Ein Liedermacher mit Botschaft, ein Witzbold mit Gitarre, eine Plaudertasche mit Familie

Ruhrhochdeutsch

Fred Ape, Helmut Sanftenschneider und Rene Steinberg: Im Spiegelzelt gab es am Mittwoch Revier-Komik verschiedener Temperamente zu hören - mit und ohne Botschaft, lustig und mäßig lustig.

Dortmund

, 05.09.2019, 05:26 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ein Liedermacher mit Botschaft, ein Witzbold mit Gitarre, eine Plaudertasche mit Familie

Fred Ape, hier bei einem Auftritt im Oktober 2018 © Stephan Schütze (Archiv)

Wenn Fred Ape & Freunde angekündigt sind, darf man sich freuen auf Humoristen, die ihre spezielle Klangfarbe und Betriebstemperatur einbringen und für einen flotten Abend bürgen. Nicht von ungefähr sind Ape und Co. Stammgäste beim Ruhrhochdeutsch-Festival.

Am Mittwoch (4.9.) leuchteten der Dortmunder Liedermacher und die Kollegen Helmut Sanftenschneider und Rene Steinberg das Feld zwischen Kabarett, Musik und Comedy aus.

Ape ist und bleibt einer, der in vielen Liedern eine moralische, letztlich politische Agenda verfolgt. Einer, der uns - den Satten mit den Luxusproblemen - ins Gewissen redet und die richtigen Worte findet.

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„Hauptsache, dass es kein Banker ist“

„Du hast nur Glück gehabt“ heißt Apes neueste CD, ein Lied, das er auch im Spiegelzelt anstimmte. Wir haben Glück, in Frieden und Wohlstand zu leben. Die armen Teufel, die im Elend groß wurden, hatten bloß Pech. Es ist keine Leistung, ein weißer Europäer zu sein. Es ist eine Verpflichtung: „Du hattest Glück. Gib was zurück!“

Spott kann er auch, doch die Trump-Schmäh zur Melodie von Johnny Cash sollte Ape aktualisieren und nachschärfen, bevor sie fade wird. Zeitlos dagegen die Ode an seine Tochter, in der von frühem Hätscheln bis späterem Loslassen alle Wärme steckt, die ein Vater geben kann. Heirate, wen Du willst, ob Jude oder Christ. „Hauptsache, dass es kein Banker ist!“

Überraschungs-Entertainer des Abends war Helmut Sanftenschneider, den wir bisher noch nicht auf dem (Komiker-) Radar hatten: Der Mann ist richtig witzig und spielt eine knackige Gitarre. „Wech“ ist er aus Herne, Kreuzfahrten bespaßt er auch, erzählt er.


Top 5 der Kreuzfahrt-Hits

Die Beschallung auf dem Dampfer heißt Schlager, Initialzündung für Sanftenschneiders umgetextete Top 5 der Kreuzfahrt-Hits. „Abendbrot um halb acht, gleich zwei Teller mitgebracht“ lässt Helene Fischer grüßen.

„In Jacken von Tchibo“ stecken Rentner-Passagiere und ein Song der Toten Hosen. „Merkst Du schon wie die Wellen gehen? Damdam, damdam?“ Und weiter á la Drafi Deutscher: „Nachher, wenn er Essen bricht, trifft er seine Tüte nicht!“

Aus dem Sommerhit „Havanna“ macht der Witzbold eine Juxnummer: „Hans-Werner, u-na-na, ist kein Kubaner. Nichts liegt der Karibik ferner, u-nana. Sagt seine Frau, die Erna. U-na-na.“ Sehr lustig.

Steinberg kann nicht mithalten

Da kann Rene Steinberg nicht mithalten. Er hat ein schräg-steifes Tänzchen, also Körperkomik zu Musik samt satirischer Predigt an den Sohnemann im Programm, der Rest ist Quasselhumor. Über das Wesen der „Ruhris“ und Beobachtungen aus Steinbergs Familie.

Ach ja, die Leute im Pütt reden gern und viel und Banales, was man am besten in der Schlange im Supermarkt belauschen kann, sagt Steinberg. Was er dann so reportiert, menschelt zwar lang und breit, kitzelt aber kaum das Zwerchfell. Mäßig lustig.

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