Das Museum für Kunst und Kulturgeschichte ist für Erwachsene, dachte ich. Unser Test zeigt: Stimmt nur zum Teil. Das, wovon ich es am wenigsten erwarte, finden meine Kinder richtig gut.

Dortmund

, 27.12.2018, 12:00 Uhr / Lesedauer: 8 min

Eins vorweg: Das MKK hat eine Menge Angebote für Kinder, einzeln oder klassenweise, im Programm. Die spielen bei unserem Museums-Check aber keine Rolle. In dieser Serie möchten wir ausprobieren, wie geeignet und wie interessant die Dauerausstellungen der Museen für Familien mit Kindern sind.

Wir möchten ausprobieren, wie viel Spaß es macht, spontan ein Museum zu besuchen, ohne vorher viel zu recherchieren, und ohne uns eines der Sonderangebote für Kinder und Jugendliche auszusuchen. Dafür melden wir uns bei den Museen nicht als Presse an, sondern besuchen sie wie normale Gäste.

Einfach rein und gucken, was geht.

Wir also rein. Wir, das sind in diesem Fall meine drei Kinder (4, 11 und 14) und ich. Rein, das heißt in diesem Fall ins Museum für Kunst und Kulturgeschichte, kurz MKK, das fast hundert Jahre alte, ehrwürdige, von außen klobige und von innen wunderschöne ehemalige Sparkassengebäude.

Die Architektur ist eine Schau für sich

Wer es nur von außen kennt, sollte allein der Architektur wegen mal reingehen: Dann wird aus dem dunklen, gedrungenen, wichtigtuerischen Bollwerk ein warmherziger Ort mit geschwungenen Gängen, ausladenden Treppen, schmucken Säulenvorlagen und einem zentralen runden Saal auf der ersten Etage, der alle weiteren Etagen bis unters Dach auf eine sehr schöne und eindrucksvolle Weise durchbricht.

Ein Museum zum Anschauen, nur die Steinzeit darf man anfassen

Blick in den eindrucksvollen hohen Saal © Tilman Abegg

In keinem anderen Museum der Stadt macht es so viel Spaß, auch zwischen die Exponate zu schauen, das alte Museum am Ostwall mal ausgenommen. Kurz: Durch andere Gebäude geht man, hier kann man schreiten, lustwandeln, promenieren.

Ab in die Steinzeit

Bevor ich den aufblühenden Wissensdrang meiner Kinder mit diesen erhebenden Gedanken wässern kann, sind sie schon im ersten Ausstellungsraum verschwunden. Ich bezahle den Eintritt (5 Euro für mich, Kinder unter 18 Jahre sind frei) und folge ihnen, am Schild mit der Aufschrift „Steinzeit“ vorbei.

Ein Museum zum Anschauen, nur die Steinzeit darf man anfassen

Sehr, sehr alte Äxte © Tilman Abegg

Hier gibt es Funde aus Steinzeit, Frühzeit, Mittelalter zu sehen. Schöne, klar beleuchtete, aufgeräumte Wandvitrinen zeigen Werkzeuge, Schmuck, Geschirr, Münzen, darunter die üblichen Beschriftungen, gefunden dann und dann, meist in Dortmund oder Umgebung.

Den Elfjährigen finde ich vor einer der Vitrinen, versunken in den Anblick mehrerer, etwa 1,5 Meter langer, an beiden Enden spitz zulaufender Stäbe aus dunklem Holz, die er für Waffen hält. Wahrscheinlich malt er sich gerade die herrlichsten Kämpfe aus, die damit früher ausgefochten wurden. Dann liest er, dass es sich um Teile eines portablen Palisadenzauns handelt, und findet sie noch interessanter.

Ein Museum zum Anschauen, nur die Steinzeit darf man anfassen

Goldene Kaiser in der Abteilung für Steinzeit bis Mittelalter © Tilman Abegg

Die beiden Mädchen, 4 und 14, haben eine schnelle Runde mit dem ein oder anderen „Guck mal, eine alte Tasse!“ und „Uh, das ist aber ein schöner Ring. Ist der aus Gold?“ an den Vitrinen vorbei absolviert und gehen die Treppe in den unteren Bereich hinab. Ich promeniere ihnen hinterher.

