Jeden ersten Sonntag im Monat lädt der U-Turm zum Familiensonntag. Auf fast allen Etagen gibt es dann zusätzliche Angebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Zum Start unserer Serie „Der Museums-Check“ wollen wir wissen, ob sich ein Besuch des Familiensonntags im U-Turm lohnt – und für wen.

Dortmund

, 15.06.2018, 13:29 Uhr / Lesedauer: 6 min

Wir waren mit drei Kindern (4, 11 und 14 Jahre) von 12 bis 16 Uhr im U. Unsere Route durchs U ergab sich spontan so: Kino im U – Videospiele im Treppenhaus – U2 – HMKV-Bastelraum – Videospiele im Treppenhaus – U6 – Moog – Kino im U.

Station 1: Kurzfilme im Kino im U

Das Kino im U liegt im Foyer im Erdgeschoss, gegenüber von den Toiletten und den Schließfächern, in denen wir unsere Taschen verstaut haben. Weil wir später noch in die Ausstellungen auf den Etagen 4 bis 6 gehen wollen und dort keine größeren Taschen erlaubt sind, schließen wir sie direkt ein.

Die Tür zum Kino steht offen. Drinnen laufen Kurzfilme. Nicht die glatte, computergenerierte, spielzeugverkaufsfördernde Shrek- oder Nemo-Optik, sondern schön schräge, kuriose, kleine Geschichten in handgemacht wirkender Trickfilm-Optik. Gesprochen wird in den Filmen nicht, jeder kann sie verstehen. Die Filme dauern jeweils nur einige Minuten, man kann also jederzeit rein und raus.

Familiensonntag im Dortmunder U-Turm - Mehr Spaß, als in einen Tag passt

Das Kino im U. © Oliver Schaper

Es sind keine reinen Kinderfilme, aber auch für Kinder gut geeignet. Das U empfiehlt sie ab 6 Jahren, aber auch die Vierjährige hat Spaß daran.

Nach etwa 30 Minuten wiederholen sich die Filme. Wir schauen etwa 20 Minuten lang gerne zu, dann wollen wir sehen, was es sonst noch gibt.

Zwischenstopp: Die Videospiele im Treppenhaus

Auf dem Weg in die U2 bleiben wir bei den Videospielen im Treppenhaus hängen. Im Schacht vom Erdgeschoss bis zur siebten Etage führen Rolltreppen zu den einzelnen Etagen.

Auf mehreren Stockwerken hängen dort Beamer, die auf die nach oben durchgehende Wand gegenüber gerichtet sind. Die Beamer gehören wie die Fliegenden Bilder auf der Dachkrone des U-Turms zur Gesamtinstallation von Adolf Winkelmann. Normalerweise zeigen sie kleine Filme von Menschen in Fenstern.

Familiensonntag im Dortmunder U-Turm - Mehr Spaß, als in einen Tag passt

Die Videospiele an der hohen Wand im Treppenhaus. © Stephan Schuetze

Bei den Familiensonntagen jedoch projizieren sie alte Videospiel-Klassiker wie Tetris, Donkey Kong und Spiderman an die Wand. Neben den Beamern baumeln die Super-Nintendo-Joypads, mit denen man die Spiele bedienen kann.

Schöne Idee! Die Erwachsenen fühlen sich 27 Jahre jünger, die Kinder finden es einfach so cool. Während wir schließlich weitergehen, hängt der Elfjährige noch ein paar Runden Super Mario Kart dran.

Station 2: Geld drucken auf der U2

Eigentlich wollten wir uns bei diesem Test auf das Familiensonntags-Angebot beschränken und die Ausstellungen außen vor lassen. Aber auf der U2 kann man mit Kindern schlecht durch den Schauraum gehen, ohne neugierig zu werden. Bei unserem Besuch läuft die Ausstellung „Kohle weg. Von wertvoll bis unbezahlbar“ – noch zu sehen bis 1. Juli.

