Elfjähriger bekommt Brief von Schulministerin

Beschwerde über Unterrichtsausfall

Post von einer Ministerin bekommt ein Schüler nicht alle Tage. Anjo, elf Jahre alt, hat sogar einen sehr ausführlichen Brief von Sylvia Löhrmann, Ministerin für Schule und Weiterbildung in NRW, bekommen. Zweieinhalb Seiten lang. Der Elfjährige hatte sich über den Unterrichtsausfall beschwert.

DORTMUND

, 11.05.2017, 15:25 Uhr / Lesedauer: 2 min
Elfjähriger bekommt Brief von Schulministerin

Anjo (l.) und Mitschüler haben an ihrer Schule 347 Unterschriften gesammelt.

Das Schreiben ist die Antwort auf eine Beschwerde gegen den Unterrichtsausfall, die der Sechstklässler Anfang Februar im Düsseldorfer Schulministerium abgegeben hat, unterschrieben von 347 der insgesamt 435 Schüler der Max-Born-Realschule (80 Prozent). Sogar im TV-Duell zwischen Hannelore Kraft und Armin Laschet kam die Aktion des Elfjährigen zur Sprache.

Die Schulministerin lobt in ihrem Brief an Anjo und seine Mitschüler ausdrücklich den Einsatz der Kinder („Ich nehme Eure Kritik sehr ernst und finde das Engagement toll, mit dem Ihre Euer Anliegen vortragt“). Weiter stellt sie die Bemühungen und Investitionen der Landesregierung für eine gute Unterrichtssituation dar und versucht die Probleme an der Asselner Realschule zu erklären.

Nicht ganz vermeidbar

Der Eindruck, dass bei der Bildung gespart würde, wie Anjo geschrieben hatte, sei nicht richtig. „An eurer Schule gab es eine hohe Zahl langfristiger Ausfälle von Lehrkräften durch Erkrankungen und Elternzeiten. Hinzu kamen noch kurzfristige Erkrankungen von Lehrkräften, so dass für eine gewisse Zeit Unterrichtsausfälle nicht mehr ganz vermieden werden konnten“, schreibt Sylvia Löhrmann.

Den Ärger über häufige Lehrerwechsel durch den Einsatz von Vertretungskräften könne sie nachvollziehen, allerdings ließe sich „ein solcher Lehrerwechsel nicht gänzlich vermeiden“.

Situation hat sich verbessert

Inzwischen habe sich die Situation an der Schule aber wieder deutlich verbessert, schreibt die Ministerin bezugnehmend auf Informationen der Bezirksregierung. Die Schule sei demnach „nun gut mit Lehrkräften versorgt“. Tatsächlich habe der Unterrichtsausfall zumindest in Anjos Klasse nach der Berichterstattung in dieser Zeitung abrupt aufgehört, sagt dazu Anjos Vater, Dave Varghese.

Und inzwischen habe der Stundenausfall wieder deutlich zugenommen. Schulleiterin Dr. Johanna Kahlert bestätigt das: „Es gibt neue Krankheitsfälle.“ Eine Vertretung könne sie erst nach vier Wochen anfragen, und dann dauere das Verfahren noch eine ganze Zeit, bis eine Vertretungskraft endlich vor der Klasse steht.

„Der Unterricht wurde komplett erteilt“ 

Zuvor sei aber alles zur Zufriedenheit geregelt worden, so die Schulleiterin „Der Unterricht wurde komplett erteilt.“ Und das sei auch Anjo zu verdanken. Sie freue sich nach wie vor über den Einsatz des Jungen, die große Aufmerksamkeit mache auch ein wenig stolz. „Ein solches politisches Bewusstsein bei einem Sechstklässler, das ist schon außergewöhnlich.“

Und Anjo selbst? Der habe sich über die Antwort aus dem Ministerium gefreut, erzählt sein Vater. Aber er sei auch etwas enttäuscht, weil das Problem nicht dauerhaft gelöst ist. 

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