Ein schwebender Gigant aus Stahlbeton

01.07.2007, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Lindenhorst Die Uhr zeigt genau 19.59 Uhr. Nervös geht Oberbauleiter Lars von Göldel auf und ab, ruft sich noch einmal alle Berechnungen ins Gedächtnis. Doch für Änderungen ist es jetzt zu spät. Eines der größten Bauvorhaben in der Geschichte des Ortes hat soeben begonnen ...

Ganz fest hat er das Objekt wochenlanger Planungen im Visier. Nur 20 Meter trennen Diplom-Ingenieur Lars von Göldel von 440 Tonnen reinstem Stahlbeton.

Hier an der im Bau befindlichen Fürst-Hardenberg-Allee werden die Baustellen-Besucher in wenigen Augenblicken Zeuge, wie an der Unterführung unter der Bahnstrecke ein Einschub vorgenommen und eine Brücke eingepresst wird. «Gestützt von großen Trägern wird der Überbau, über den künftig die Züge rollen, über Gleitlager auf zwei Mittelfugen geschoben», erklärt der Bauleiter knapp, ohne den Blick von der halbfertigen Brücke abzuwenden.

440 Tonnen

Seit 11 Uhr am Samstagmorgen sind von Göldels Männer von der Firma Oevermann bereits im Einsatz. 20 Bauarbeiter pro Schicht. Tag und Nacht. Sie alle drücken die Daumen, dass ihr Werk bis Montag um 10 Uhr vollbracht sein wird. «Männer, Vollgas!», ruft von Göldel noch einmal, bevor sich die Pressen langsam aber stetig in Bewegung setzen.

Zwei Stunden wird es dauern, bis die 440 Tonnen Stahlbeton die 20 Meter überwunden haben. Peu à peu drücken die Pressen den nördlichen Teil der zukünftigen Brücke vorwärts. Quälend langsam mit rund 16 Zentimetern in der Minute. Für von Göldel ein Geduldsspiel. «Unsere größte Sorge ist, dass die Träger der großen Last des Überbaus nicht standhalten», erzählt er und fügt leise hinzu: «Das wäre eine Katastrophe.»

Großprojekt

Nicht auszudenken, was dies für das Großprojekt Fürst-Hardenberg-Allee bedeuten würde - denn der Zeitplan ist straff. Bereits am kommenden Wochenende wird sich das Procedere für das Bauteam wiederholen. Dann nämlich wird ein identischer Überbau von der Südseite eingepresst, der die Bahnbrücke komplettiert.

«Wenn anschließend die Schienen verlegt und unter der Brücke die Trogbauwerke für die künftige Straße errichtet sind, dann sind wir schon ein ganzes Stück weiter», erklärt der Ingenieur. Im Frühjahr 2008, so schätzt er, können sich die Lindenhorster dann endlich an ihrer neuen Allee erfreuen.

Doch soweit möchte man auf der Baustelle noch nicht denken. Für den Moment blicken alle gespannt auf den sich langsam fortbewegenden Überbau. Um 22.15 Uhr ist es dann endlich soweit. Erleichtert hebt Lars von Göldel den Daumen - es ist vollbracht. «An einigen Stellen hat es ein wenig gehakt, aber nun ist er drin», lächelt er glücklich, doch auch reichlich erschöpft. 440 Tonnen Stahlbeton sind dort, wo sie von nun an Jahrzehnte überdauern sollen. Der erste Teil der Übung ist geglückt.

Philipp Piasetzki

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