Feuer in Dusch-Abfluss verursacht: 60-Jähriger kommt aus Psychiatrie frei

Landgericht

In einer Dortmunder Bethel-Einrichtung kommt es zu einem Schwelbrand. Einer der Bewohner sollte dafür in die Psychiatrie eingewiesen werden. Doch die Richter haben „Nein“ gesagt.

Dortmund

, 05.08.2020, 18:13 Uhr / Lesedauer: 1 min
Das letzte Mal in Handschellen: Der Beschuldigte neben Wachtmeistern

Das letzte Mal in Handschellen: Der Beschuldigte neben Wachtmeistern © Jörn Hartwich

Es war wohl einer der ungewöhnlichsten Brandorte, über die am Dortmunder Landgericht je verhandelt wurde: Im Dezember 2019 war in einer Dortmunder Bethel-Wohneinrichtung ausgerechnet im Abfluss einer Dusche ein Schwelbrand ausgebrochen.

Der mutmaßliche Verursacher: ein 60-jähriger, psychisch kranker Bewohner. Seit Mittwoch ist er trotzdem wieder ein freier Mann.

Die Staatsanwaltschaft hatte eigentlich die unbefristete Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie beantragt. Sie hält den Mann für unberechenbar und gefährlich. Doch soweit wollten die Richter nicht gehen. Sie lehnten den Antrag ab und entließen den 60-Jährigen mit sofortiger Wirkung aus der Psychiatrie, in der er vorläufig untergebracht war.

Vorsätzliche Brandstiftung halten Richter für zweifelhaft

Das wahrscheinlichste Szenario ist, dass der Beschuldigte am Brandtag heimlich in seinem Zimmer geraucht hat und die „Kippe“ anschließend im Abfluss der Dusche entsorgen wollte. Dort hatte sie jedoch das Kunststoff-Rohr entzündet. Eine vorsätzliche Brandstiftung halten die Richter für zweifelhaft. Anhaltspunkte für weitere schwere Straftaten gebe es nicht.

Eine klassische Bestrafung kam nicht in Frage. Der 60-Jährige, der schon rund zwei Drittel seines Lebens in betreuten oder geschlossenen Einrichtungen verbracht hat, gilt aufgrund seiner Erkrankung als schuldunfähig.

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