Ein Dortmunder Quarantäne-Tagebuch - Tag 3: Die Post zu holen ist das Highlight des Tages

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Corona - das bedeutet für viele Dortmunder auch: Quarantäne. Es genügt der bloße Kontakt zu einem Erkrankten. Wie das ist, berichtet unsere Autorin täglich in diesem Tagebuch. Tag 3: die Regeln.

von Felicitas Bachmann

Dortmund

, 26.03.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Stimmung stagniert. Die Sonne scheint nicht mehr ganz so warm. Aber wenigstens kommt der Altmetallsammler und packt alles ein.

Jetzt haben wir das mit dem Hausarrest auch schriftlich. Auf vier eng beschriebenen Seiten wird uns mitgeteilt, was die „Anordnung der Absonderung in sog. häusliche Quarantäne“ bedeutet.

Mist, nun haben wir schon zwei Tage lang Schulter an Schulter gearbeitet und erfahren nun, dass wir nicht mehr gemeinsam essen und uns im gleichen Raum aufhalten sollen.

Das Fieberthermometer streikt

Da muss ich sagen, wenn es eh drei Viertel der Menschheit bekommt, will ich es lieber schnell hinter mich bringen. Damals haben wir auch die Kinder zusammen spielen lassen, wenn einer Röteln hatte, damit die anderen auch damit durch sind.

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Aber sonst sind wir brav und messen jeden morgen Fieber, um zu sehen, ob wir eventuell doch noch Symptome entwickeln. Nur leider schafft unser Drogerie-Qualitätsprodukt es nicht über 35,3 Grad.

Das halten wir selbst auch für unrealistisch, aber ein neues Fieberthermometer ist derzeit bei keinem Internetanbieter zu bekommen. Also notiert mein Mann im geforderten Tagebuch brav die permanente Untertemperatur. Ein Warnsignal ist dann wahrscheinlich, sollte es morgen früh bei 37 Grad piepen.

Wer darf zum Mülleimer gehen?

Mit Garage und Garten sind wir erstmal durch. Der Gatte verkrümelt sich ins Homeoffice und taucht nur ab und zu auf, wenn er hungrig wird. Jede Stunde steigere ich den Highscore bei meinem neuen Handyspiel.

Andere Highlights des Tages: Das Holen der Post und der Gang zur Mülltonne. Zum Glück haben wir die ganze Palette: gelbe Tonne, graue Tonne, braune Tonne und Altpapiertonne. Irgendwas gibt es da immer zu entsorgen. Nur blöd, dass wegen der ganzen Ausmisterei langsam alles voll ist.

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Der tägliche Anruf bei meiner Mutter im Seniorenheim wird auch nicht erfreulicher. Irgendwie versteht ihr 89-jähriger Dickschädel nicht, dass das alles vor allem zu ihrem und ihresgleichen Schutz unternommen wird. „Warum, ich will doch nur spazieren gehen…“

Badminton statt Spaziergang

Währenddessen bangen wir um den Umzug unserer Tochter - ob der noch trotz Kontaktverbot über die Bühne gehen kann? Und der Sohn befindet sich noch knapp 9000 Kilometer von daheim entfernt in Thailand. In sechs Tagen soll sein Rückflug gehen. Noch ist er „confirmed“ - aber wer weiß heute schon, was in sechs Tagen ist….

Mein Schrittzähler - an den beiden ersten Aufräumtagen überdurchschnittlich zufrieden mit mir - kommt heute nicht über 5000 Schritte. Ach, wie gerne würden wir wenigstens abends mal einen kleinen Spaziergang machen, wenn eh keiner unterwegs ist. Stattdessen wird im Garten Badminton gespielt - das ist auch Bewegung und dazu sozial verträglich.

Die Quarantäne, über die in diesem Beitrag gesprochen wird, hat am 19.3. begonnen. Die Veröffentlichung des Tagebuches haben wir einige Tage später gestartet.

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