Eines der beliebtesten Cafés im Brackeler Zentrum schließt Ende August

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Ein Stück Café-Gemütlichkeit verschwindet Ende August aus dem Brackeler Zentrum. Die Betreiberin erklärt, warum sie es nicht mehr schafft, den beliebten Betrieb fortzuführen.

Brackel

, 21.08.2019, 15:44 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das werden die Fans von wohliger Café-Gemütlichkeit nicht gerne lesen: Das Café Blümchen an der Hörder Straße 8 im Brackeler Zentrum schließt. Dass viele Brackeler gerade dieses Café so mögen, hat vor einigen Jahren der Aufschrei gezeigt, der auch durch die Sozialen Medien ging, als Betreiberin Conny Sievert (59) den Betrieb am Talweg in der Nähe des Friedhofs nach Einbruch und Wasserschaden schließen musste.

Damals gab‘s eine Zukunft am Wieckesweg in der Nähe des Knappschaftskrankenhauses, doch auch der war nicht von Dauer. „Wir hätten wieder einen längerfristigen Pachtvertrag unterschreiben müssen“, sagt Cornelia Sievert, das wollten wir nicht mehr“, außerdem haben dort die ewigen Signalhörner der Krankenwagen auf Dauer doch sehr gestört. Ein weiterer Umzug ins Brackeler Zentrum stand im vorigen Oktober an. Und da ist nun Schluss. „Ich schaffe es einfach nicht mehr“, sagt Conny Sievert, die den Betrieb nur mit der Hilfe ihres Lebenspartners Ulli Möhle (72) gestemmt hat. „Viele denke ja, wenn der Laden abends schließt, haben wir Feierabend, aber ich habe manchmal bis nachts um 1 Uhr gebacken und konnte dann nicht schlafen.“

Eines der beliebtesten Cafés im Brackeler Zentrum schließt Ende August

Dieser voll funktionstüchtige Ofen aus der Zeit um die Wende zum 20. Jahrhundert ziert das Café. © Andreas Schröter

Es sei eben ihr Anspruch gewesen, vier oder fünf frische Torten täglich anzubieten. Sonst hätte es ja gar keinen Unterschied zu den umliegenden Bäckereien mehr gegeben, auf den die Kunden des Cafés auch Wert gelegt haben. Ansonsten sei ihr Café sehr bodenständig gewesen: „Bei uns gab’s einen Pott Kaffee, keinen Latte mit linkdrehender Sojamilch“. Und dann gebe es ja auch noch den Einkauf, den Schreibkram und die Putzerei, die bewältigt werden mussten. Vielleicht habe sie sich auch selbst zu sehr unter Druck gesetzt, sagt die Chefin. Sie habe es allen recht machen wollen. Aber wenn ihr ein Löffel runterfalle und ein 80-jähriger könne ihn wesentlich schneller aufheben als sie selbst, müsse einem das zu denken geben.

Eines der beliebtesten Cafés im Brackeler Zentrum schließt Ende August

Tante Doris, die am liebsten "Dolly" genannt werden will, ist Stammgast im Café Blümchen. Sie hat viele Verehrer. © Andreas Schröter

Auch finanziell habe das Café nicht so viel abgeworfen, wie vielleicht einige glauben. Es gebe Kunden, die sagen „Hach, was waren das drei schöne Stunden bei Ihnen“ - und in der ganzen Zeit haben sie einen einzigen Kaffee getrunken. Strom, Miete, Beiträge für IHK und Berufsgenossenschaft wollen schließlich gezahlt werden. Viel Lob hat sie dagegen für einige „sehr sympathische Schülerinnen“ der Geschwister-Scholl-Gesamtschule.

Eines der beliebtesten Cafés im Brackeler Zentrum schließt Ende August

Am Schaufenster steht's unmissverständlich: Das Café Blümchen macht dicht. © Andreas Schröter

Conny Sievert, die in den letzten August-Tagen dabei ist, ihr Inventar zu verkaufen, will nun zunächst ausspannen. Aber vielleicht werde man sie ja auch irgendwo mal wiedersehen, sagt sie vieldeutig. Sie könne ja Kuchen per Drohne verschicken - und meint das natürlich als Witz. Auch ein Buch wolle sie schreiben. Den Titel habe sie schon: „Darf ich Sie abservieren?!“

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