Ein letztes Mal verwandelt der Fredenbaumpark sich in eine Spielwiese des 13. Jahrhunderts

rnMittelalterlich Phantasie Spectaculum

Das Mittelalterlich Phantasie Spectaculum (MPS) gastiert seit Samstag zum letzten Mal im Fredenbaumpark. Viele Fans der Mittelalter- und Folkszene sind traurig darüber.

Dortmund

, 28.04.2019, 17:13 Uhr / Lesedauer: 2 min

In der U-Bahn-Linie U43 steht eine junge Frau mit langen blonden Locken. Mit ihrer weinroten Rüschenbluse, der verspielten Korsage und dem Fuchsfell an ihrer Hüfte zieht die 22-jährige Mariele Locarnini die Blicke der anderen Fahrgäste auf sich. Ihren schwarzen, bodenlangen Umhang schmückt sie mit einer goldenen Brosche am Kragen.

Ein letztes Mal verwandelt der Fredenbaumpark sich in eine Spielwiese des 13. Jahrhunderts

Auch diese beiden Phantasie-Gestalten treiben sich beim Mittelalterlich Phantasie Spectaculum im Fredenbaumpark rum. © Patrica Zernik

Locarnini ist extra aus der Schweiz angereist und gerade auf dem Weg zum Mittelalterfest im Fredenbaumpark. Seit fünf Jahren fährt Locarnini regelmäßig kostümiert zu sämtlichen MPS-Veranstaltungen. Die Blicke der anderen Leute ist sie gewohnt: „Die ersten fünf Minuten sind immer komisch. Aber dann starre ich einfach zurück, wenn mich die Leute blöd angucken.“

Livemusik-Programm auf vier Bühnen

Auf dem MPS befindet sich sie Schweizerin in guter Gesellschaft. Denn zwischen all den Rittern, Mägden, Bauern und Piraten fällt sie nicht auf. Stattdessen jedoch ein Paar in Zivil. Chantal (27) und Bastian Hovestadt (33) aus Emsdetten haben ihre mittelalterliche Verkleidung zu Hause gelassen. Sie schämen sich nicht etwa, ihre Kluft in der Öffentlichkeit zu tragen. „Eigentlich kleiden wir uns in Gewand, aber das Wetter war so schlecht angekündigt. Deswegen sind wir auf Nummer sicher gegangen, damit wir den ganzen Tag durchhalten und die Bands am Abend nicht verpassen“, sagt Chantal Hovestadt.

Für die Fans des musikalischen 13. Jahrhunderts erklingt auf den vier Bühnen nämlich ein umfangreiches Livemusik-Programm mit bekannten Bands der Mittelalter- und Folkszene, wie „Saltatio Mortis“, „Versengold“, „Letzte Instanz“, „Knasterbart, Mr. Hurley & Die Pulveraffen“ und „Saor Patrol“. Für die jüngeren Ritter und Piraten gibt es außerdem ein Puppentheater, Zauberer und Jongleure auf der Kinderbühne.

Ein letztes Mal verwandelt der Fredenbaumpark sich in eine Spielwiese des 13. Jahrhunderts

Alexandra Krassowski (28) von den „Dead Rabbis“ aus Dortmund. © Patrica Zernik

An einem langen Tisch neben einem Lagerfeuer sitzt die Dortmunderin Alexandra Krassowski (28) mit ihrer Familie. Als Piratenlager „Dead Rabbits“ verbringen sie ihre Freizeit häufiger auf Mittelalterfesten. Zum allerersten Mal sind sie nun aber beim Mittelalterlich Phantasie Spectaculum in Dortmund dabei.

Ein letztes Mal verwandelt der Fredenbaumpark sich in eine Spielwiese des 13. Jahrhunderts

© Patrica Zernik

„Wir sind sehr traurig, dass das Fest nun zum letzten Mal hier stattfindet. Es ist für uns sozusagen ein Heimspiel. Deswegen haben wir uns gedacht ‚jetzt erst recht‘ und uns beworben“, sagt Krassowski. In altertümlichen Zelten wohnt die Familie während der gesamten Veranstaltungstage auf dem Gelände.

Strenge Regeln für Bewohner der Heerlager

Für das Bewohnen der Heerlager gibt es allerdings Regeln: Alles, was es nicht im Mittelalter gab, darf nicht zu sehen sein. Plastikflaschen dürfen nicht auf dem Tisch stehen. Und auch Handys sind verboten.

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„Fridu" (49) von der Sippe Drachenblut mit seiner Bekannten Helga Teichmann (45). © Patrica Zernik

Für den gelernten Elektromeister „Fridu“ (49) ist das kein Problem. Er nutzt sein Handy auch sonst kaum. Der Münsterländer ist mit seiner Sippe „Drachenblut“ zum viertel Mal beim Spectaculum in Dortmund dabei. Auch er bedauert das Ende des Festes in Dortmund: „Es ist schade, dass immer mehr MPS-Veranstaltungen wegfallen. Nun auch Dortmund. Ich bin persönlich sehr traurig. Das Fest ist schön groß und es kommen immer viele Leute her.“

Das Mittelalterlich Phantasie Spectaculum (MPS) findet von Samstag, 27. April 2019 bis Mittwoch, 1. Mai, im Fredenbaumpark statt. Am Montag, 29. April, ist spielfrei.
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