EM-Bewerbung 2024: Dortmunds Politik ist skeptisch

Rat soll entscheiden

Es könnte ein Fußballmärchen werden, gilt aber auch als finanzielles Wagnis. Ob Dortmund sich als Austragungsort für die Fußball-Europameisterschaft 2024 bewirbt, bleibt fraglich. Zu entscheiden haben das die Politiker im Rat. Wir haben ihre Meinungen zusammengetragen.

DORTMUND

, 30.05.2017, 17:41 Uhr / Lesedauer: 2 min
EM-Bewerbung 2024: Dortmunds Politik ist skeptisch

Der Signal Iduna Park könnte Austragungsort für die EM 2024 sein.

Bei der Frage, ob sich Dortmund definitiv als ein Austragungsort der Fußball-Europameisterschaft (EM) 2024 bewirbt, wird es von der Mehrheit im Rat am Donnerstag wohl ein „Ja, aber…“ geben.

SPD und CDU:

SPD und CDU fordern vor einer endgültigen Entscheidung, die dann erst im Juli fallen soll, mehr Informationen zu den finanziellen Risiken für die Stadt ein. Sie stützen damit die Linie von Oberbürgermeister Ullrich Sierau. Er hatte öffentlich kritisiert, dass der Deutsche Fußball-Bund (DFB) von den Austragungsstätten der EM-Spiele eine pauschale Zusage fordere, ihn "auf eigene Kosten bestmöglich zu unterstützen".

Die Verwaltung wollte deshalb die Entscheidung, ob man an der bislang unverbindlichen abgegebenen Bewerbung festhält, der Politik überlassen. „Es wäre toll, wenn Dortmund EM-Stadt wird, aber die Risiken müssen näher quantifiziert und qualifiziert werden“, erklärte CDU-Ratsfraktionschef Ulrich Monegel nach den Fraktionsberatungen am Montag. SPD und CDU wollen, dass mehr Informationen eingeholt werden. Dortmund solle sich sich mit dem BVB als Stadionbesitzer und auch anderen Städten abstimmen.

SPD-Fraktionsgeschäftsführer Christian Uhr plädiert dafür, dass die Stadt selbst klare Bedingungen für die Bewerbung vorgibt. 

Bündnis90/die Grünen:

Bündnis90/die Grünen bezeichnet die momentanen Bedingungen zur EM-Bewerbung als "Knebelvertrag". "Entscheidend ist auf`m Platz – das ist eine alte Dortmunder Fußballweisheit. Und das, was im Moment auf dem Platz liegt, ist eine Art Knebelvertrag von UEFA und DFB mit unabsehbaren finanziellen Folgen", lassen die Fraktionssprecher Ingrid Reuter und Ulrich Langhorst mitteilen.

Die genannten Kosten in Höhe von möglicherweise 30 Millionen Euro seien indiskutabel. Alle Bewerberstädte müssten zusammenarbeiten, um eine gemeinsame Linie gegenüber UEFA und DFB zu finden. Allerdings, so heißt es in der Mitteilung weiter, bezweifelten die Grünen, dass die Zeit dazu reiche.

Die Linke und Piraten:

"Einen Blankoscheck für den DFB wird es mit uns nicht geben", sagt Utz Kowalewski, Vorsitzender der Fraktion Die Linke und Piraten. Er sei großer Fußballfan, Dortmund als Austragungsort der EM 2024 wäre wünschenswert. Es könne aber nicht sein, das Dortmund "völlig im Dunkeln" tappe als eine der "ärmsten Städte Deutschlands".

Dass Dortmund Gastgeber werde, wolle man nicht verhindern, doch vor einer Entscheidung des Rats sollten feste Größen benannt werden. Kowalewski: "Wir haben mit dem Fußball-Museum bereits schlechte Erfahrungen mit dem DFB gemacht. Jedes Defizit muss dort von der Stadt getragen werden; der DFB hält sich schön raus. Deshalb sollten wir gewarnt sein und bei neuen Verträgen vorsichtig agieren."

Der Rat entscheidet

Der DFB hatte bereits reagiert und die Frist, bis zu der die aktuell 14 interessierten Städte ihre Bewerbung definitiv erklären sollen, um einen Monat bis zum 10. Juli verlängert. Nach Ansicht von CDU und SPD kann Dortmund dabei durchaus selbstbewusst auftreten. „Uefa und DFB wissen, was wir können“, betont CDU-Ratsfraktionschef Monegel mit Blick auf die Erfahrungen mit internationalen Spielen im Signal Iduna Park.

Jetzt lesen

Beraten wird über die Frage EM-Bewerbung oder nicht in der Ratssitzung am Donnerstag, 13. Juli, sowohl im öffentlichen als auch im nichtöffentlichen Teil. Vielleicht gibt es ja vom DFB noch einmal eine Fristverlängerung um drei Tage, schlägt Uhr vor. 

Lesen Sie jetzt
Ruhr Nachrichten „Undemokratischer Willkürakt“

AfD-Fraktion fühlt sich im Rathaus abgeschoben – und klagt gegen Oberbürgermeister Sierau