Ein Esel für 400 Euro: Ebay-Verkäufe treiben skurrile Blüten – Tierschützer alarmiert

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Nicht nur Sofas oder Kinderwagen kann man auf Ebay und Quoka kaufen. Auch Hunde, Katzen und Schlangen und weitaus seltsamere Tiere. Tierschützer warnen - und geben Tipps.

Dortmund

, 18.02.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf Ebay hat man schon gelernt. Wer bei Ebay-Kleinanzeigen auf ein Tier-Inserat klickt, erhält eine Benachrichtigung mit dem Appell „Schütze dich vor unseriösem Tierhandel. Unterstütze keine Tierquälerei. Kaufe nicht aus Mitleid oder auf offener Straße.“

Trotzdem werden auch in Dortmund jeden Tag aufs Neue Tiere in dem Online-Verkaufsportal angeboten: ein Border-Collie-Mischling für 250 Euro in der westlichen Innenstadt, ein Kaninchen für 20 Euro in Brackel, ein Esel-Wallach für 400 Euro in Hombruch, eine Pekinesenhündin für 400 Euro in Hörde, eine blinde Zwergziege in Mengede – Preis Verhandlungssache.

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Das ist nur ein kleiner Auszug von Montag (17. Februar). Wer sucht, findet in Dortmund auch Goldsaumbuntbarsche, Stahlhelmschnecken, Wasserasseln und Stabheuschrecken.

„Retouren“ von Spontankäufen

Doch vor allem bei Hunden und Katzen landen die „Retouren“ nicht durchdachter Spontankäufe oft krank beim Dortmunder Tierschutzverein und auch bei der Tierschutzorganisation Arche90 – wobei die teils im Nachhinein überforderten Käufer meist nicht zugeben würden, dass sie die Tiere bei Ebay erstanden haben, berichtet Sabine Keller von Arche90.

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„Wir brauchen ein Verbot von Ebay-Kleinanzeigen für Tiere“, fordert die Dortmunder Tierschutzvereinsvorsitzende Erika Scheffer: „Das ist der größte Mist, den es überhaupt gibt.“ Tierschutzvereins-Mitarbeiterin Karola Gaidies, die die Welpengruppe im Tierschutzzentrum betreut, ergänzt: „Wir haben mit Ebay immer schlechte Erfahrungen gemacht. Kauf und Verkauf von Zubehör gern online, aber Tiere – nein!“

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„Montags brennt‘s“ in der Vereins-Geschäftsstelle, sagt sie. Dann seien die Leute am Hörer, die über Ebay einen Hund oder eine Katze gekauft hätten und nun über kranke Tiere klagten. „Die haben nur 650 Euro für einen Golden Retriever bezahlt, weil sie sparen wollten, und fragen nun, ob wir die Behandlungskosten übernehmen.“ Auch für zwei Hasen, hat der Tierschutzverein jüngst die Kosten für die Kastration gezahlt.

Tierschutzverein mahnt zur Vorsicht

Laien könnten auf Online-Portalen nicht erkennen, welche Tiere von Privatpersonen aus Deutschland kommen und welche illegal zum Beispiel aus Rumänien importiert würden, weiß Karola Gaidies. Der Käufer stehe am Ende mit einem todkranken Hund oder einer todkranken Katze und den hohen Behandlungskosten allein da.

„Wir bitten die Leute immer, vorsichtig zu sein.“ Aber es sei schwierig, sie zu überzeugen, sich gleich bei seriösen Züchtern umzusehen, „dabei ist man, wenn man die nachträglich notwendigen Tierarztkosten berechnet, auch schnell bei 1000 Euro und mehr.“

Seien die schwarzen Schafe, oft regelrechte „Hundevermehrer“, dann mit Hilfe des Veterinäramtes aus dem Verkaufsportal verschwunden, treffe man sie dort kurz drauf wieder, allerdings über Mittelsmänner oder -frauen oder auf anderen Verkaufsportalen wie Quoka.de, berichtet Karola Gaidies. Dort wurde am 17. Februar ein Königspython aus Herdecke angeboten: für 220 Euro.

Tierschutzplattform für einzelne Rassen

Das Europäische Parlament in Straßburg hat jetzt die EU-Kommission aufgefordert, „entschiedene und wirksame Maßnahmen“ zur Bekämpfung des illegalen Handels mit Heimtieren zu ergreifen – ausdrücklich sollen auch zu Hause gehaltene Wildtiere wie Großkatzen oder Schlangen einbezogen werden.

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Ebay selbst empfiehlt in seiner Benachrichtigung beim Anklicken von Tieranzeigen: „Schau nach Angeboten lokaler Tierheime und Tierschutzvereine.“ Karola Gaidies hat noch einen Tipp: Auch, wenn man auf eine bestimmte Hunderasse fixiert sei und im städtischen Tierheim nicht fündig werde, könne man sich dem Tierschutz verschreiben. Es gebe für eine Reihe von Rassen Plattformen mit dem Anhang „in-not-de“ wie zum Beispiel www.jack-russell-in-not.de.

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