Erbpächter wollen Gunst der Stunde für sich nutzen

Stadt lässt sich Zeit

Es ist ein Zeitpunkt, der günstiger kaum sein könnte: Niedrige Zinsen und günstige Kredite bringen im Moment viele Pächter auf den Plan, ihre Grundstücke zu kaufen. Insgesamt 34 Anfragen seien bei der Stadt eingegangen. Doch die lässt sich Zeit mit der Beantwortung - zu viel, wie ein Hausbesitzer findet.

Dortmund

10.09.2016, 11:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zinsen im Keller, Kredite günstig wie nie: Da ist ein Erbpacht-Vertrag deutlich weniger attraktiv als früher. Das bekommt auch die Stadt zu spüren. Viele Pächter wollen die Gunst der Stunde nutzen, und ihre Grundstücke kaufen. Doch die Verwaltung lässt sich Zeit.

„Das ist sehr ärgerlich“, sagt ein Hausbesitzer aus dem Dortmunder Westen. Aus persönlichen Gründen will er seinen Namen nicht nennen. Seit Mitte Januar bemüht er sich, die Kaufoption, die die Stadt ihm vertraglich einräumte, zu nutzen.

Aufwendiges Verfahren

Auf seine Anfrage erhielt er Ende Januar Antwort vom Liegenschaftsamt. In dem Schreiben hieß es: Aktuell erhalte die Stadt vermehrt Anfragen für Grundstücke, die im Erbbaurecht vergeben sind. Sie müsse nun jeden Einzelfall in einem aufwendigen Verfahren prüfen. Beim Verkauf spiele neben der möglichen Einnahme auch die wirtschaftliche Gesamtbewertung für die Stadt Dortmund eine Rolle. Die Verwaltung bereite aber eine „grundsätzliche interne Entscheidung“ vor.

Frist gesetzt

Damit fand sich der Hausbesitzer zunächst ab. Als sich aber im April immer noch nichts getan hatte, hakte er nach und bat um eine zeitnahe Prüfung seiner Anfrage. Die erfolgte nicht. Mitte Mai stellte er der Stadt schließlich eine Frist. „Ich hatte den Verdacht, dass die deshalb so lange mit einem Verkaufsangebot warten, um mich letztendlich zu übervorteilen“, berichtet er.

Im Antwortschreiben bat die Stadt Anfang Juni erneut um Geduld. Inzwischen sei ein Vorgehensvorschlag für Verkäufe von Erbbaurechtsgrundstücken erarbeitet worden, der nun mit der Kämmerei abgestimmt würde. Der Hausbesitzer wartete erneut geduldig. Dann meldete er sich bei dieser Zeitung und schilderte seinen Fall. „Ich bin sicher, meinen Ärger teilen inzwischen viele Pächter“, so der Hausbesitzer.

Frühester Zeitpunkt

Auf Anfrage teilte die Stadt mit, dass es insgesamt 34 Kaufinteressenten gebe. „Der von der Verwaltung ausgearbeitete Vorgehensvorschlag soll möglicherweise noch im September dem Rat vorgelegt werden“, sagte Stadtsprecher Michael Meinders auf Anfrage. „Das ist aber der früheste Zeitpunkt“, schränkt er ein. Den langen Vorlauf erklärt er so: Ein Problem sei gewesen, dass die Verträge der Pächter mit der Stadt unterschiedlich sind. Außerdem sei eine Marktanalyse nötig gewesen, um zeitgemäße Grundstückspreise zu ermitteln.

„Dass wir vor einem Grundstücksverkauf genau hinschauen, kann uns niemand verübeln“, so Meinders. Denn die Stadt wolle ihre Grundstücke natürlich nicht verscherbeln.

Der Hausbesitzer aus dem Westen sieht sich trotzdem über die Gebühr ausgebremst. „Wenn die Stadt jetzt nicht zeitnah reagiert, übergebe ich den Fall meinem Anwalt“, kündigt er an.

Kosten sinken
Niedrige Zinsen machen den Kauf von Erbpacht-Grundstücken attraktiv: Denn während die Pacht immer wieder dem Wert des Grundstücks angepasst wird und steigt, bleiben die Kosten für einen zurzeit ohnehin günstigen Kredit konstant. Die monatlichen Kosten sinken somit für den Käufer.

 

 

 

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