Eltern führen auf Spielplätzen stille Grabenkämpfe um Prinzipien

rnEltern-Kolumne „Doppelkinder“

Spielplätze sind Fluch und Segen zugleich. Sie gehören zu den Schauplätzen der Elternschaft, an die es Mütter und Väter wahllos aus allen Himmelsrichtungen spült – nicht immer in Eintracht.

Dortmund

, 01.04.2019, 20:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

Oftmals kennen wir einander auf dem Spielplatz nicht und unsere einzige Gemeinsamkeit ist, dass wir zufälligerweise auch Kinder haben. Das bedeutet längst nicht, dass wir dort friedlich koexistieren. Es heißt jedoch auch nicht, dass wir uns offensiv in den Haaren liegen. Der Dissens am Sandkasten läuft subtil ab.

Da werden verschämt in Plastik eingeschweißte Frischei-Waffeln aus dem Rucksack geschmuggelt. Zumindest auf gewissen Spielplätzen in bestimmten Stadtbezirken kann es für einen solchen Snack Blicke hageln, die eine Mutter innerlich dazu bewegen, ihre Karriere noch einmal zu überdenken.

Dinkel versus Discounter

Warum kein bei Vollmond geernteter und handgeschroteter Dinkel? Und warum trägt das Kind eigentlich nicht was Gefilztes aus echter Wolle und Lederschuhe, sondern eine Buddelhose vom Discounter und Gummistiefel mit Leucht-Dioden?

Elternschaft ist ein Metier, das vor goldenen Kälbern nur so wimmelt: die richtige Ernährung, Kindertrage oder Kinderwagen, Stillen oder Flasche, Kita oder Betreuung zuhause? Und das sind nur ein paar der Punkte, um die sowohl online als auch im wahren Leben verbitterte Grabenkämpfe geführt werden.

Online beleidigt es sich besser

Digital allerdings wesentlich distanzloser, weil es leicht ist, jemanden mittels Tastatur zu beleidigen und es nicht so viel Mut erfordert wie Gespräche, die wir von Angesicht zu Angesicht führen. Eine dieser Realitäten ist eben die Subkultur Spielplatz. Genauso wie im Internet kann es dort natürlich auch richtig nett, freundlich und tolerant zugehen.

Aber er ist auch oft ein Ort, der Eltern die Gelegenheit gibt, die Nase übereinander zu rümpfen: „Total übervorsichtig, die Frau mit ihrer Tochter!“ „Verantwortungslos, dem Kind so früh schon Apfelschorle zu geben!“ „Der Bengel darf aber auch tun und lassen, was er möchte! Also, ich würde mir das nicht bieten lassen!“

Vergleichen aus Unsicherheit

Manchmal zu hören hinter vorgehaltenen Händen, manchmal nur in Gesichtern abzulesen. Doch die Ursache ist eigentlich immer die selbe. Wir vergleichen uns, um uns besser zu fühlen. Um in einem hochsensiblen und emotionalen Bereich wie Elternschaft Sicherheit darüber zu erlangen, dass wir bloß alles richtig machen. Damit wir uns später nichts vorwerfen müssen.

Auf Eltern lastet viel Druck, das ist an allen Ecken deutlich spürbar. Über diesen Druck hinweg vergessen wir leider oft, dass wir unsere Mitmütter- und -väter immer nur in winzigkleinen Ausschnitten ihres Alltags erleben, über den wir uns gar kein Urteil erlauben können.

Hauptsache glücklich

Weder über Frischei-Waffeln, noch über Wollwalk-Jacken, die unter Umständen eine viel schlechtere Ökobilanz haben als eine Discounter-Hose in dritter Generation. Hauptsache, das Kind, das drin steckt, ist zufrieden, das schert sich nämlich herzlich wenig um glückliche Wolle von politisch-korrekten Schafen.

UNSERE KOLUMNE „DOPPELKINDER“

AUS DEM LEBEN EINER ZWILLINGSMAMA

In unserer Eltern-Kolumne berichtet Julia Scharnowski jeden zweiten Sonntag aus ihrem Alltag, den sie mit Ehemann und Zwillingssöhnen in Dortmund erlebt. Sie schreibt darüber regelmäßig auf ihrem Blog „Doppelkinder“ und bei Instagram.
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