Die Gelddruckmaschine in der Mitte des Raumes probieren wir alle aus: Ein Tisch mit ein paar Knöpfen, darüber ein Bildschirm, der einen Geldschein zeigt („1 Uro“) und eine Webcam. Wir halten das Gesicht in die Kamera, es erscheint in der Mitte des Geldscheins, so dass wir vorher sehen können, wie es aussieht, dann drücken wir auf den Knopf auf dem Tisch, das Foto wird gemacht, und der Drucker unter dem Tisch spuckt ein DINA4-Blatt voller draufgedruckter Geldscheine aus. Am Tisch daneben können wir sie ausschneiden und bemalen.

Familiensonntag im Dortmunder U-Turm - Mehr Spaß, als in einen Tag passt

So sehen die Uro-Geldscheine auf der U2 aus (Bild nachträglich verpixelt). © Tilman Abegg

Eigentlich sind die Geldscheine dafür gedacht, an einem fiktiven Verkaufsstand in der Ausstellung gegen andere Dinge eingetauscht zu werden. Aber sie sind auch ein schönes Andenken an den Besuch.

In einem Raum auf der U2 können Kinder sich schminken lassen. Die Vierjährige verschwindet und kommt mit Fuchsgesicht zurück.

Im Raum daneben kann man sich Fotokameras ausleihen. Damit sollen wir Kunstwerke und andere Dinge im U fotografieren, die uns besonders gefallen. Die Fotos können wir anschließend, mithilfe der Mitarbeiter, zu einem digitalen Ausstellungskatalog zusammenstellen, den wir kurz danach per E-Mail zugeschickt bekommen. Das Zusammenstellen würde etwa eine Dreiviertelstunde dauern, sagt die Mitarbeiterin. Obwohl das klingt, als würde es Spaß machen, lassen wir es sein – für so ein Projekt, auch für die Fotos, sollte man sich Zeit nehmen, und wir wollen heute möglichst viel ausprobieren.

Station 3: Geheimagentenequipment im HMKV

Mit der Rolltreppe fahren wir eine Etage höher. An der Wand auf der U3 laufen wieder andere Super-Nintendo-Spiele, die wir auch kurz ausprobieren müssen. Macht einfach Bock. Trotzdem sind nur ganz wenige der Konsolen besetzt, denn es ist ziemlich leer. Vielleicht zum Teil wegen der „Offenen Ateliers“, die an diesem Tag laufen und die für Kunstliebhaber eine seltene Gelegenheit sind, Künstler in ihren Ateliers zu besuchen.

Im Hartware-Medienkunstverein läuft die Ausstellung „Personen Institutionen Objekte Sachen“ vom Künstlerduo Korpys und Löffler, zu sehen bis 23. September. Darin geht es um Überwachungsmethoden des Staates.

Zum Familiensonntag gibt es eine passende Aktion: In einem hinteren Raum der Ausstellung, quasi im Hinterzimmer, bieten zwei Künstlerinnen an, mit ihnen eine eigene Agentenausrüstung zu basteln.

Im Angebot sind: Ein Agentenausweis, eine Brille mit verspiegelten Gläsern und eine kleine Pappkamera mit versteckter Spionagefunktion: Ins Innere wird ein kleiner Spiegel eingebaut, und wenn man sie vors Auge hält, sieht man, was links von einem ist, während es für die Umstehenden aussieht, als schaue man durch die Kamera nach vorn. Wer ist noch mal James Bond?

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Unsere selbstgemachten Agentenausweise. © Tilman Abegg

Wir wollen alle erst mal einen Ausweis. Zuerst fotografieren uns die Künstlerinnen. Zur Auswahl stehen unter anderem: Police Agent, Special Agent, Geheimagent. Wir tragen Geburtsort, -datum und Name ein und unterschreiben. Dann kleben wir unser Passfoto drauf und verzieren den Ausweis mit unserem Fingerabdruck, amtlich wirkenden Stempeln und Echtheits-Siegeln aus Glitzerfolie.


Zum Schluss wird der Ausweis laminiert, Band drum und fertig. Was für eine coole Sache! Macht total Spaß, wir haben die ganze Zeit ein Grinsen im Gesicht.

