schmale Treppe in den Garten des ehemaligen Pfarrhauses. Auch diesen nutzt Klemmer als Verkaufs- und Ausstellungsfläche. Sogar einen Wintergarten gibt es hier, einen Teich und Skulpturen und Gartenmöbel auf dem Rasen.

Etwas unterhalb des Gartens verlaufen Bahnschienen und Stromleitungen. Ein bisschen sieht es also doch auch in dieser unerwarteten Idylle hinter dem Tremoniapark nach Industrie und Ruhrgebiet aus. Gerade fährt allerdings kein Zug vorbei. Die meiste Zeit sei es hier ruhig, sagt Klemmer.

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