Einen Tag an der Eliteschule

Privatgymnasium Stadtkrone

DORTMUND Keine unangenehm quietschende Kreide auf einer grünen Schiefertafel. Keine starren Tisch-Stuhl-Kombinationen in dunklem Braun, voll gekritzelt mit buntem Marker. Auch ewig lange Flure und die so uninspirierend wirkenden blassgelben Wände sucht man im Privatgymnasium Stadtkrone vergeblich.

von Von Sybille Warnking

, 31.10.2009, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hier tüfteln Marvin und Magnus gemeinsam an ihrer Mathe-Aufgabe. Anna rennt mal kurz aus der Klasse, um sich ihre Jacke zu holen. Fast alle Schüler tragen blaue Polohemden oder Kapuzenpullover. Vor jedem der Schultische, die ruck-zuck in ein Stehpult umfunktioniert werden können, stehen die gleichen knallig orangenen Taschen.„Die PGS-Kollektion soll ein positives Gemeinschaftsgefühl schaffen“, erklärt Schulleiter Wolfgang Kunz. 

Vorne, bei Jandirk Kraeft, dem Mathelehrer, „einer der besten“, so die Schüler, die ihn im Stillen manchmal Herrn Kraefti nennen, steht Hannah. Gemeinsam lösen sie eine Aufgabe am „Whiteboard“, einer hochmodernen Tafel, mit dem Laptop auf dem Lehrertisch verbunden. Auf eine elektronische Leinwand werden per Beamer Texte, Bilder oder Filme übertragen. Mit speziellen Stiften können Lehrer und Schüler auf die Weißwandtafel schreiben.  Streitereien darüber, wer „mit Tafel putzen dran ist“ gibt es am PGS Stadtkrone nicht. Doch auch hier wird der Lärmpegel manchmal höher, streiten sich Mädchen darüber, wer nun wessen beste Freundin ist, muss der Lehrer dann und wann ermahnen, ruhig zu sein.

„Darf ich bei Ihnen auch abräumen?“, fragt Victoria aus der sechsten Klasse nach dem Mittagessen mit makelloser Etikette. Erst vor kurzem hat sie im „Stil und Form-Kurs“ gelernt, welche Regeln beim Abdecken zu beachten sind.Im Esszimmer duftet es noch nach Kartoffelpuffern mit Apfelmus. Gekocht von Frau Pätzold, die alle mit Namen kennen. So wie hier jeder jeden mit Namen kennt. Denn Anonymität soll es auf dem PGS nicht geben. Geplant ist, dass die Klassen maximal 21 Schüler umfassen. Bisher sind es acht Schüler in Klasse fünf und vier in Klasse sechs. Den Lehrern bleibt Zeit für die individuellen Bedürfnisse ihrer Schützlinge.

Nach dem Essen: Chillen im Aufenthaltsraum. Drei Kinder flätzen sich aufs Sofa. Einer versinkt in einem der bunten Sitzsäcke. Alle machen sich über den Obstkorb her. Der Technik-Lehrer kommt durch die Tür. Großes Hallo, alle springen auf. Zeit für die AG. Nachdem vor einiger Zeit Computer auseinander genommen wurden, sollen sie heute wieder zusammengebastelt werden. An anderen Tagen stehen nach regulären Unterricht Chinesisch-Kurse, Sportprogramme oder Mentales Training auf dem Programm. Bis 16 Uhr bleiben die Kinder in der Schule, erledigen beim „Förderband“ ihre Hausaufgaben. „Und danach haben wir Freizeit“ schreien drei Mädchen im Chor. Für sie ist das PGS eine ganz normale Schule. Mit komischen Lehrern, über die sie gelegentlich kichern müssen. Aber eben auch mit coolen Tischen, spacigen Tafeln und Erwachsenen, die noch richtig viel Zeit für sie haben.  

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