Telefonbetrug kommt nach wie vor häufig vor – auch in Dortmund. In den vergangenen Wochen wurde von drei Senioren insgesamt 400.000 Euro erbeutet. © dpa
Polizei warnt

Enkeltrick in Dortmund: Betrüger erbeuten am Telefon 400.000 Euro

In Dortmund haben Betrüger in den vergangenen Tagen und Wochen enorme Summen erbeuten können – drei Senioren verloren durch den Enkeltrick ihre Ersparnisse. Die Polizei klärt über die Masche auf.

Die Betrugsmasche „Enkeltrick“ ist unlängst bekannt – und nach wie vor höchst gefährlich. Erneut haben in Dortmund drei Senioren ihre Ersparnisse verloren, da Betrüger sie per Telefon ausbeuten konnten. Insgesamt rund 400.000 Euro wurden dabei erbeutet. Die Vorgehensweisen der Fälle sind verschieden.

Täter gaben sich als Polizeibeamten aus

Bei dem ersten Fall riefen die Täter einen 80-jährigen aus Wellinghofen bereits im März an. Laut Angaben der Polizei gaben die Betrüger sich als Beamte der Polizei aus. Die Betrüger behaupteten, sie hätten Kenntnis über eine rumänische Tätergruppe, welche an sein Vermögen rankommen wolle.

Um ihm zu helfen, forderten sie den 80-Jährigen auf, seine Wertpapiere zu kündigen, in Gold umzutauschen und bei ihnen – den Polizisten – aufzubewahren. Sowohl Anfang als auch Mitte April über gab er das Gold den unbekannten Betrügern. Der Wert des Goldes hatte einen sechsstelligen Betrag.

Schock-Anrufe der vermeintlichen Enkelin

Anders verlief die Masche am vergangenen Freitag (16.4.) bei einem 80-Jährigen aus Bodelschwingh und einer 70-Jährigen aus Wickede: Sie erhielten Schock-Anrufe einer angeblichen Enkelin, heißt es in einer Pressemitteilung der Polizei Dortmund.

Der 80-jährige Dortmunder wurde gegen neun Uhr angerufen: Seine Enkelin sei schwer erkrankt und brauche Geld für eine Krebsbehandlung. Eine Stunde später hatte er das Geld bereits einem Boten übergeben. Es handelte sich um einen fünfstelligen Betrag.

Bargeld für angeblichen Anwalt

Die 70-jährige Dortmunderin erkannte den Betrug ebenfalls zu spät. Gegen 11.30 Uhr rief sie eine weinende Frau an, welche das Telefon einem vermeintlichen Polizisten weitergab. Ihre Enkelin habe einen Radfahrer angefahren – und dieser sei noch am Unfallort gestorben.

Damit sie nicht in U-Haft müsse, würde sie gleich ein Rechtsanwalt anrufen. Wenig später rief der vermeintliche Anwalt an und forderte sie auf, einen fünfstelligen Betrag als Kaution zu bezahlen. Unter anhaltendem Druck des Anwalts hob sie das Geld ab und übergab es an ihrer Wohnungstür einem Unbekannten, teilt die Polizei mit.

Polizei gibt Tipps: Jeder kann Aufklärungsarbeit leisten

Die Ermittlung von solchen Betrügern sei äußerst schwierig, erklärt die Polizei. Um die Aufklärungsarbeit effektiv zu gestalten, solle sich jeder engagieren – und seine Verwandten und Familien vor solchen Maschen warnen.

Die Polizei rät außerdem zu folgenden Präventionstipps:

  • Misstrauisch sein, wenn Sie jemand am Telefon um Geld bittet! Legen Sie sofort auf. Rufen Sie bei Zweifeln, ob es sich um echte Polizeibeamte handelt, die 110 an und fragen Sie nach Ermittlungen bezüglich Ihrer Person oder Adresse. Erfragen Sie bei Mitgliedern Ihrer Familie, ob es sich bei dem Anrufer wirklich um Verwandte handelt.
  • Geben Sie am Telefon keine Auskünfte über Ihre finanziellen Verhältnisse. Gerade die Polizei wird sie am Telefon niemals danach fragen. Geben Sie auch keine Details zu ihren familiären Verhältnissen preis.
  • Übergeben Sie Ihr Geld niemals an unbekannte Personen!
  • Überlegen Sie, in welchem Umfang Sie noch im Telefonbuch vertreten sein müssen. Betrüger begeben sich noch immer gerne über das Telefonbuch auf die Suche nach potenziellen Opfern.
  • Wenden Sie sich auf jeden Fall an die Polizei unter der 110, wenn Sie einen verdächtigen Anruf erhalten haben – egal, ob Sie den Betrug erkannt und aufgelegt haben oder schlimmstenfalls sogar Opfer geworden sind.


Auf der Webseite der Polizei Dortmund gibt es weitere Informationen zu dem Thema und auch eine Videokampagne.

Über die Autorin
Freie Mitarbeiterin
1999 in Dortmund geboren und aufgewachsen. Seit 2017 Medienwissenschafts- und Sowi-Studentin an der RUB. Nach zwei Jahren im Fernsehjournalismus, 2020 auch bei den Ruhr Nachrichten. Im Regionaljournalismus möchte ich über Geschehnisse und Menschen aus unmittelbarer Nähe berichten, so wie über das was sie und uns bewegt.
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Sophie Conrad