Fan-Projekt kritisiert Polizeieinsatz gegen Ultras

Pfefferspray und Schlagstöcke

Scharfe Kritik äußert das Fan-Projekt Dortmund am Polizeieinsatz gegen Dortmunder Ultras am Samstag vor dem Bundesliga-Spiel gegen Werder Bremen. In einer Stellungnahme der pädagogisch orientierten Fan-Initiative ist von einem bisher beispiellosen Einsatz die Rede. Die Polizei verteidigt ihr Vorgehen.

DORTMUND

, 22.05.2017, 22:05 Uhr / Lesedauer: 2 min
Fan-Projekt kritisiert Polizeieinsatz gegen Ultras

Ein Bild vom Polizeieinsatz vor dem Bundesligaspiel des BVB gegen Werder Bremen, aufgenommen an der Hohen Straße.

Update Dienstag, 17.35 Uhr: Pfefferspray-Einsatz nur unter freiem Himmel

Die Dortmunder Polizei hat sich detaillierter zu den Vorwürfen geäußert, beim Einsatz gegen BVB-Fans am vergangenen Samstag an der Dudenstraße unverhältnismäßig vorgegangen zu sein. Das Fan-Projekt hatte unter anderem den Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken in einem „geschützten Raum“ und die Gefährdung von Frauen und Kindern beklagt.

„Wir haben sehr hohes Interesse daran, die geschilderten Vorfälle in der Dudenstraße nachzubereiten“, sagt Polizeisprecher Oliver Peiler. Allerdings folgen erst in den nächsten Tagen Gespräche mit den Beteiligten. „Den geschilderten Sachverhalt kennen wir bislang nur aus Presseveröffentlichungen“, sagt Peiler. Bisher habe sich noch kein Mitarbeiter des Fan-Projekts an die Polizei gewandt.

Peiler bestätigt den Einsatz von Pfefferspray. „Nach unserer jetzigen Erkenntnis jedoch unter freiem Himmel.“ Ergänzend zur Mitteilung von Samstag berichtet die Polizei von Flaschenwürfen auf Polizisten an der Dudenstraße. Der Kontakt mit den eingesetzten Beamten soll schnellstmöglich hergestellt werden. Jedoch: „Die eingesetzten geschlossenen Einheiten sind derzeit in einem Einsatz im Bundesgebiet eingebunden und können nicht zu den Vorfällen befragt werden“, so Peiler.

Ursprünglicher Artikel Montag, 22.05 Uhr: Junge Ultras seien massiv verfolgt worden

Thilo Danielsmeyer, Leiter der seit 1988 existierenden Initiative für die pädagogische Arbeit mit jungen BVB-Fans, spricht von einer Situation, „die es so noch nicht gegeben hat“. Dass der „geschützte Raum“ des Fan-Projekts zum Ort eines Polizeieinsatzes mit Pfefferspray und Schlagstöcken werde, sei bisher „unvorstellbar“ gewesen.

Am Samstagmittag vor dem Spiel BVB-Bremen gab es eine Konfrontation zwischen Polizei und Ultra auf Höhe der Weißenburger Straße. Auslöser war das Zünden von Pyrotechnik durch Mitglieder der Ultra-Gruppierung „The Unity“. In der Folge flüchtete ein Teil der Gruppe über den Wallring. Vor und in den Räumlichkeiten des Fan-Projekts an der Dudenstraße setzte sich der Einsatz fort.

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In der Sonntag über soziale Medien verbreiteten Stellungnahme stellt das Fan-Projekt die Situation so dar: „Ab 11 Uhr waren, wie vor jedem Heimspiel des BVB, unsere Räumlichkeiten für Fans geöffnet. Gegen 13.30 Uhr konnten wir eine Ansammlung von ca. 70 weiteren jungen Ultras in der Dudenstraße beobachten, die offensichtlich bei uns Zuflucht suchten und von der Polizei massiv verfolgt wurden.“ Diese Zuflucht-Situation gab es laut Thilo Danielsmeyer erstmals.

In der Folge hätten „einige Polizeibeamte vehement Pfefferspray und Schlagstöcke eingesetzt und machten auch nicht Halt vor den anwesenden Pädagogen des Fan-Projekts“. Dabei seien innerhalb der Räume auch andere unbeteiligte Fans, darunter Frauen und Kinder, gefährdet worden. Zudem seien Mitarbeiter des Fan-Projekts daran gehindert worden, zu vermitteln. „Erst durch das Auftreten der szenekundigen Beamten und eines Rechtsanwalts war es den Mitarbeitern des Fan-Projekts möglich, aktiv am Dialog teilzunehmen.“

Strafanzeigen und "konsequentes Vorgehen gegen Straftäter"

Die Polizei hat Strafverfahren wegen Landfriedensbruchs, Widerstands und Beleidigung eingeleitet. „Diese Strafverfahren stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem polizeilichen Einsatz an der Dudenstraße“, schreibt die Polizei bei Twitter in einer Stellungnahme zu den Vorwürfen am Montag.  „Wir sind dort konsequent gegen Straftäter eingeschritten. Alle weiteren Details sind jetzt Bestandteil der Ermittlungen.“  Vier Personen waren am Samstag festgenommen worden.

Die Polizei Dortmund ist konsequent gegen Straftäter eingeschritten! Stellungnahme bzgl. des Fan-Projektes Dortmund https://t.co/ogizWlEqOspic.twitter.com/Gx0sFREUVP

— Polizei NRW DO (@polizei_nrw_do)

 

Das Fan-Projekt betont, dass es nicht darum gehe, Straftaten zu verharmlosen. Aber in dem laut Danielsmeyer „zerrütteten Verhältnis“ zwischen Teilen der Fanszene und der Polizei habe der Vorfall eine neue Qualität.  „Die Spirale dreht sich leider weiter. Am Ende bleiben nur Verlierer.“

Mehrere Ultra-Gruppierungen hatten den Besuch des Bundesliga-Spiels aus "Solidarität" mit den Festgenommenen verweigert. 

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