Die Brille und die Spionkamera würden wir auch gern noch ausprobieren. Doch die Zeit rennt, also tun wir es auch: rauf zur sechsten Etage.

Station 4: Kohlekunst auf der 6. Etage

Auf der 6. Etage des U-Turms läuft die große Ausstellung „Kunst und Kohle: Schichtwechsel“. Zu sehen sind Kunstwerke, die sich mit dem Bergbau auseinandersetzen. Zu sehen bis 12. August.

Auch hier gibt es ein Extra-Angebot zum Familiensonntag: Alte Bilder abpausen, schwarz-weiße Bilder fertigmalen und, das Beste, eigene Kohleanhänger basteln.

Als Abpausvorlage bekommt man eine Schwarz-Weiß-Kopie eines Bildes von zwei Bergleuten unter Tage. Dazu gibt es ein normales weißes Blatt und ein Blatt Kohlepapier. Auf das weiße Blatt legen wir das Kohlepapier, darüber die Vorlage. Mit Bleistift zeichnen wir die Vorlage nach.

Durch das Kohlepapier drückt sich die Nachzeichnung auf das weiße Blatt durch. Das kann man schnell oder sorgfältig machen, in jedem Fall kann man hinterher seine eigene Kohlezeichnung mitnehmen.

Familiensonntag im Dortmunder U-Turm - Mehr Spaß, als in einen Tag passt

Die Vorlage zum Abpausen. © Tilman Abegg

Die schwarz-weißen Malvorlagen sind unvollendete Zeichnungen in Schwarz auf weißem Papier, zum Beispiel Blumenmuster, also Motive, die man üblicherweise farbig kennt. In Schwarz-Weiß entwickeln sie einen besonderen Reiz, und es macht besonders der Vierjährigen Spaß, das Muster mit schwarzem Stift weiter zu malen.

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Das Ergebnis nach etwa 5 Minuten abpausen: unsere eigene Kohlezeichnung. © Tilman Abegg

Auf dem dritten Tisch liegen blankpolierte, kieselsteingroße Brocken aus echter Kohle, daneben verschiedenfarbige, dünne Drähte und Schnüre. Die Mitarbeiterin erklärt uns, wie man am besten den Draht um die Kohle wickelt – sieht schwierig aus, ist aber leichter als gedacht – und die überstehenden Enden des Drahtes zu einer kleinen Öse zwirbelt. Dadurch ziehen wir eine Schnur und fertig ist die aparte Halskette. Ein wirklich schönes Andenken.

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Einer der Kohleanhänger, die wir auf der sechsten Etage selbst gebastelt haben. © Tilman Abegg

Zwischenstation: Ein Imbiss im Moog

Inzwischen ist es kurz nach 15 Uhr, wir haben Hunger und Durst und morgens vergessen, etwas zu essen einzupacken. Wir setzen uns im Moog im Erdgeschoss auf die Strandterrasse und bestellen einen Imbiss, während die Kinder im Sand spielen. Auch hier ist es ziemlich leer, nur zwei weitere Gäste sitzen auf der Terrasse.

Endstation Kino im U

Nach dem Essen ist es 15.45 Uhr, wir haben bis 16 Uhr Zeit. Wir gehen noch mal kurz ins Kino im U und schauen uns die Kurzfilme an, die wir beim ersten Mal nicht gesehen haben. Ein schöner Abschluss.

Unser Besuch in Kürze

Was gibt es für Kinder?

Sehr viel, und darunter mehr als genug Angebote, die ihnen richtig Spaß machen. Unsere drei Kinder wären alle gern noch länger da geblieben.

Was gibt es für Erwachsene?

Wer auch als Erwachsener gerne bastelt, malt und ausprobiert, hat hier ebenfalls jede Menge Spaß. Weder die Kurzfilme noch die anderen Angebote sind nur für Kinder gedacht und sie sind so angelegt, dass man sie zusammen machen kann. Eltern müssen nicht daneben stehen und zuschauen, sondern können selbst alles mitmachen.

Was muss man wissen?