Uralte Technik zum Anfassen und Ausprobieren

Am Fuß der Treppe steht ein Tisch mit dem Modell einer Bohrmaschine, wie sie die Menschen der Steinzeit benutzt haben sollen: eine Holzkonstruktion mit einem flitzebogenartigen Griff, an dessen Enden ein Seil befestigt ist. Das Seil führt in einer Schlaufe um einen Stift, der die Bohrspitze hält.

Bewegt man den Bogen nach rechts und links, dreht sich die Bohrspitze und treibt ein kreisrundes Loch in den Stein darunter, etwa so groß wie der Griff einer Taschenlampe. Damit mögen die frühen Menschen zum Beispiel die Steinkeile ihrer Äxte ausgehöhlt haben, um den Griff reinzustecken.

Ein Museum zum Anschauen, nur die Steinzeit darf man anfassen

Yeah! Die uralte Bohrmaschine darf man ausprobieren! © Tilman Abegg

Und das Beste: Hier bleibt es nicht beim Anschauen, ein Schild sagt, man darf’s ausprobieren, und die Kinder tun, was Kinder tun, wenn sie tun dürfen, was sie am liebsten tun, nämlich was ausprobieren. Wenn die Bohrspitze wirklich scharf gewesen wäre, ein oder zwei Axtköpfe wären dabei sicher rausgesprungen.

Neben der Bohrmaschine gibt es noch etwas mehr zum Anfassen: Zwei Bruchstücke verschiedener Steine hängen an dünnen Ketten, außerdem mehrere Ketten ohne Steine, die haben frühere Besucher vermutlich abgerupft. Die zwei übrigen befühlt der Elfjährige gründlich.

Ein Museum zum Anschauen, nur die Steinzeit darf man anfassen

Ein Jahrtausende altes Feuersteinbruchstück in einer efljährigen Hand © Tilman Abegg

Die Wandvitrinen um den Bohrtisch herum inspizieren die Kinder anschließend sehr genau – vielleicht auch, weil ihr Bewegungsdrang fürs Erste befriedigt ist. Doch auch die Ausstellungsstücke selbst wecken ihr Interesse: zum Beispiel Pfeil und Bogen, Schwerter und Dolche.

Wir bekommen ein Gefühl dafür, was Mammuts für eindrucksvolle Viecher waren

Eine Vitrine beinhaltet ein kleines Mammut-Modell und dazu Teile echter Mammuts. An der Rückwand lehnt ein etwa einen Meter langes Bruchstück eines Stoßzahns. Daneben ein ebenso langer Unterschenkelknochen, mit einem Loch auf halber Höhe. „Da steht, da wurde es offenbar von einem anderem Tier verletzt“, sagt die 14-Jährige. Das finden die Kinder interessant.

Ein Museum zum Anschauen, nur die Steinzeit darf man anfassen

Cool: Mammut-Überreste plus Mini-Modell. © Tilman Abegg

In der Vitrine liegt auch ein Backenzahn eines Mammuts. Der ist so groß wie der Kopf meiner Vierjährigen, und auf die Kaufläche würde eine kleine Pizza passen. Solche Oschis im Maul, und dann fressen die nur Gras. [wikilink] Und schleppen viereinhalb Meter lange, fancy geschwungene 100-Kilo-Stoßzähne mit sich rum. Würde man die Natur fragen, warum sie so was macht, ich wette, sie würde sagen: „Weil ich‘s kann.“

Ein Museum zum Anschauen, nur die Steinzeit darf man anfassen

Das ist kein großer Stein. Das ist der Backenzahn eines Mammuts. © Tilman Abegg

Ausflug nach Lanstrop, 500 Jahre vor Christus

Eine andere Vitrine zeigt das Modell eines Dorfes, wie es vor rund 2500 Jahren in Dortmund-Lanstrop ausgesehen haben könnte. Auch dieser Anblick lässt die Kinder für ein paar Minuten versinken, mich auch. Wir stellen uns das Leben in so einem Dorf vor, wo man mit den Hühnern aufsteht, mit den Händen arbeitet und mit der Sonne schlafen geht. Und mit 40 schon zahnlos und der Dorfoppa ist. Das Leben muss damals so anders gewesen sein als heute. Die Menschen auch.

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So sah es vor 2500 Jahren wohl in Lanstrop aus. © Tilman Abegg

Bevor wir wieder hochgehen, inspiziert der Elfjährige noch einen Gladius, ein römisches Kurzschwert, so lang wie sein Arm, mit einem Griff, der gerade lang genug ist für eine schmale Hand. „Superinteressant“ sei das, sagt er, und „echt praktisch“, dass das Museum so etwas Altes findet und aufbewahrt, „damit wir uns das jetzt angucken können“.

Damit endet der Teil unseres Besuchs, den alle drei Kinder so richtig interessant finden. Dass es gerade die ältesten Dinge sind, die sie am meisten mögen, hätte ich nicht erwartet.

Der Rest des Museums ist eher was für Erwachsene

Den großen Rest des Museums, drei weitere Etagen mit wirklich vielen Dingen aus den vergangenen Dortmunder Jahrhunderten, schauen wir uns auch noch an. Aber es wird mit jeder Etage deutlicher, dass die Kinder sich Dinge wünschen, die sie nicht nur anschauen dürfen.

Ein Museum zum Anschauen, nur die Steinzeit darf man anfassen

Richtig große Bilder! © Tilman Abegg

Auf der ersten Etage fängt die Vierjährige an, ihre Gedanken halblaut vor sich hin zu singen.

Auf der zweiten Etage denken sich die Kinder kleine Spiele aus, ein bisschen Laufen und Verstecken, und ich erinnere sie in immer kürzeren Abständen daran, dass sie wirklich nichts anfassen dürfen. Nach einer wunderschönen Harfe, die sich von ihrem kleinen Podest aus den Besuchern scheinbar auffordernd entgegenlehnt, streckt die Vierjährige unwillkürlich die Finger aus, und als ich sage, „Nein, das darfst du nicht anfassen“, schaut sie mich an, als wollte ich sie veräppeln – so schönes Holz, so interessante, lange Saiten, und das soll man nicht anfassen dürfen? Papa, wo hast du uns denn hier hingeführt?

Ein Museum zum Anschauen, nur die Steinzeit darf man anfassen

Sie hätte die Harfe so gern ausprobiert. Kann ich verstehen. Aber sie hat nur so getan, als zupfe sie die Saiten. Trotzdem war ich so nervös, dass mit der Harfe was passiert, dass mir dieses Foto total verrutscht ist. © Tilman Abegg

Auf der dritten Etage freuen sich die Vier- und die 14-Jährige über jeden Hocker, der nicht zum Anschauen, sondern zum Draufsetzen gedacht ist, und setzen sich drauf.

Auf der vierten Etage verlangt die 14-Jährige meine Kamera, um zwischen den wunderschönen Gemälden („Langweilig, Papa!“) wenigstens fotografieren zu können. Die Vierjährige legt die „Ich will nach Hause“-Platte auf und steigert kontinuierlich die Lautstärke, sodass wir schließlich den Elfjährigen suchen, der sich schon auf der ersten Etage von uns losgesagt hat, um das Museum auf eigene Faust zu erkunden, und aufbrechen.

Ein Museum zum Anschauen, nur die Steinzeit darf man anfassen

Vasen mit Durchblick © Tilman Abegg

Trotzdem sehen wir noch einige interessante Dinge

Doch auch auf den Nur-gucken-nix-anfassen-Etagen gibt es einiges, was den Kindern gefällt. Ein paar Beispiele.

Die Vitrine mit der Schandmaske, 1. Etage. „Wofür braucht man das?“, fragt der Elfjährige, und ich erkläre ihm in ernstem Ton, dass das eine Strafmaske sei, die Menschen früher für kleinere Vergehen einen oder mehrere Tage lang tragen und damit auf dem Marktplatz stehen mussten, damit die anderen sie auslachen konnten.

