Landschaftlich gibt es zwar viel Grün, ansonsten bleibt Eving aber eine Hochburg der SPD in Dortmund. © Hans Blossey
Bundestagswahl

Extrem-Werte und Wählerwanderung: Wo in Dortmund sind welche Hochburgen?

Die AfD bei 30 Prozent, die FDP bei 20, die CDU unter 6 – drei der extremen Werte der Bundestagswahl in Dortmund. Die Zahlen verraten auch, zwischen welchen Parteien es Wählerwanderungen gab.

In Dortmund ist die SPD weiterhin die stärkste politische Kraft – wenn auch auf deutlich schwächerem Niveau als in früheren Zeiten. Bei der Bundestagswahl schnitten die Sozialdemokraten stadtweit gut ab, konnten sich aber vor allem auf ihre Hochburgen verlassen.

Wichtigste Bastion bleibt dabei Eving, wo die SPD stadtbezirksweit bei den Zweitstimmen mit 41,1 Prozent deutlich über dem stadtweiten Durchschnitt von 34 Prozent liegt. In einem einzigen Wahllokal, einer Kita in Obereving, erreicht die SPD hier sogar eine absolute Mehrheit von 52,3 Prozent.

Schwächen in der Innenstadt

Am schlechtesten schneiden die Sozialdemokraten in der Innenstadt ab. In der Innenstadt-West, der Hochburg der Grünen, kommen sie nur auf 27,8 Prozent. Das niedrigste Ergebnis in einem Wahllokal erreicht die SPD in der Gesamtschule Gartenstadt mit 14,7 Prozent. Hier gibt es eine „bürgerliche Hochburg“, bei der die CDU 44 und die FDP 20 Prozent erreichen.

CDU verliert in Hochburgen

Bei der CDU sind die Ausschläge deutlich extremer. Sie schwankt bei den Stadtbezirks-Ergebnissen zwischen 10,1 Prozent in der Nordstadt und 22,4 Prozent in Hombruch.

Noch deutlicher fällt die Diskrepanz mit Blick auf die Wahllokale aus – mit Ergebnissen zwischen den schon genannten 44 Prozent in der Gartenstadt als Spitzenwert und Werten unter 6 Prozent etwa in der Petri-Grundschule in der westlichen Innenstadt oder dem Depot und der Lessing-Grundschule in der Nordstadt.

Was auffällt: Während die SPD in ihren Hochburgen zulegt, büßt die CDU in ihren Hochburgen besonders deutlich ein. Stadtweit haben die Christdemokraten bei den Zweitstimmen 5,9 Prozentpunkte verloren, in der Innenstadt-Ost und Hombruch sind es aber mehr als 7 Prozentpunkte – ähnlich wie in der grünen Bastion Innenstadt-West.

„Die Verluste der CDU fallen dort am größten aus, wo die Grünen am meisten gepunktet haben“, stellten die Stadtstatistiker in ihrer Wahlanalyse fest. Ihre erstmals ermittelte Wählerwanderung für Dortmund zeigt, dass die CDU rund 12.500 Stimmen an die Grünen verloren hat und immerhin noch 6700 an die SPD.

Zugewinne aus allen Lagern

Umgekehrt haben die Grünen aus allen Lagern Stimmen dazugewonnen. Die stärkste Zuwanderung gab es dabei außer von der CDU von den Linken mit 9600 Stimmen. 4200 Stimmen kamen aber auch aus dem Nichtwähler-Lager, 4000 von der FDP und 2500 von der SPD.

Die Grünen verzeichneten ebenfalls die stärksten Zugewinne in ihren Hochburgen in der Innenstadt, aber auch in den südlichen Stadtteilen. Eher ein grünes „Tal-Gebiet“ ist der Dortmunder Norden. Im Stadtbezirk Scharnhorst bleibt die Partei sogar unter 10 Prozent.

Das gilt auch für die FDP, die nur in den südlichen Stadtbezirken Hörde, Hombruch und Aplerbeck sowie in der Innenstadt-Ost zweistellige Ergebnisse erreicht. Allerdings hat sie hier auch die stärksten Einbußen zwischen 2,2 und 3 Prozentpunkten bei einem stadtweiten Minus von 1,5 Prozent bei den Zweitstimmen.

Mit einem Minus von 4,9 hat die Linke in Dortmund ihr Ergebnis im Vergleich zur Bundestagswahl mehr oder minder halbiert. Besonders stark fallen die Verluste dabei in den Innenstadt-Bezirken aus, wobei die Nordstadt mit 13,1 Prozent die Hochburg der Linken bleibt. Sonst liegt sie durchweg unter 10 Prozent, selbst in den als sozial benachteiligt geltenden Stadtbezirken Eving und Scharnhorst unter 4 Prozent.

Zweistellige Werte erreicht in Eving und Scharnhorst sowie in Mengede und Huckarde wiederum die AfD mit 12 Prozent in Scharnhorst in der Spitze. In einem Wahllokal in Bodelschwingh kommt die AfD sogar auf mehr als 30 Prozent. Stadtweit hat sie im Vergleich zu 2017 allerdings um 2,9 Prozent eingebüßt. Hier fielen die Verluste im nördlichen Stadtgebiet, also den Hochburgen, ebenfalls überdurchschnittlich aus.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich