Faktencheck zum Neujahrs-Tatort: Hat man unter Schock kalte Hände?

rnFernseh-Krimi

Der „Tatort“, ausgestrahlt am Neujahrsabend, war anders. Fast ohne Drehbuch und mit sieben Kommissaren, davon zwei aus Dortmund. Doch gibt es tatsächlich solche Superteams? Ein Faktencheck.

Dortmund

, 01.01.2020, 21:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Tatort, den die ARD am Neujahrsabend ausgestrahlt hat, war ein Experiment, ein in zwei Tagen abgedrehter Krimi ohne festes Drehbuch. Ohne das Profil der anderen Darsteller zu kennen, improvisierten die Akteure auf Basis ihres eigenen Rollenprofils.

Kurz zum Inhalt: Es geht um eine Mordserie an vier Kommissaren verschiedener Dienststellen in Nordrhein-Westfalen. Da eine heiße Spur fehlt, treffen sich sieben Kommissare, die zu den Mordopfern in Verbindung standen, und werden von zwei Coaches (gespielt von „Tatortreiniger“ Bjarne Mädel und dem Rostocker „Polizeiruf 110“-Star Charly Hübner) auf Teamarbeit eingeschworen. Sie sollen den Täter ermitteln.

Unter den Kommissaren sind auch die beiden Dortmunder Tatort-Ermittler Peter Faber (Jörg Hartmann) und Martina Bönisch (Anna Schudt) sowie Nadeshda Krusenstern (Friederike Kempter) aus Münster. Es sind Faber und Bönisch, die am Schluss nach quälender Teamfindung schließlich die Initiative ergreifen, als Nadeshda Krusenstern während der Teambildung ermordet wird. Es war der Kollege aus Paderborn.

Soweit zum Inhalt. Doch wie sieht es mit den Fakten aus?

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Stellt die Polizei tatsächlich bei großen Fällen solche Superteams auf?

Ja, das passiere regelmäßig, sagt Leonie Möllmann, Sprecherin des NRW-Innenministeriums. So hat das Landeskriminalamt im Februar 2019 in Krefeld mit personeller Unterstützung von der Polizei Kleve und Viersen eine Ermittlungskommission „California“ eingerichtet und so in sieben Monaten eine landesweite Diebstahlserie von Wohnmobilen geklärt. Einer von 23 Tatorten war auch Dortmund.

Um Informationen und Fachwissen zur Aufklärung zusammenzubringen, gebe es beim Landeskriminalamt zudem eine Task-Force, erläutert Leonie Möllmann, in der neben Kriminalbeamten auch der Zoll und die Finanzermittlung vertreten seien.

In Dortmund selbst allerdings, so Polizeisprecher Gunnar Wortmann, habe es solch einen Fall wie im Tatort noch nicht gegeben. Wenn eine Behörde Unterstützung nachfrage, dann weil personelle Ressourcen fehlten. Das habe nichts mit der Qualität der Arbeit zu tun.

Nutzt die Polizei Coachings von Externen aus der Freien Wirtschaft?

Nein, das sei bei Ermittlungen nicht üblich, sagt Leonie Möllmann. Das sei auch schwierig, weil das ein Austausch wäre. „Wir wollen aber unsere Informationen nicht zur Verfügung stellen.“ Damit keine Informationen nach außen dringen, werde das klassische Coaching polizeiintern gemacht. Aber es gebe externe Experten-Vorträge.

Das bestätigt auch Polizeisprecher Wortmann. Für Fortbildungsseminare würden auch Externe genutzt, wie etwa zur Täterermittlung durch Profiling.

Hat man unter Schock kalte Hände?

Im Tatort gibt Kommissar Sascha Ziesing (Friedrich Mücke) aus Paderborn vor, dass er nach dem Tod der Kollegin Krusenstern unter Schock stehe. Sein Kollege Mitschowski (Nicholas Ofczarek) erfasst zur Überprüfung der Aussage Ziesings Hände und bezweifelt das. Ziesing habe keine kalten Hände.

Dr. Udo Schniedermeier, Oberarzt in der Notaufnahme des Dortmunder Klinikums, sagt, kalte Hände seien typisch für Patienten mit Schock. Unter Schock sei die Blutzirkulation eingeschränkt. Deshalb würden die Extremitäten nicht mehr so gut durchblutet und die Hände kalt. Allerdings bedeute das nicht im Umkehrschluss, dass jeder mit kalten Händen unter Schock stehe.

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