Ein Museum zum Anschauen, nur die Steinzeit darf man anfassen

Gruselige Schandmaske © Tilman Abegg

Am Ende meines Impulsreferats merke ich, dass die 14-Jährige der Vierjährigen die Funktion und Anwendungsgebiete der Daumenschrauben und der Beinschraube in der Vitrine unter der Maske gerade etwas zu anschaulich schildert, und führe die Kinder lieber weg von der Vitrine.

Der Raum voller Porzellan, 2. Etage. An den Wänden Porzellanfliesen bis an die Decke, in Regalen und Vitrinen Geschirr und Figuren aus Porzellan, fein und überraschend aufwendig gearbeitet und bemalt. Das gefällt der 14-Jährigen.

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Was tut man in so eine Porzellanterrine hinein? Goldsuppe mit Diamantcroutons? © Tilman Abegg

Die Vierjährige schwirrt einen Raum weiter herum, ich rufe sie halblaut: „Komm mal her, hier gibt es ganz viel Porzellan“, aber sie kommt nicht, also rufe ich: „Komm mal her, hier steht ein Klo“, und sie kommt und bestaunt die Toilette, die da mitten im Raum steht, weil die auch aus Porzellan ist. Ein netter kleiner Witz der Ausstellungsmacher, finde ich.

Das Bild „Prachtpalast“ von Hans Makart von 1883, 4. Etage. Eins von diesen Wow-Gemälden. Von fern ist es wow, weil es einfach schön und harmonisch aussieht, die Farben sind für die Augen wie Milch mit Honig für die Kehle. Von Nahem erkennt man die Detailfülle und Genauigkeit.

Ein Museum zum Anschauen, nur die Steinzeit darf man anfassen

Auf den oberen Etagen wird den Kindern das Anschauen allein zu langweilig. Dann wollen sie wenigstens fotografieren. © Tilman Abegg

Was dem Fußballfan ein schön verwandelter Elfmeter, ist dem Malereiliebhaber so ein Bild, und wir sind bei unserem Besuch auch schon in der Nachspielzeit. Trotzdem, vor diesem Bild bleiben wir noch mal stehen, und die 14-Jährige nimmt sich sogar die Zeit für ein paar lange Blicke darauf.

Echte Dinge vermitteln eine Ahnung von der Vergangenheit

Auf der Rückfahrt relativiert der Elfjährige die soeben aufgenommene Kultur mit einem Spiel auf seinem Handy, und während die Vierjährige leise schnarcht, sagt die 14-Jährige, dass sie viele der Alltagsgegenstände aus den vergangenen Jahrhunderten ziemlich interessant findet.

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Findet der Elfjährige toll: reich verzierte Jagdflinten aus dem 17. Jahrhundert. © Tilman Abegg

Dass man durch deren Betrachtung, über ihre oft eindrucksvolle Handwerkskunst und reiche Verzierung hinaus, immer auch eine Ahnung vom damaligen Leben erhalte. Zum Beispiel rege ein 200 Jahre altes Hochzeitskleid mit Brautschuhen dazu an, sich die dazugehörige Hochzeit vorzustellen.

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Die reich verzierte Haube einer Bäuerin © Tilman Abegg

Gemälde finde sie grundsätzlich eher langweilig. Ich vermute, weil ein Gemälde immer nur eine Behauptung von Wirklichkeit ist, echte Gegenstände dagegen Beweise sind, wenn man so will.

Was gibt es für Kinder?

Viel zu sehen, aber leider sehr wenig zum Anfassen. Und das ist nun mal für Kinder wie frischgebackene Kekse sehen und riechen, aber nicht essen dürfen.

Das gilt aber nur für die Dauerausstellung, nicht für die Sonderausstellungen (die wir bei unserem Test nicht besucht haben) und auch nicht für die Angebote des Museums extra für Kinder und Jugendliche.

Ein Museum zum Anschauen, nur die Steinzeit darf man anfassen

Dieses Schaubild der Lebensabschnitte eines Mannes findet mein Sohn faszinierend. © Tilman Abegg

Was gibt es für Erwachsene?

