Ein Toter nach Polizeieinsatz in Dortmund - Beamte setzten Taser ein

Polizisten am Einsatzort in Dorstfeld: Dort ist am frühen Mittwochmorgen ein Mann während eines Polizei-Einsatzes gestorben.
Polizisten am Einsatzort in Dorstfeld: Dort ist am frühen Mittwochmorgen ein Mann während eines Polizei-Einsatzes gestorben. © Markus Wüllner
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Nach einem Polizeieinsatz in Dortmund am Mittwochmorgen (19.10.) ist ein Mann im Krankenhaus gestorben. Einsatzkräfte hatten einen Elektro-Taser gegen den Mann eingesetzt, nachdem dieser die Beamten angegriffen hatte, so erste Erkenntnisse.

Die Polizei Dortmund sei gegen 4.30 Uhr gerufen worden, weil auf der Straße ein Mann randaliert habe, berichtet deren Pressestelle auf Anfrage. Dann habe er Widerstand gegen die Einsatzkräfte geleistet – und sei im Verlauf „reanimationspflichtig geworden“.

Notarzt und Rettungssanitäter haben versucht ihn wiederzubeleben. Doch gegen 6.19 Uhr sei im Krankenhaus der Tod festgestellt worden. Wie genau es dazu kam, ist zurzeit unklar.

Die Polizei Recklinghausen bestätigt unserer Redaktion gegen 10.35 Uhr auf Anfrage, dass ein Elektro-Taser zum Einsatz kam. Zumindest so viel: „Er wurde ausgelöst, das können wir bestätigen.“

Zudem sagt ein Sprecher der Polizei Recklinghausen, dass mindestens ein Polizist bei dem Einsatz verletzt wurde.

Augenzeuge berichtet: Mann soll auf Polizisten losgegangen sein

Ein Augenzeuge vor Ort berichtet unserer Redaktion, dass er gesehen haben will, wie der Mann zuvor auf der Straße herumgelaufen ist. Er habe nach Hilfe gerufen, um sich geschlagen und Autos beschädigt.

Er sei von einem anderen Mann angesprochen und gefragt worden, wie ihm zu helfen sei – dieser Mann sei von dem später Verstorbenen angegriffen worden.

Als die Polizei eintraf, soll er auch direkt auf den Polizeiwagen losgegangen sein und habe auf die Windschutzscheibe des Einsatzfahrzeuges geschlagen. Auch einen Polizisten soll der Mann überwältigt haben. Er soll laut dem Augenzeugenbericht sogar versucht haben, mit dem Polizeiwagen wegzufahren. Demnach sei er im Anschluss getasert und aus dem Auto herausgeholt worden.

Der Augenzeuge will dann gesehen haben, wie der Mann auf dem Boden lag, während Polizisten versuchten, ihn zu reanimieren. Nicht lange soll es gedauert haben, bis dann ein Notarzt eintraf und übernahm.

Ein weiterer Anwohner berichtet, dass er in der Nacht Krach gehört habe – das Fenster seines Schlafzimmers sei auf Kipp gewesen. Das Blaulicht von Polizei und Rettungsdienst habe zudem durch die Fenster geleuchtet. Er konnte sehen, wie ein Mann am Boden lag, sagt er. Er vermutet, dass er Reanimationsmaßnahmen gesehen hat.

Wüllner/ News4Video-Line
Bei einem Polizeieinsatz in Dorstfeld ist in der Nacht zu Mittwoch ein Mann gestorben. © Wüllner/ News4Video-Line

„Man sah, dass da einer am Pumpen war. Der wurde dann auch abgelöst durch einen anderen.“ Er und seine Frau vermuteten da schon, dass dort versucht worden war, einen Menschen wiederzubeleben, berichtet er. „Wenn das so gewesen ist, haben die Rettungskräfte ziemlich lange reanimiert“, sagt der Anwohner.

Wittener Straße war gesperrt

Während der Arbeiten der Spurensicherung war die Wittener Straße gesperrt. Gegen 16.30 Uhr meldete die Polizei Dortmund die Straße wieder als frei.

Aus Neutralitätsgründen hat die Polizei Recklinghausen die Ermittlungen übernommen – wie auch im Fall von Mouhamed D.: Im August war der 16-Jährige in Dortmund von Kugeln aus einer Maschinenpistole der Polizei getroffen und tödlich verletzt worden.

Polizei: Zusammenhang zwischen Taser und Tod wurde „nicht sicher hergestellt“

Am Mittwochnachmittag gaben die Ermittler erste Ergebnisse der Obduktion bekannt. Bei ihr konnte laut Angaben der Polizei Recklinghausen „nicht sicher festgestellt werden“, dass es zwischen dem Einsatz des Tasers und dem Todeseintritt eine „Kausalität“, also einen Zusammenhang gegeben habe.

„Der Verstorbene hatte ein schwer vorerkranktes Herz“, hieß es dort weiter. „Außerdem wurden Anhaltspunkte zumindest für eine erhebliche Alkoholintoxikation festgestellt.“ Zur genaueren Klärung und der Frage, „ob er darüber hinaus unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln stand“, seien ergänzende Untersuchungen in Auftrag gegeben worden.