Einmalig und geheimnisvoll: Ein 439 Jahre altes Kreuz gibt Rätsel auf

rnGeheimnisvolles Dortmund

Eine weiße Wand, ein einzelner Strahler. Schon der Platz des „Sölder Kreuzes“ in der Georgskirche wirkt mystisch. Die kaum lesbare Schrift verstärkt den Eindruck. Was steckt hinter dem Fund?

Aplerbeck

, 05.09.2020, 05:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es seien bewegte Zeiten gewesen im Jahr 1581, so Dr. Georg Eggenstein, Vorsitzender des Aplerbecker Geschichtsvereins. So wurde 1581 mit Anna Koesters die erste vermeintliche Hexe in der Grafschaft Dortmund hingerichtet. „Vom Teufel erstickt“, wurde damals als Todesursache ins Protokoll geschrieben. Und es war die Zeit der Reformation.

Eine geheimnisvolle Inschrift

Aus dieser Zeit ist auch ein seltsamer Fund. Ein Kreuz, gemeißelt aus Ruhrsandstein mit einer geheimnisvollen Inschrift. Eben die Jahreszahl 1581 und ein Name Joes Mullenius, „Heute würde man wohl sagen Johannes Müller“, so Eggenstein.

Dann folgt das Wort Bro (Bruder) und dann nichts mehr. „So ein Kreuz ist sicherlich im Dortmunder Raum einmalig“, sagt Eggenstein. Auch die Stadt Dortmund war wohl der Meinung und machte das historische Fundstück zum Denkmal des Monats September.

Pfarrer Dr. Johannes Majoros-Danowski, Ulrich Wemhöhner (Förderverein), Küsterin Kornelia Schellnock und Dr. Georg Eggenstein versuchen hinter das Geheimnis des Kreuzes zu kommen.

Pfarrer Dr. Johannes Majoros-Danowski, Ulrich Wemhöhner (Förderverein), Küsterin Kornelia Schellnock und Dr. Georg Eggenstein versuchen hinter das Geheimnis des Kreuzes zu kommen. © Jörg Bauerfeld

Aber was weiß man über das Kreuz? Welches Geheimnis verbirgt sich dahinter? Schon der Fundort gibt Rätsel auf. In einem alten Abbruchhaus wurde das über 400 Jahre alte Kreuz entdeckt. Eingemauert in einer Kellerwand. 1994, beim Abriss des alten Hauses, wurde es gefunden. Da wurde das Kreuz auch schon in die Denkmalliste der Stadt Dortmund eingetragen.

„Die Menschen mussten sich der Bedeutung bewusst gewesen sei“, sagt Eggenstein. Denn das Kreuz war richtig herum und mit der Inschrift nach vorne in die Wand eingepasst worden.

Das Kreuz muss lange im Freien gestanden haben

„Bevor das Kreuz aber in die Wand eingebaut wurde, muss es sehr, sehr lange im Freien gestanden haben“, so Eggenstein. „Das war an den Verwitterungen deutlich zu sehen.“

Der Aplerbecker Geschichtsverein nahm es an sich und mithilfe des Fördervereins Große Kirche-Georgskirche wurde es restauriert und die geheimnisvolle Inschrift lesbar gemacht. „Das Kreuz stammt auf jeden Fall hier aus der Gegend“, so Eggenstein. Das würde man an dem verwendeten Sandstein gut erkennen.

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Nur, was hat der Name auf dem Kreuz für eine Bedeutung? „Es ist vermutlich kein Grabkreuz gewesen“, so Eggenstein. Dafür würden wichtige Eintragungen fehlen. Eher eine Art Sühnekreuz. Vielleicht steckt sogar ein schreckliches Verbrechen dahinter. Man wisse nicht genau, was um 1581 in Sölde geschehen sei.

Geheimnis des Namens noch nicht gelöst

Noch habe man in Archiven nichts gefunden. Man werde aber weiterhin aufpassen, ob dieser Name irgendwo auftauche. Vielleicht sogar in den historischen Urkunden, die im alten Rittergut Sölde am Kapellenufer gefunden wurden.

Aber so weit sei das Material noch nicht gesichtet, so Eggenstein. Auch 439 Jahre nach seiner Errichtung behält das Kreuz sein Geheimnis. Vielleicht hat das „Sölder Kreuz“ aber jetzt seinen endgültigen Platz gefunden - für die Ewigkeit.

Tag des offenen Denkmals

Vier Führungen durch die Georgskirche

  • Zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag (13.9.) ist die Georgskirche an der Ruinenstraße von 11 bis 17 Uhr geöffnet.
  • Jeweils um 12, 13, 14 und 16 Uhr gibt es Führungen zur Geschichte der Kirche, Treffpunkt: vor der Kirche.
  • Dann haben die Besucher auch die Gelegenheit, sich das geheimnisvolle Kreuz anzuschauen.
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