Experiment im Konzerthaus Dortmund: Konzertbesucher wussten nicht, wer was spielt

Konzert „Der Joker“

Ein besonderes Konzert bot das Konzerthaus Dortmund am Sonntag. Beim „Joker“-Konzert wusste vorher kein Besucher, was ihn erwartet. Ungewöhnlich waren nicht nur die Umstände des Abends.

Dortmund

, 28.10.2019, 15:35 Uhr / Lesedauer: 2 min
Experiment im Konzerthaus Dortmund: Konzertbesucher wussten nicht, wer was spielt

Antoine Tamestit (l.) und Masato Suzuki waren die Joker des Überraschungskonzerts im Konzerthaus Dortmund. © Petra Coddington

Stellen Sie sich vor, Sie möchten in ein Pop-Konzert gehen. Sie wissen, wo und wann das Konzert stattfindet. Sonst wissen Sie: nichts. Kennen nicht den Namen des Künstlers, nicht, welches Programm er spielt. Sie freuen sich auf Herbert Grönemeyer und plötzlich stehen die Kastelruther Spatzen auf der Bühne. Oder umgekehrt.

Das ist ein potenziell gruseliger Gedanke. Aber genauso einen Gedanken hat das Konzerthaus Dortmund am Sonntagabend (27.10.) in die Tat umgesetzt: Im „Joker“-Konzert wusste das Publikum vorher auch: nichts.

Intendant Raphael von Hoensbroech und sein Team hatten ganze Arbeit geleistet, dem Joker einen würdigen Rahmen zu geben. Die Programmhefte waren zugeklebt, verbunden mit dem Hinweis „Vorzeitiges Öffnen kann Ihr Konzerterlebnis beeinträchtigen“. Ein Vorhang machte den Blick auf die Bühne vor Beginn unmöglich.

700 Zuschauer kamen zum „Joker-Konzert“

Rund 700 Zuschauer waren im Saal. Man kann ziemlich sicher sein: Hätten die Zuschauer vorher gewusst, welches Programm sie erwartet, wären einige weniger ins Konzerthaus gekommen.

Denn die beiden Überraschungskünstler, der in Dortmund als ehemaliger „Junger Wilder“ des Konzerthauses sehr gut bekannte Bratschist Antoine Tamestit und Masato Suzuki am Cembalo, hatten dem nicht Barockmusik-gewohnten Dortmunder Publikum ein reines Johann-Sebastian-Bach-Programm mitgebracht.

Zwei Stunden kammermusikalischer Bach – das ist schon ein Brocken, für den ein oder anderen auch eine Zumutung.

Antoine Tamestits und Masato Suzukis Liebe zu Bachs Musik

Dafür, dass die Zumutung nicht zu groß wurde, sorgten die beiden Künstler, die Bach in tiefer Zuneigung verbunden scheinen. Die Freude, dem Publikum gemeinsam drei Sonaten darbringen zu können, klang aus jeder Note. Antoine Tamestit hatte schon vorher gar von seinem „höchsten Traum“ gesprochen.

Allerdings war es für das Cembalo nicht leicht, sich gegen die Bratsche durchzusetzen. In den Sonaten war Masato Suzuki schon in Reihe 8 im Parkett nicht immer gut zu hören. Auch deshalb war es eine gute Idee, beide je eine Suite solo spielen zu lassen.

Publikum des „Joker“-Konzerts war sehr konzentriert

Bemerkenswert war die hohe Konzentration im Publikum. Nur ganz wenige Huster störten die Musik. Raphael von Hoensbroechs Fazit jedenfalls fiel positiv aus. „Ein Abend nur mit Bach, und dann auch noch Bratsche und Cembalo ist sicherlich nicht für jeden etwas. Aber zu beobachten, wie diese Musik einen berührt und verändert, das haben meines Erachtens viele im Publikum gespürt.“

Und er ergänzte: „Wir werden in der nächsten Saison wieder ein Joker-Konzert planen, das wird dann aber etwas komplett anderes werden.“