Eine leuchtende Kerze in St. Reinoldi gibt es jetzt auf Bestellung

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Keine Gottesdienste, keine Andachten - die Kirchen müssen in der Corona-Krise Kreativität zeigen, um die Gläubigen zu erreichen. Ein besonderes Angebot macht die Stadtkirche St. Reinoldi.

Dortmund

, 05.04.2020, 13:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die evangelische Stadtkirche St. Reinoldi ist normalerweise ein Ruhepol im hektischen Großstadtgetümmel. Viele kommen in die historische Kirche im Herzen der City, um einen Moment Ruhe zu finden, die kunsthistorischen Schätze anzuschauen, zu beten oder eine Kerze anzuzünden.

Das ist auch weiterhin möglich, weil die Kirche auch in der Corona-Zeit zumindest zeitweise geöffnet ist - dienstags bis freitags von 14 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 14 Uhr. „Es ist aber sehr übersichtlich geworden“, stellt Pfarrerin Susanne Karmeier fest. Viele blieben richtigerweise zu Hause, um andere und sich zu schützen.

Die Kirchenbänke in der Reinoldikirche sind in der Zeit der Corona-Krise weitgehend leer.

Die Kirchenbänke in der Reinoldikirche sind in der Zeit der Corona-Krise weitgehend leer. © Stephan Schütze

Doch die Pfarrer der evangelischen Stadtkirche haben Abhilfe geschaffen. Sie laden dazu ein, die Kirche zu besuchen, ohne sie betreten zu müssen - online. Ein Video bietet unter dem Titel „Anders Raum gewinnen“ die Möglichkeit, den Kirchenraum bis zum Glockenstuhl zu durchwandern - begleitet von Erläuterungen der beiden Stadtkirchenpfarrer an St. Reinoldi, Susanne Karmeier und Michael Küstermann.

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Am Ende kann man sogar einen Blick vom Turm der Reinoldikirche auf die Stadt werfen. Innerhalb kurzer Zeit wurde der Film mit einem professionellen Team gedreht.

Abendgebet aus der Distanz

Eine neue Form gibt es auch für das Abendgebet und den Segen, die eigentlich immer um 18 Uhr in St. Reinoldi stattfinden. Jetzt bleibt der Kirchenraum leer. „Aber wir - immer nur einer - zünden dort trotzdem zur üblichen Zeit Kerzen an und halten Andacht“, erklärt Susanne Karmeier.

Wünsche per e-Mail

Die Gläubigen sind eingeladen, sich um die übliche Zeit „dazuzudenken“. „Niemand ist da und doch sind viele gegenwärtig“, hofft die Pfarrerin.

Wer will, kann sich aber auch virtuell beteiligen. Interessierte können ihre Anliegen, Gedanken und Bitten per Mail an karmeier@sanktreinoldi.de schicken. „Wir nehmen sie mit und zünden eine Kerze dafür an“, erklärt Susanne Karmeier – so wie es viele Menschen sonst immer selbst in der Reinoldikirche tun.

Viele Menschen zünden Kerzen an, die vor dem Altarraum der Reinoldikirche aufgestellt werden.

Viele Menschen zünden Kerzen an, die vor dem Altarraum der Reinoldikirche aufgestellt werden. © Stephan Schütze

„Es reicht auch einfach der zugesandte Wunsch, eine Kerze zu entzünden – ohne weitere Erklärungen.“ Die ersten Interessierten haben sich schon gemeldet mit der Bitte, eine Kerze anzuzünden. Es ist nur eine kleine Geste, aber die habe für viele eine große Bedeutung, weiß die Stadtkirchenpfarrerin.

Genauso wie die Glocken von St. Reinoldi, die wie die vieler anderer evangelischer und katholischer Kirchen tagtäglich um 19.30 Uhr zu hören sind. Sie laden dazu ein, innezuhalten und daheim eine Kerze anzuzünden und als Zeichen der Gemeinsamkeit ins Fenster zu stellen.

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