Nur noch Geschichte: Der Vorstand der „Initiative Dortmund“ bei der Gründung im Jahr 2015. (v.l.) Der geschäftsführende und beratende Vorstand der „Initiative Dortmund“ (v.l.): Prof. Dr. Lutz Aderhold, Stefan Windgätter, Gerhard Drauschke, Christian Punge, Michael Freundlieb, René Scheer, Katharina Metzger, Thomas Westphal, Klaus Wegener, Dr. Ansgar Fendel, Dr. Laura Faltz und Olaf © WDD (A)
Dortmunder Stadt-Image

Finanzamt stoppt Dortmunder Initiative für ein besseres Stadt-Image

Erst wollten Dortmunder Unternehmer der Stadtspitze mal zeigen, wie man Dortmunds Image verbessert, dann ging man einträchtig „Hand in Hand“ – und am Ende das Finanzamt dazwischen.

Die Namen der Gründungsmitglieder lesen sich wie das „Who is Who“ der mittelständischen Wirtschaft in Dortmund. Im März 2015 waren 44 Unternehmenslenker sowie Vertreter und Vertreterinnen der lokalen Ökonomie im Westfälischen Industrieklub angetreten, um den gemeinnützigen Verein „Initiative Dortmund“ aus der Taufe zu heben.

Er sollte mit einem Werbefeldzug alte Klischees abbauen, öffentliche Zerrbilder von Dortmund korrigieren und hörbar über die zukunftsorientierte Mittelstandsstadt Dortmund reden.

Vorsitzender der Initiative war und ist noch immer René Scheer (damals Unternehmensverband Östliches Ruhrgebiet e.V.), sein Stellvertreter wurde Dr. Ansgar Fendel (Remondis Assets & Services).

Die Initiative war zunächst eine Gegenveranstaltung zur städtischen Imagekampagne „Dortmund überrascht…“, die zwei Monate zuvor vorgestellt worden war und in der Privatwirtschaft wenig Anklang fand. Die war immer wieder in Sorge um das Image des Wirtschaftsstandortes Dortmund.

Aus Konkurrenz wurde Ergänzung

Überrascht war allerdings der damalige Oberbürgermeister Ullrich Sierau, dass sein Wirtschaftsförderer und späterer Nachfolger Thomas Westphal als beratendes Mitglied im Vorstand des neuen Vereins saß.

Flugs wurde die Konkurrenzsituation bereinigt. Man sprach von „Ergänzung“, Sierau und Scheer unterzeichneten eine Erklärung, künftig gemeinsam „an der Verbesserung der Außensicht auf die Stadt zu arbeiten“.

Der Verein sammelte Geldspenden in der Privatwirtschaft ein – insgesamt mehrere hunderttausend Euro –, gab zwei Umfragen in Auftrag und die Standort-Kampagne „Darum Dortmund“ mit vier pfiffigen Plakatmotiven. Dortmunder werden sich unter anderem an das Plakat mit der Frau mit den grünen Haaren erinnern und der Überschrift „Eine von 280 Grünflächen in Dortmund“.

Auflösung zum 1. Juli 2022

Das ist jetzt Geschichte. Westphal ist seit seiner Wahl zum Oberbürgermeister im September 2020 nicht mehr dabei. Kurz vor Weihnachten letzten Jahres hat die Mitgliederversammlung des Vereins beschlossen, die Initiative nach nur einem Drittel des gemeinsamen Weges zum 1. Juli 2022 aufzulösen. Nicht etwa wegen Erfolglosigkeit, betont René Scheer auf Anfrage dieser Redaktion. Aber die Ziele der Kampagne seien nicht mit der Gemeinnützigkeit des Vereins vereinbar gewesen.

So sollten Dortmunder Unternehmen die Möglichkeit erhalten, im Rahmen einer Plakataktion ihr Unternehmensmarketing über Firmenmotive mit der Kampagne zu vernetzen. Nur: Aktivitäten, die für den Wirtschaftsstandort werben, sind nicht mit Gemeinnützigkeit zu verbinden.

Viele Dortmunder werden sich noch an dieses pfiffige Plakat erinnern. Es gehört zur Imagekampagne, die die „Initiative Dortmund“ aufgelegt hat.
Viele Dortmunder werden sich noch an dieses pfiffige Plakat erinnern. Es gehört zur Imagekampagne, die die „Initiative Dortmund“ aufgelegt hat. © Initiative Dortmund (A)

Erst die erste von insgesamt drei Phasen der modular aufgebauten Imagekampagne – die Stärkung des Selbstbewusstseins Dortmunds nach innen – war umgesetzt, als das Finanzamt Dortmund-Ost im Jahr 2019 mit seiner Gemeinnützigkeitsprüfung in die Pläne grätschte. Diese sahen zur nachhaltigen Attraktivitätssteigerung des Wirtschaftsstandortes unter anderem Plakate und Dortmund-Stammtische in anderen Städten sowie Dortmund-Sprechtage in europäischen und internationalen Metropolen und ein Botschaftersystem vor.

„Das Finanzamt hat nur seine Pflicht getan.“

Doch mit den finanzamtlichen Fesseln musste sich die Initiative auf ihre Satzungsziele beschränken wie Heimatpflege und -kunde sowie die Förderung von Wissenschaft und Forschung. „Das Finanzamt hat nur seine Pflicht getan“, unterstreicht Scheer, „wir haben am Anfang wohl zu klein gedacht in der Sorge, die Kampagne nicht ohne Spenden finanziert zu bekommen.“

Gescheitert sieht Scheer die Initiative aber nicht. Vieles sei schon erreicht, wie die Website „Darum Dortmund“ mit Reportagen und Gewinnspielen sowie das Social-Media-Konzept, mit dem die Kampagne ihren Widerhall auf Facebook (über 10.000 Follower) und Instagram finde. Viele Leute seien bei Aktionen und Veranstaltungen miteinander ins Gespräch gekommen. Bei der Etablierung der Marke Dortmund habe man eine „institutionelle Verbindung“ zwischen Wirtschaft und Stadt geschaffen, bilanziert der Vereinsvorsitzende.

Noch hat aber die Initiative eine erkleckliche Spendensumme auf dem Konto. Offen ist die Frage, wo das Geld hingeht. Muss der Verein es zurückzahlen, als Gewerbebetrieb versteuern oder kann er sie als Spende weiterreichen? Das gilt es mit dem Finanzamt zu klären. Möglicherweise kann eine Dortmunder Stiftung davon profitieren.

Neuanfang in anderer rechtlicher Konstellation?

Mit dem von der Finanzverwaltung vorgegebenen Betätigungsrahmen könne die Initiative keine zusätzlichen Impulse mehr setzen, so Scheer, doch er hoffe, „dass vieles von dem, was wir gemeinsam angestoßen haben, seinen Nachhall hat“.

Einige der Akteure, die die „Initiative Dortmund“ jetzt einstimmig zu Grabe getragen haben, setzen auf einen Neuanfang, um das ursprüngliche Ziel, Dortmund als Standort bundesweit positiver zu vermarkten, doch noch zu erreichen.

Es sei der Stadt mit der Wirtschaftsförderung und der Wirtschaft mit den Unternehmensverbänden und den Familienunternehmen, aber auch in Kooperation mit Kultur und Sport unbenommen, so Scheer, das Erreichte in anderer rechtlicher Konstellation fortzusetzen.

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
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Gaby Kolle

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