Wir hätten locker den ganzen Tag dort verbringen können, ohne uns zu langweilen, und auch dann hätten wir vieles nicht geschafft. Zum Beispiel gibt es auf den meisten Etagen Führungen, auch von Kindern. Ich hätte zum Beispiel sehr gern noch die Spionkamera gebastelt. Wir werden sicher noch öfter zum Familiensonntag gehen.

Hinweis für Familien mit kleinen Kindern: Obwohl das Angebot des Familiensonntags sehr kinderfreundlich ist, ist der U-Turm zum großen Teil ein Museum. Je nach Temperament der Kinder sollten Eltern sie in den Ausstellungsräumen im Auge behalten – die Spiel- und Bastelangebote sind zum Anfassen und Ausprobieren, die meisten Kunstwerke dagegen nicht.

Ist die Internetseite hilfreich?

Ein wenig. Dort findet man einen Überblick auf das Extra-Angebot des Familiensonntags, aber nur stichpunktartig.

Eintrittspreise:

Das gesamte Angebot des Familiensonntags ist kostenlos, auch der Eintritt ins U kostet an diesen Tagen nichts. Die Preise im Moog sind moderat. Man kann sich natürlich auch was mitbringen.

Öffnungszeiten:

Geöffnet ist das U sonntags von 11 bis 18 Uhr, die Angebote des Familiensonntags laufen von 12 bis 17 Uhr.

Anfahrt/Parkmöglichkeiten:

Das Parkhaus am U, Zufahrt an der Brinkhoffstraße 4, hat 517 Stellplätze und ist an allen Tagen von 6 bis 22 Uhr geöffnet. Die Preise sind deutlich günstiger als in den meisten anderen Innenstadt-Parkhäusern: bis 1 Stunde 2 Euro, bis 2 Stunden 4 Euro, Tageshöchstsatz 5 Euro. Verliert man die Parkkarte, kostet es 15 Euro.

Direkt vor dem U ist die Haltestelle Westentor der Linien U43 und U44.

Der U-Turm liegt 800 Meter vom Hauptbahnhof entfernt.

Wenn man Glück hat, findet man einen freien Parkplatz an der Rheinischen Straße.

Unser Fazit:

Der Familiensonntag im U hat ein Riesenangebot für die ganze Familie, und obendrein ist alles kostenlos. Es ist erstaunlich, dass das U bei unserem Besuch nicht viel besser besucht war – vermutlich hat sich noch nicht herumgesprochen, wie schön es dort ist. Vor allem für Regentage eine absolute Empfehlung!

Das sagt der Experte

Zum Angebot des Familiensonntags im Dortmunder U-Turm sagt der TU-Entwicklunsforscher und Professor Norbert Zmyj: „Das umfangreiche und vielfältige Angebot des Familiensonntags kommt Kindern jedes Alters entgegen. Wenn Vorschulkinder beispielsweise ein Fuchsgesicht aus Schminke bekommen, können sie beobachten, dass sich Menschen zwar äußerlich verändern, aber trotzdem ein und dieselbe Person bleiben – eine intellektuelle Fähigkeit, die genau in diesem Alter entsteht.

Kurzfilme und einfache Computerspiele sind tatsächlich bereits für manche Vorschulkinder interessant. Wenn die Kinder sich damit beschäftigen, sollte das allerdings nur in Anwesenheit der Eltern geschehen und zeitlich begrenzt sein. Die Eltern sollten außerdem mit ihren Kindern über das Erlebte sprechen, damit die Kleinen es besser einordnen können.“

So funktioniert der Museums-Check Jedes Kind ist anders, jede Familie ist anders. Wir glauben, dass es nicht das beste Museum gibt, das für alle Familien am schönsten ist. Daher besuchen wir die großen und kleinen Dortmunder Museen und zeigen, was sie jeweils bieten, was sie ausmacht. So können Sie beurteilen, ob das Angebot auch etwas für Sie und Ihre Familie ist – denn was Ihnen Spaß macht, wissen Sie selbst am besten.
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Professor Norbert Zmyj ist Entwicklungspsychologe an der Technischen Universität Dortmund. Für Familien, die Museen mit Kindern und Jugendlichen besuchen, hat er einige Hinweise parat.

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