Ein Dortmunder Quarantäne-Tagebuch - Tag 5 und 6: Ganz schön lang, ein Wochenende nur daheim

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Corona - das bedeutet für viele Dortmunder auch: Quarantäne. Wie das ist, berichtet unsere Autorin täglich in diesem Tagebuch. Tag 5 und 6: das Wochenende.

von Felicitas Bachmann

Dortmund

, 29.03.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nein, wir sind noch nicht im Jogginganzug-Schlabberlook. Immerhin kann uns jeder sehen, wenn wir abwechselnd zur Mülltonne gehen. Aber träger wird man schon. Wir schlafen deutlich länger, gönnen uns eine Mittagspause. Die anfängliche Aufräum-, Ausmist-, Fensterputz-Euphorie ist spätestens seit dem verstopften Abfluss im Keller und der mit Spermüll gefüllten Garage etwas verflogen.

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Neidisch beobachten wir die Menschen, die noch mit Hund oder Partner spazieren gehen oder mit dem Auto unterwegs sind. Ich weiß, ich klage auf ganz hohem Niveau: erstens sind wir zu zweit in Quarantäne, zweitens haben wir Haus mit Garten und Balkon - aber trotzdem fühlt man sich eingesperrt.

Beschäftigungstherapie

Mein Mann nimmt an einem Online-Spiel teil und gewinnt einen Fotobuch-Gutschein - ich vermute, den hat jeder bekommen, der seine Daten freiwillig preisgegeben hat. Ist aber eine schöne Beschäftigung und vollkommen risikofrei.

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Also schwelgt er am Wochenende in Erinnerungen und Fotos unserer Kubareise. Kaum ein Jahr her und doch unendlich weit weg. Auch in den Seriensog haben wir uns noch nicht ziehen lassen, nur schon mal die kompletten sechs Folgen der ARD-Serie „Unsere besten Jahre“ weggeguckt. Und vorm zu Bett gehen gönnen wir uns noch zwei bis drei Folgen „Modern Family“ auf Netflix. Aber da wird die Qualität langsam bröselig.

Spielhölle

Zur Wahrung des häuslichen Friedens spielt mein Mann mit mir Gesellschaftsspiele. Unsere umfassende Sammlung hat inzwischen auch Varianten, die durchaus zu zweit spannend sind. Dennoch wird es von Mal zu Mal schwerer, ihn zu motivieren.

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Ich kann mich einfach nicht dazu entschließen, mal absichtlich zu verlieren und bei einer Quote von neun zu eins (neunmal gewinne ich, einmal hat er Glück) hängt der Haussegen in der Beziehung schon mal schief. Außerhäusig bleibt noch das Quizduell mit dem Patenkind, aber die merkt nie, wann sie wieder an der Reihe ist.

Kreative Küche

Wichtig sind feste Mahlzeiten - immer eine schöne Unterbrechung - und beim Abendessen schleicht sich das Gefühl ein: Prima, wieder ein Tag geschafft! Den Speiseplan hab ich schon am zweiten Tag aufgestellt. Beim Aufräumen der Vorratskammer - ja, auch das ist inzwischen erledigt - gab’s sogar noch neue Menüideen.

Zu dem Glas Dicke Bohnen und den restlichen Kartoffeln kombiniere ich hartgekochte Eier in Senfsoße. Und die von Silvester übrigen Waffelbecher werden mit Eis, Himbeeren und Eierlikör gefüllt zum Kaffee serviert. Alles schön bürgerlich-spießig-lecker für einen kalten Sonntag in Quarantäne.

Die Quarantäne, über die in diesem Beitrag gesprochen wird, hat am 19.3. begonnen. Die Veröffentlichung des Tagebuches haben wir einige Tage später gestartet.

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