„Eine ehrliche und herzliche Straße“ - Eine überraschende Liebeserklärung von Veith (35)

rnSerie „Straßen voller Leben“

Veith Lemmens geliebte Straße ist fraglos nicht Dortmunds schönste. Für den 35-Jährigen gibt’s dennoch keine bessere. Nicht nur dortmundweit. Tipps für einen Ort, den viele nicht kennen.

Huckarde

, 15.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Geboren in Mönchengladbach, studiert in Münster, gearbeitet in Düsseldorf und Bielefeld: Der Politikwissenschaftler Veith Lemmen (35) ist schon einige Male umgezogen. Jetzt hat er für sich das „beste Fleckchen Erde“ zum Wohnen gefunden, sagt er: den Huckarder Ortskern.

Vor zwei Jahren kam er - und möchte nach Möglichkeit nicht mehr weg. „Das ist hier mein Zuhause“, sagt der 35-Jährige. Und so, wie er das sagt, hat man keinen Zweifel daran.

Die zentrale Wohn- und Einkaufsstraße im Huckarder Ortskern ist die Rahmer Straße. Eine wahre Schönheit ist sie nicht, das weiß auch der Wahl-Huckarder. „Aber es gibt keine bessere“, sagt Veith Lemmen und gerät sofort ins Schwärmen. Von Minute 1 bis Minute 60 unseres Gesprächs hat er ein Dauerlächeln im Gesicht.

Kein Leerstand weit und breit

Ein großer Pluspunkt, sagt Veith Lemmen, sei auf jeden Fall die Vielzahl der Geschäfte, Dienstleister und Ärzte. Kein Leerstand weit und breit. „Ich bekomme in dieser Straße tatsächlich alles, was ich brauche. Supermärkte, Apotheken, Banken, Bezirksverwaltungsstelle, Gastronomie, dem Bürger wird das Leben hier leicht gemacht.“ Er könne sich hier sogar beerdigen lassen, sagt Veith Lemmen mit einem Augenzwinkern.

Was den 35-Jährigen aber noch vielmehr packt, sind die Menschen in diesem „liebenswerten Dorf“, die in der Rahmer Straße und ihren Nebenstraßen wohnen und einkaufen: „Ganz ehrlich, ich bin noch nie so gut aufgenommen worden wie hier.“

Die Leute seien sehr offen und passten aufeinander auf - und vor allem: sie seien nicht abgehoben. „Man muss hier nicht im Anzug auflaufen. Wenn man draußen Jogginghosen trägt, interessiert das keinen.“

Als er im Winter auf dem Fahrrad in Signalklamotten unterwegs gewesen sei, hätten ihn Passanten auf der Rahmer Straße angefeuert - für ihn ein völlig neues Lebensgefühl. „Die Rahmer Straße ist eine ehrliche und herzliche Straße.“

Wem hier trotzdem mal die berühmte Decke auf den Kopf fällt, der sei in wenigen Minuten in der City. „Mit dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln geht das ganz schnell. Wir sind hier sehr gut angebunden“, sagt der gebürtige Rheinländer.

Die historische Altstadt ist ein echtes Schmuckstück

Das sprichwörtliche I-Tüpfelchen sei für ihn der historische Ortskern - nur einen Steinwurf von der Rahmer Straße entfernt. „Die Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern und der alten Kirche ist ein echtes Schmuckstück.“ Die Ruhe und Idylle sauge er jeden Tag aufs Neue auf. „Und ein paar Schritte weiter falle ich dann quasi direkt in den Supermarkt.“ Das sei einmalig.

„Eine ehrliche und herzliche Straße“ - Eine überraschende Liebeserklärung von Veith (35)

Veith Lemmen schätzt am Huckarder Ortskern die Mischung aus historischer Altstadt und lebhafter Einkaufsstraße. © Beate Dönnewald

Leider müsse er beruflich viel unterwegs sein. „Ich ärgere mich wirklich immer, wenn ich nicht hier sein kann.“ Wenn er zum Beispiel den Wochenmarkt dienstags und freitags mit seiner legendären Fischbude verpasst. Er sehne sich nach diesem Ort - und das sei für ihn ein eindeutiges Zeichen, dass er seine Heimat gefunden hat. „Wann immer es geht, bin ich hier.“ Wo er sich dann, abgesehen von seiner Wohnung, besonders gerne aufhält? Veith Lemmen verrät es.