Viele wunderschöne Dinge, die hervorragend zur ebenfalls schönen Innenarchitektur passen: Möbel, Schmuck, Dinge des täglichen Gebrauchs, vollständig eingerichtete Räume, alles aus verschiedenen Zeiten. Wer gerne „Hach!“ sagt, wird hier heiser.

Vieles ist so schön, viele Oberflächen sind so fein, dass auch Erwachsene sicher mal die Lust überkommt, die Dinge anzufassen. Das MKK sollte manche Dinge zum Berühren und vielleicht sogar zum Ausprobieren freigeben, wenigstens zu besonderen Gelegenheiten. Ich würde hingehen, und ich würde auch für die Restaurierung der Exponate spenden, damit eventuelle Spuren des Befummelns wieder beseitigt werden könnten.

Was muss man wissen?

Meine Kinder waren etwa eine Stunde lang sehr gern im MKK, danach wären sie auch wieder gegangen, ohne es zu bedauern. Insgesamt waren wir knapp zwei Stunden drin.

Ein Museum zum Anschauen, nur die Steinzeit darf man anfassen

Die Sammlung des MKK umfasst eine Menge Stühle und Sessel, sogar einen mit Popo. © Tilman Abegg

Wie viel Zeit man dort als Erwachsener verbringt, hängt von der eigenen Ausdauer ab. Das Museum bietet genug für mindestens einen halben Tag.

Im Erdgeschoss des MKK gibt es ein Café mit Getränken, Kuchen und ein paar Gerichten, alles bio.

Die Öffnungszeiten stehen hier.

So funktioniert der Museums-Check

  • Jedes Kind ist anders, jede Familie ist anders. Wir glauben, dass es nicht das beste Museum gibt, das für alle Familien am schönsten ist.
  • Daher besuchen wir die großen und kleinen Dortmunder Museen und zeigen, was sie jeweils bieten, was sie ausmacht.
  • So können Sie beurteilen, ob das Angebot auch etwas für Sie und Ihre Familie ist – denn was Ihnen Spaß macht, wissen Sie selbst am besten.
  • Weitere Folgen der Serie „Im Museum mit der Familie“ lesen Sie hier:
  • der Adlerturm
  • das Binarium
  • die Dasa
  • das Mondo Mio
  • der Familiensonntag im U

Das sagt der Experte zu unserem Besuch im MKK

Professor Norbert Zmyj ist Entwicklungspsychologe an der Technischen Universität Dortmund. Er kommentiert einzelne Aspekte unserer Museums-Checks.

Zu unserem Besuch im MKK schreibt er:

„Die Urgeschichte der Menschheit ist eine aus psychologischer Sicht interessante Zeit, da sie die Umwelt darstellt, in der die natürliche Auslese beim Menschen stattgefunden hat. Mögen sich die gesellschaftlichen Verhältnisse in den letzten Jahrtausenden stark verändert haben, so tragen wir noch heute das Erbe unserer steinzeitlichen Vorfahren in unseren Genen.

Dieses Erbe zu kennen ist wichtig, um zu wissen, wie man auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen so reagieren kann, dass es den natürlichen Anlagen des Menschen gerecht wird. Beispiel Mammutjagd.

Es gibt Belege, dass kooperative Großwildjagd eher eine männliche Domäne unserer Vorfahren war, während Kinderaufzucht und Sammeln von Nahrung eher weibliche Domänen waren. Gleichzeitig gibt es aber auch Belege, dass Kinderaufzucht häufig ein gemeinschaftliches Projekt der Großfamilie war und nicht nur das der Mutter.

Es ist anzunehmen, dass die natürliche Auslese beim Menschen nicht nur die entsprechenden körperlichen Merkmale für diese Aufgaben selektiert hat, sondern auch für eine psychologische Orchestrierung gesorgt hat, die diese Aufgaben interessant erschienen ließ.

Bezogen auf die Entwicklung von Jungen und Mädchen heutzutage bedeutet dies, dass die erstrebenswerte individuelle Förderung der Begabungen und Interessen jedes einzelnen Kindes nicht in einer Gleichverteilung beider Geschlechter in allen Tätigkeitsfeldern resultieren muss.“

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