Eklat um Waltroper Wahlempfehlung: Ein kalkuliertes Ausstiegsszenario?

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Die Wahlempfehlung von Langendorf-Geschäftsführer Klaus P. Strautmann hat Wellen geschlagen. Die genannten Motive erscheinen wenig schlüssig. Steckt ein kalkuliertes Szenario dahinter?

Groppenbruch, Mengede

, 29.09.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die gegenseitige Wertschätzung von Waltrops scheidender Bürgermeisterin Nicole Moenikes (CDU) und Langendorf-Geschäftsführer Dr. Klaus P. Strautmann ist kein Geheimnis. Oft genug haben sie diese in Gesprächen auch mit dieser Redaktion kundgetan.

Die Standort-Sicherung für ein Traditionsunternehmen, den größten Industriearbeitgeber der Stadt, und die mittelfristige Aussicht auf eine Expansion bringen der Bürgermeisterin Punkte in ihrer wirtschaftspolitischen Kompetenz.

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Auf der anderen Seite stand eine Rathaus-Chefin, die mit Rhetorik und kühlem politischen Kalkül die Wege durch Politik und Planungsinstanzen ebnet. Die Rechnung sollte aufgehen. Aber sie zog sich hin. Zu lange?

Es wäre zu kurz gegriffen, die Planungen für den Dicken Dören allein auf diese Allianz zu reduzieren. Das Credo für das Industriegebiet war im Waltroper Stadtrat einhellig – über Parteigrenzen hinweg. Es geht letztlich um die Sicherung von rund 250 Arbeitsplätzen.

Frage nach der Motivation

Bei einer Informationsveranstaltung des Groppenbrucher Aktionsbündnisses waren es zwei SPD-Ratsherren, die sich bei diesem Streit an der Stadtgrenze alleine der Auseinandersetzung mit den Umsiedlungs-Gegnern stellten. Die Wahlempfehlung von Klaus P. Strautmann wirkt da ein wenig undankbar. Geschenkt!

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Aber: Was mag den Geschäftsführer zu seiner E-Mail an die Mitarbeiter tatsächlich getrieben haben? Deren Wunsch nach zeitgemäßen Produktionsbedingungen? Sie sind bekannt und überhaupt der Grund für die Umsiedlung. Der Wunsch der Anwohner nach lärmfreier Nachbarschaft? Strautmann war es, der immer wieder den geringen Lärm betont hat – gerade mit Blick auf die argwöhnischen Groppenbrucher.

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Also eine Wahlempfehlung, um bei einer knappen Entscheidung eine gewohnte Zusammenarbeit zu sichern? Unwahrscheinlich. Nicole Moenikes lag schon am 13. September mit 35,6 Prozent weit hinter Marcel Mittelbach (46,7).

Druck aus der Zentrale

Bekannt, aber womöglich klein geredet ist der Druck aus der Konzernzentrale. Niemand weiß, welche Entscheidungen und womöglich Ausstiegsszenarien dort bereits beredet wurden. Schließlich ist es in der Klimakrise ohnehin wenig opportun, einen regionalen Grünzug einer Industrieansiedlung zu opfern.

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Braucht es also einen Anlass für ein Ende der Produktion in Waltrop? Vermutungen von Langendorf-Mitarbeitern sind nicht von der Hand zu weisen. Sie erhalten Nahrung aus politischen Kreisen. Dort ist zu hören, dass Langendorf in Waltrop womöglich nur noch ein Servicecenter wie schon in Potsdam betreiben wolle – mit einem Bruchteil der Mitarbeiter.

Die E-Mail: Ein merkwürdiger Vorgang auf dem Rücken von Mitarbeitern, ihren Familien und den Groppenbrucher Anwohnern. Bleibt eine Frage: Was wusste davon Nicole Moenikes?

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