Eine Moschusschildkröte im Dortmunder Tierheim. © Gaby Kolle
Dortmunder Tierschutzzentrum

Exoten im Tierheim: Wenn die Schildkröte so groß wird wie ein Klodeckel

Manche halten exotische Wildtiere als Haustiere und werden ihrer irgendwann überdrüssig. Auffangstation ist dann oft das Dortmunder Tierheim, das sich für Exoten entsprechend gewappnet hat.

Bis zu 600 Tiere nimmt das Dortmunder Tierschutzzentrum in Dorstfeld im Jahr auf, vor allem Hunde, Katzen, Vögel und Kleintiere wie Meerschweinchen und Kaninchen. Doch seit ein paar Jahren muss das Tierheim vor allem einer Sorte von Tieren zunehmend Obdach gewähren: Exoten wie Reptilien und Spinnen.

Zurzeit hat das Tierheim neben verschiedenen Wasser- und Landschildkröten einen giftgrünen Taggecko zu versorgen, der in einem großen Terrarium an der Scheibe klebt.

Doch auch Skorpione, Vogelspinnen und Schlangen ziehen dort immer mal wieder ein. Auch ein Chamäleon, ein Leguan und ein Steppenwaran waren schon dabei. Meist seien es Tiere aus Sicherstellungen, etwa weil die nötigen Papiere fehlten, berichtet Tierheimleiter Dirk Rojahn: „Es gibt genug, was da draußen unterwegs ist in den Wohnungen.“

Vogelspinnen und Skorpione sind sehr beliebt

Der Grund für die Exoten-Schwemme ist der immer noch einfache, wenn auch inzwischen eingeschränkte Zugang zu diesen Tieren vor allem im Internet, aber auch auf Tierbörsen und im Zoofachhandel. Interessenten können diese Tiere ohne Vorkenntnisse kaufen.

„Vogelspinnen und Skorpione sind sehr beliebt“, sagt Rojahn, dafür finde das Tierheim auch immer wieder geeignete Abnehmer. Einige Menschen besorgten sich aber gern auch mal Giftschlangen wie eine Kobra oder Schwarze Mamba. Rojahn: „Dafür haben wir die Zoos.“

Wenn solche gefährlichen Giftschlangen im Tierheim abgegeben würden, dürfen sie Heim- oder Pensionstierpfleger gar nicht versorgen, sondern nur Zootierpfleger; denn die Pflege und Ernährung von Exoten ist äußerst kompliziert und erfordert ein fundiertes Wissen über die Besonderheiten der Tierart. Wie Rojahn selbst, der 23 Jahre im Zoo gearbeitet hat, ist jeder zweite Tierpfleger im Dortmunder Tierheim Zootierpfleger.

Neue Terrarien und Aquarien

Darüber hinaus hat das Tierheim vor einem Jahr auch die Unterbringungsmöglichkeiten für Exoten mithilfe von Spendengeldern verbessern können. Zwei Räume wurden bis zur Decke mit Terrarien und Aquarien für die schuppigen und gepanzerten Insassen ausgestattet.

Die Klimagestaltung der Exoten-Gehege ist sehr schwierig und nur mit hohem technischen Aufwand zu realisieren. „Die Tiere sind sehr wärmebedürftig. Und in den neuen Terrarien ist die Heizung schon eingebaut.“, so Rojahn. Die Aquarien lassen sich schneller befüllen und das Wasser leichter austauschen.

„Pflegetechnisch ist das ein großer Fortschritt für uns“, sagt Rojahn. In der Planungsphase hätten sich zwei Kollegen in Berlin in einem großen Tierheim sachkundig gemacht.

Trotzdem sollen auch die Exoten möglichst schnell in neue Hände kommen. Schildkröten werde man schnell wieder los, und auch eine harmlose Kornnatter dürfe man gegen eine Schutzgebühr von 25 Euro abgeben, erläutert der Tierheimleiter.

In Pflege, aber nicht im Eigentum

Andere Exoten allerdings darf das Heim nicht verkaufen. Die bleiben im Eigentum des Tierheims, aber gleichzeitig mit Papieren vom Umweltamt als Herkunftsnachweis zeitlebens in den Pflegestellen.

Schmuckschildkröten wie Rot- und Gelbwangenschildkröten seien zwar im legalen Handel nicht mehr zu bekommen, lebten aber noch in vielen Privathaushalten, weiß Rojahn. Und zurzeit auch im Dortmunder Tierheim. „Man hat sich eine Schildkröte als überschaubares Exemplar angeschafft. Doch die werden auch mal größer. Eine Rotwangenschildkröte wird ausgewachsen so groß wie ein Klodeckel“, sagt der Experte,

Das Tierheim wartet noch auf einen Weinkühlschrank – zum Überwintern der Schildkröten. In Säckchen und bei abgesenkter Temperatur sollen sie dort ihre artgerechte Winterruhe verbringen.

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
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Gaby Kolle

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