Das hier sind die drei Top-Insidertipps von Veith Lemmen:

„Eine ehrliche und herzliche Straße“ - Eine überraschende Liebeserklärung von Veith (35)

Seinen Kaffee trinkt Veith Lemmen am liebsten im Café täglich, direkt am Marktplatz. © Beate Dönnewald

Auf einen Kaffee ins Café täglich

Das „Café täglich“ an der Rahmer Straße 11-13 direkt am Huckarder Marktplatz gehört zu den Lieblingsplätzen des 35-Jährigen. „Seinen Kaffee muss man einfach hier trinken“, sagt Veith Lemmen. „Hier trifft man bekannte Leute, man kann neue Menschen kennenlernen, und auf der Außenterrasse hat man den Marktplatz und das Treiben im Blick.“ Er könne dort bestens entspannen. Sein Bierchen trinke er mit Freunden aber lieber in der Marktschänke.

Wer im Café täglich frühstücken möchte, sollte besser einen Tisch reservieren. Hat Veith Lemmen denn einen Tipp für alle, die keinen Platz im „täglich“ ergattern? „Dann empfehle ich das Café Lebensart.“ Das liegt allerdings nicht an der Rahmer Straße, sondern an der Buschstraße 152 am Rahmer Wald.

„Eine ehrliche und herzliche Straße“ - Eine überraschende Liebeserklärung von Veith (35)

Den Urbanus-Platz samt Mahnmal schätzt Veith Lemmen als Ort der Stille. Ihn sucht er auf, wenn er nachdenken möchte. © Beate Dönnewald

Entspannen und nachdenken am Urbanus-Platz

Den Urbanusplatz mit seinem Mahnmal und zwei Bänken sucht Veith Lemmen gerne auf. „Mitten in dieser trubeligen und wichtigen Straße gibt es hier einen Hort der Ruhe und der Einkehr.“ Das Mahnmal an der Ecke Rahmer/Urbanusstraße erinnert an Karl Altenhenne und Bruno Nowak, die im Frühjahr 1945 von der Gestapo in der Bittermark ermordet wurden, sowie an die vielen Opfer der NS-Zeit.

Veith Lemmen: „Es ist historisch wichtig, an die Verfolgten des Nationalsozialismus zu erinnern. Es zeigt auch, was für eine lange Geschichte die Stadt hat.“

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Das Team des Fahrradladens Velodepots habe ihn vor allem als Radfahr-Einsteiger bestens unterstützt. © Beate Dönnewald

Ein Schummel-Tipp - das Fahrradgeschäft Velodepot

Das Fahrradgeschäft „Velodepot“ ist ein Schummel-Tipp, denn es liegt nicht an der Rahmer Straße, sondern an der Huckarder Straße 377 - kurz vor der Einmündung zur Rahmer Straße. Für Veith Lemmen hat das Geschäft eine sehr persönliche Bedeutung, deshalb liegt ihm dieser Tipp am Herzen.

„Vor zehn Monaten habe ich den Entschluss gefasst, abzunehmen. Dabei habe ich das Fahrradfahren für mich entdeckt. Im Velodepot sind mein Rad und ich sehr gut betreut worden, außerdem habe ich dort immer gute Tipps für Radtouren bekommen.“

Für alle, die es interessiert: Innerhalb von zehn Monaten hat Veith Lemmen 80 Kilogramm abgenommen. Mittlerweile ist er aufs Rennrad umgestiegen.

Rahmer Straße verbindet die Stadtteile Huckarde und Rahm

  • Die Rahmer Straße führt von Huckarde nach Rahm - daher ihr Name - und endet in Kirchlinde. Sie ist rund 3,3 Kilometer lang.
  • Im Bereich des Huckarder Ortskerns gibt es auf der Rahmer Straße keine Leerstände. „Das ist schon seit Jahren so“, sagt Christian Oecking vom Huckarder Gewerbeverein. Im Falle eines Leerstands bemühe sich der Gewerbeverein in der Regel um einen passenden Nachfolger. „Unser Vorteil ist, dass wir fast alle Eigentümer hier kennen“, so Oecking.
  • Im Ortskern gibt es rund 30 Geschäfte, inklusive Friseur, Banken und Reisebüro. „Nur Textilien laufen hier nicht mehr“, so Oecking.
  • Die Rahmer Straße ist nicht nur eine Einkaufs-, sondern auch eine Wohnstraße.
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