Ermittlungen gegen Ex-Polizist eingestellt - Neonazis forderten Todesstrafe

rnVorwurf des Kindesmissbrauchs

Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen einen Ex-Polizisten eingestellt. Ihm war vorgeworfen worden, ein Kind sexuell missbraucht zu haben. Neonazis hatten die Todesstrafe gefordert.

Dortmund

, 17.07.2019, 12:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am Montag (15. Juli) ist für einen Dortmunder Ex-Polizisten eine Zeit zu Ende gegangen, die wohl im höchsten Maße belastend gewesen sein muss. Im März war ihm vorgeworfen worden, er habe das Kind einer Nachbarsfamilie sexuell missbraucht. Rechtsextreme hatten bei einer Demonstration in der Nähe des Hauses des pensionierten Kriminalbeamten die Todesstrafe für Kinderschänder gefordert – obwohl die Todesstrafe in Deutschland abgeschafft ist. Nun bestätigt die Staatsanwaltschaft Dortmund Informationen dieser Redaktion, denen zufolge die Ermittlungen gegen den Mann eingestellt worden sind.

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Es gebe nach der kriminaltechnischen Untersuchung „keine Anhaltspunkte für Körperkontakt“ zwischen dem Ex-Polizisten und dem Mädchen, so Staatsanwalt Henner Kruse. Von Spuren eines Missbrauchs oder gar einer Vergewaltigung ganz zu schweigen.

Aussagen zweifelhaft

Ermittlungen beim Verdacht auf eine schwere Sexualstraftat sind sehr umfangreich und dauern häufig lange an. In diesem Fall haben nicht nur die im Labor untersuchten Spuren eine Rolle gespielt, auch die Aussagen des Mädchens waren wichtig. Sie sind von einer Psychologin auf ihre Glaubwürdigkeit geprüft worden.

„Das Gutachten kommt zu dem Schluss, dass keine Aussage des Mädchens auch nur ansatzweise die Anforderungen an Detailliertheit, innere Stimmigkeit und Konstanz erfüllt“, so Staatsanwalt Henner Kruse auf Nachfrage. Man könne zudem nicht ausschließen, dass die Aussagen des Mädchens durch Suggestion von außen beeinflusst worden sind.

Entsprechend dieser Erkenntnisse seien die Ermittlungen gemäß § 170 der Strafprozessordnung mangels Tatverdacht eingestellt worden.

„Spießrutenlauf“

Noch vor rund einer Woche wurden in Dorstfeld Flyer der neonazistischen Kleinstpartie „Die Rechte“ verteilt, die den damals Beschuldigten fälschlich als „Kinderschänder“ anprangern. „Mein Mandant macht seit Monaten diesen Spießrutenlauf mit“, so der Anwalt des Ex-Polizisten, Andreas Müller.

Man überlege prüfen zu lassen, ob die Äußerungen auf dem Flugblatt strafrechtlich relevant sind, so Rechtsanwalt Andreas Müller. In Betracht käme zum Beispiel Verleumdung.

Die Nebenkläger können bei der Generalstaatsanwaltschaft Hamm Beschwerde gegen die Einstellung der Ermittlungen einreichen. Der Anwalt der Nebenklage konnte sich auf Nachfrage wegen des Anwaltsgeheimnises jedoch nicht äußern.

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