Jason Stender spielte Fußball und trainierte Jugendliche, doch der Beruf und eine Verletzung beendeten vorerst die Karriere. Nun gibt er sein Wissen an Trainer in ganz Deutschland weiter.

Brechten

, 21.07.2018 / Lesedauer: 4 min

Jason Stender bringt alles mit, was ein ambitionierter Fußballtrainer im Jugendbereich braucht: die Trainer-C-Lizenz, eine fußballerische Vergangenheit, eigene Erfahrung als Nachwuchscoach und – nicht zuletzt – pädagogische Vorkenntnisse. Doch hier liegt zugleich das Problem, denn die Ausbildung zum Kinderpfleger lässt dem 21-Jährigen kaum noch Zeit, um selbst aktiv zu kicken oder Jugendliche zu trainieren. Nichtsdestotrotz möchte der Brechtener auch andere an seinem bislang erworbenen Wissen teilhaben lassen und hat dafür eine digitale Alternative entdeckt: Auf seiner Facebook-Seite „Der Fußballtrainer-Ratgeber“ gibt er täglich Tipps. Und die sind offenbar recht hilfreich, denn bis zu 80.000 Nutzer haben einzelne Beiträge schon angeklickt.

„Es nervt, sonntags nicht auf dem Platz zu stehen“

„Mein Ziel ist es, irgendwann wieder aktiv zu spielen, denn es nervt einen schon, sonntags nicht auf dem Platz zu stehen“, sagt der junge Mann mit dem Rauschebart, der in der Jugend und kurze Zeit auch im Seniorenbereich als Torhüter bei Phönix Eving Gegentreffer verhinderte. Das nötige Selbstbewusstsein für diese verantwortungsvolle Position besitzt Stender auf jeden Fall: „Ich bin zwar körperlich nicht der Größte, aber meine Stärke war die Technik.“ Und die nutzt er seit knapp zwei Jahren – auf andere, digitale Weise.

„Mit 16 habe ich als Trainer angefangen“, sagt der Brechtener, „und damals habe ich schnell gemerkt, wie schwer es ist, in diesem Bereich Fuß zu fassen und Übungen oder Tipps fürs Training zu finden.“ Zwar gebe es reichlich Literatur, „doch in dem Alter hat man nicht das Geld, sich viele Bücher zuzulegen.“ Außerdem merkte er schnell, dass ein Trainer oft auf sich allein gestellt ist und gerade in jungen Jahren häufig nach gleichermaßen interessanten wie sinnvollen Übungen für seine Schützlinge sucht.

Jeden Tag drei Beiträge auf Facebook

Mit 18 Jahren erwarb der Brechtener dann zwar die C-Lizenz, doch der Beruf und eine längere Verletzungspause beendeten zumindest vorerst seine aktive Laufbahn. Sein Wissen und auch seine beruflichen Kenntnisse wollte er aber trotzdem an andere junge Kollegen weitergeben. Und wie setzt seine Generation das in die Tat um? Richtig: per Facebook. Stender begann die ersten Ratschläge zu posten, „und aus ein paar Beiträgen wurde im Laufe der Zeit etwas Festes.“ Mittlerweile versucht er, jeden Tag drei Beiträge auf „Der Fußballtrainer-Ratgeber“ zu veröffentlichen; meist zwei Übungen und einen Text, der sich um Trainingsutensilien dreht oder mit Aktuellem rund um den Fußball befasst. Klar, dass es gerade zur WM einiges zu berichten gab.

Die Berufserfahrung als Kinderpfleger soll anderen Trainern helfen

Aber auch Themen, die vermutlich nur bei den wenigsten Trainer-Lehrgängen auf der Tagesordnung stehen, widmet sich der 21-Jährige. „Zum Beispiel geht es darum, wie man einen Elternabend plant und mit den Eltern umgeht“, erzählt Stender. „Und gerade bei solchen Fragen kann ich Erfahrungen aus meiner Ausbildung zum Kinderpfleger mit einbringen.“ Das gelte im Besonderen für Kinder und deren Entwicklung: „Es ist schon gut zu wissen, was da abläuft und welche Übungen in welchem Alter einen Sinn ergeben. Zum Beispiel bringt es nichts, mit F-Jugendlichen Laufeinheiten zu absolvieren. In diesem Alter sollten Kinder spielerisch trainieren.“

Ein Brechtener Jugend-Trainer gibt sein Wissen über Facebook weiter

Mit Laptop, Papier und Stift stellt der 21-Jährige neue Übungen zusammen. © Michael Schuh

Nun ist Jason Stender keineswegs allwissend – und gibt das unumwunden zu. Neben eigenen Erfahrungen bringt er nämlich auch Tipps anderer Trainer in seine Posts mit ein und sucht zudem im Internet nach weiteren Ratschlägen. „Und so lernt man selbst etwas“, sagt der 21-Jährige, der sich aufgrund seiner Leidenschaft durchaus schon mal drei Stunden am Tag mit dem PC oder dem Handy beschäftigt. „Doch das Privatleben kommt trotzdem nicht zu kurz“, stellt er klar, „zumal meine Freundin mir beim Fußballtrainer-Ratgeber hilft.“

Youtube-Kanal in Planung

Die Fülle an Informationen wird in schriftlicher oder – dank diverser Computerprogramme – bildlicher Form veröffentlicht. Eine eigene Homepage oder App ist aber ebenso in Planung wie ein Youtube-Kanal, um künftig auch Videos online stellen zu können.

Senioren- und Jugendtrainer aus dem gesamten Bundesgebiet greifen auf diesen Erfahrungsschatz zurück, sodass die Posts des Brechteners durchschnittlich über 3.000-mal angeklickt werden. Noch handelt es sich um ein Hobby; doch wäre es nicht eine feine Sache, damit einmal Geld zu verdienen? „Das wäre natürlich cool“, sagt Stender, um nur einen Augenblick später zu verdeutlichen, dass er zwar Trainer, aber kein Träumer ist: „Es wird wohl doch ein Ehrenamt bleiben.“

Auf seiner Facebook-Seite gibt Jason Stender sowohl Jugend- als auch Seniorentrainern Tipps. Viele Vorschläge sind bildlich gestaltet: Gezeichnete Männchen, Bälle und Pfeile verdeutlichen, wie eine Übung ablaufen sollte.
www.facebook.com/FussballtrainerRatgeber
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