Festival-Chefin findet Dortmund dynamischer als Berlin

Aenne Quinones im Interview

Zum zweiten Mal leitet die Berlinerin Aenne Quinones "Favoriten", das Festival der freien Theaterszene NRW. Ab Samstag (24. 11.) bis 1. Dezember spielen Ensembles aus ganz NRW im Dietrich-Keuning-Haus und an anderen Orten in der Stadt. Wir trafen die 50-jährige Dramaturgin zum Interview in der Berswortdthalle.

DORTMUND

von Von Tilman Abegg

, 16.11.2012, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Festival-Chefin findet  Dortmund dynamischer als Berlin

Aenne Quinones, Leiterin des Theaterfestivals »Favoriten«, im Fahrstuhl im Stadthaus auf dem Weg in die 4. Etage zu einer Besprechung mit dem Kulturbüro.

Zum Beispiel der Phoenix-See, der da so plötzlich entsteht. Solche Veränderungen schaffen Freiräume, die man nutzen kann. Oder diese merkwürdige Situation in der Nordstadt, die sehr vital ist, wo aber auch die Probleme offen zutage treten wie diese Verbindung des Straßenstrichs nach Plovdiv. Das Keuning-Haus bildet für mich diese Dynamik sehr gut ab, weil da so viel passiert und so viele verschiedene Leute dieses Haus nutzen.

Es ist eine total vielgestaltige Stadt. Es gibt hier schon so einiges, das wird oft unterschätzt. Zum Beispiel der tolle Fernsehturm im Westfalenpark. Aber auch das große Engagement der Kollegen im Keuning-Haus, die ihre Räume öffnen für so unterschiedliche Projekte. Wie etwa unsere Eröffnungsveranstaltung mit dem Choreografen Richard Segal, der mit Gruppen aus Dortmund zusammen eine große Party-Choreografie entwickelt. Es ist mir auch wichtig, dass wir solche Dinge den Dortmundern nicht einfach überstülpen, sondern auch mit ihnen zusammen entwickeln.

Es ist nunmal der Auftrag unseres Festivals, die besten Gruppen aus NRW zu finden.

Muss man leider sagen, ja. Es gibt hier auch keine so starke freie Theaterszene. Es gibt hier eher Musikleute oder Medienleute. Muss ja auch nicht in jeder Stadt gleich stark sein. Daher finde ich es schön, dass die besten aus NRW auch mal in Dortmund zusammenkommen.

Man muss, um erfolgreich zu sein, mindestens national eine Aufmerksamkeit herstellen für die eigene Arbeit und sich gut vernetzen, um koproduzieren zu können. Es gibt in der Gegend ja starke Produzenten wie den Mülheimer Ringlokschuppen, das Düsseldorfer FFT, das Pumpenhaus Münster oder Pact Zollverein in Essen, die das praktizieren. Das ist eine Voraussetzung, um überhaupt die Projekte herstellen zu können, indem man von den einzelnen Partnern Gelder sammelt.

Ja, die sind vielleicht lokal spannend, aber überregional nicht so sehr von Interesse.

Klingt jetzt doof, aber: zeitgenössisch. Damit meine ich, dass es etwas mit einem selbst und den Menschen dieser Zeit zu tun hat. Humorvoll finde ich auch immer gut. Und intelligent, zum Beispiel wenn ein Stück versucht, die Überzeugungen der Gesellschaft in Frage zu stellen. Und einfach nicht so typisch bildungsbürgerlich, wie es leider in vielen Stadttheatern passiert.

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