Eine kaputte Ampel an der Münsterstraße kostet bis Sommer 2019 jeden Monat fast 2000 Euro

rnDortmunder Nordstadt

Seit Februar ist die Ampel an der Kreuzung Münsterstraße/Lortzingstraße kaputt. Links abbiegen kann hier seitdem keiner mehr. Der Zustand wird noch anhalten – und tausende Euro verschlingen.

Dortmund

, 25.10.2018 / Lesedauer: 3 min

Mediziner würden wohl von inoperablen Schäden sprechen: Am 27. Februar ist an der viel befahrenen Münsterstraße eine Ampel komplett ausgefallen. Sie ist nicht mehr zu reparieren. Die Stadt Dortmund reagierte umgehend und stellte eine provisorische Anlage auf. Die steht auch Ende Oktober und wird noch mehrere Monate stehen. Das ist auf mehreren Ebenen ärgerlich.

Die Anlage ist vor 31 Jahren installiert worden

Für Autofahrer, die von Norden auf der Münsterstraße in Richtung Innenstadt unterwegs sind, ist das Linksabbiegen in die Lortzingstraße und damit die direkte Zufahrt zum Nordmarkt sowie das Wenden nicht möglich. Schuld daran ist die Stadtbahn, die hier die Linksabbiegerspur kreuzt. Aber warum ist das alles überhaupt so problematisch?

Die gesamte Ampelanlage an dieser Kreuzung ist 1987 installiert worden – mit dem Steuergerätetyp M32 von Siemens. Für genau dieses Gerät gibt es seit 1994 aber keine Ersatzteile mehr. „Es ist keine Reparatur möglich“, heißt es in einer Vorlage, die im Frühjahr durch die politischen Gremien ging. Am Ende wurde im Juni für gut 100.000 Euro die komplette Erneuerung der Ampelanlage beschlossen. So weit so gut.

Es liegt an der kreuzenden Stadtbahn

Nun fährt die Stadtbahn mit den Linien U41, U45 und U49 mehrmals pro Stunde in beiden Richtungen hier vorbei. „An diesem Ort gibt es folgende technische Besonderheit“, teilt Tiefbauamt-Leiterin Sylvia Uehlendahl auf Anfrage schriftlich mit: „Die Lichtsignalanlage ist in Verbindung mit einer automatischen Bahnübergangssicherungsanlage verbunden. Diese Sicherungsanlage dient der technischen Sicherung von Bahnübergängen, hier der Stadtbahn. Die ausgefallene Lichtsignalanlage ist mit einer veralteten Bahnüberwachungs-Technik ausgestattet. Die neue auszuschreibende Lichtsignalanlage, unabhängig vom Hersteller, kann diese alte Technik nicht mehr verarbeiten.“

Eine kaputte Ampel an der Münsterstraße kostet bis Sommer 2019 jeden Monat fast 2000 Euro

Zwei Spuren sind geöffnet, eine bleibt noch bis zum nächsten Sommer geschlossen. So lange, bis die Ampel an der Münsterstraße erneuert ist. © Oliver Schaper

So muss überprüft werden, inwieweit die aktuelle Bahnüberwachungs-Technik an die Ampel und die Stellwerkstechnik integriert werden kann. Heißt: Weil derzeit die provisorische Anlage nicht mit der Technik für die Stadtbahn gekoppelt werden kann, ist das Linksabbiegen in die Lortzingstraße gar nicht möglich. Bei einer Öffnung der Linksabbiegerspur ohne Ampelregelung wäre es vermutlich schon öfter zu Unfällen zwischen Autos und Stadtbahnen gekommen.

Normalerweise dauert es sechs bis neun Monate

An diesen Zustand werden sich die Autofahrer allerdings gewöhnen müssen. Wie Sylvia Uehlendahl weiter mitteilt, sei der Auftrag für die Installation der neuen Ampel derzeit in der Ausschreibung: „Die Installation vor Ort ist für den Sommer 2019 vorgesehen.“ Damit wird es an der Münsterstraße voraussichtlich mindestens 15 Monate dauern, ehe die kaputte Ampel ausgetauscht ist. Für den städtischen Durchschnitt ist das schon eine ziemlich lange Zeit.

Eine kaputte Ampel an der Münsterstraße kostet bis Sommer 2019 jeden Monat fast 2000 Euro

So sieht die Kreuzung in einer Karte von oben aus. © Leonie Sauerland

Denn Baudezernent Martin Lürwer schrieb in einer Antwort zu einer Anfrage aus dem Ausschuss für Bauen, Verkehr und Grün, dass eine provisorische Ampel in der Regel sechs bis neun Monate in Betrieb bleibe. 2017 kosteten provisorisch aufgestellte Ampeln die Stadt rund 56.000 Euro.

Voraussichtliche Kosten: rund 27.000 Euro

Nun kostet das Provisorium an der Münsterstraße im Monat 1830 Euro. Bis zum Sommer 2019 wird die Anlage also nicht nur viele Nerven, sondern auch mehr als 27.000 Euro gekostet haben.

Ärgerlich ist das Ganze also für Autofahrer und die Stadt Dortmund. Aber auch Fußgänger müssen Geduld beweisen. Denn die Ampel, die sie von der Haltestelle Lortzingstraße rüber zum Netto leiten soll, hat eine kurze Grünphase, die zum „Überqueren bei Rot verleitet“, wie es ein Leser in einer Mail an diese Redaktion formuliert.

Mediziner würden an dieser Stelle vielleicht sagen: „Haben Sie noch etwas Geduld, es wird anstrengend, aber alles wird gut.“ Der Stadt bleibt nichts anderes übrig, als zu sagen: „Wir bitten um Verständnis für die nicht vermeidbaren Beeinträchtigungen.“

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