Warnung vor Firmenauskunft24: Handwerker aus Dortmund soll nach Telefonat 2000 Euro zahlen

rnInternet-Betrug

Ibrahim Saliju wartet auf ein Angebot des Handwerkerportals MyHammer. Und stellt dann fest: Er ist auf eine Betrugsmasche hereingefallen. Der Dortmunder ist nicht das einzige Opfer.

Huckarde

, 12.11.2019, 16:07 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit gut einem Jahr ist Ibrahim Saliju selbstständig. Der Dortmunder ist Raumausstatter, bietet Parkett- und Bodenlegearbeiten an. Im Mai hat er sich beim Handwerkerportal MyHammer registriert.

„Menschen können dort schreiben, für welche Arbeiten sie einen Handwerker brauchen“, erklärt Saliju, der in Huckarde wohnt. „Der kann ein Angebot schreiben – und die Leute entscheiden, wen sie engagieren.“

Zwar zahlt Ibrahim Saliju für jedes geschriebene Angebot bis zu 80 Euro an MyHammer, dennoch habe er über das Portal schon einige Jobs bekommen. Die Zusammenarbeit lohne sich. Im September erhielt er selbst dann ein unschlagbares Angebot.

Ibrahim Saliju wir am Telefon terrorisiert

Er sei mehrfach von ihm unbekannten Telefonnummern kontaktiert worden. „Irgendjemand wollte mir ein Abo-Angebot für ein Firmenverzeichnis machen.“

Saliju habe abgelehnt, weil er mit MyHammer zufrieden sei. Ein Anrufer habe sich dann jedoch als MyHammer-Mitarbeiter ausgegeben, so der Handwerker. Das Angebot: drei Jahre Mitgliedschaft für 2000 Euro.

„Das war für uns wie ein Lottogewinn“, sagt Ehefrau Almira Saliju. Schließlich koste das Portal das Paar sonst für nur ein Jahr knapp das Doppelte. Ibrahim Saliju stimmte zu, dass MyHammer ihm das Angebot schriftlich zukommen lässt.

Anstelle eines Angebotes kommt eine Rechnung von Firmenauskunft24

Erst einmal hörten die Salijus nichts mehr davon. „Ich habe bei MyHammer angerufen“, sagt Almira Saliju. „Aber dort wusste niemand etwas.“

Ende September dann der Schock: Ibrahim Saliju erhält eine Rechnung über 1782,62 Euro – und das nicht von MyHammer, sondern von Firmenauskunft24. Die sollte er zahlen, damit das Portal für den Handwerker wirbt. „Aber wir kennen Firmenauskunft24 überhaupt nicht – und ich möchte da auch nicht erscheinen“, sagt Ibrahim Saliju.

Das Ehepaar kontaktierte das Unternehmen mehrfach, denn Rückruf-Versprechen seien nie eingehalten worden. Ibrahim Saliju habe einem Eintrag in das Online-Firmenverzeichnis zugestimmt, so das Unternehmen. „Aber ich habe nur zugestimmt, dass ich das Angebot per Post bekomme“, ist sich Saliju sicher.

Firmenauskunft24 lässt nicht locker

Wenig später kam erneut ein Schreiben von Firmenauskunft24. Bis zum 18. Oktober sollte die geforderte Summe gezahlt werden. Die Salijus schalteten daraufhin einen Rechtsanwalt ein.

„Der hat als erstes ‚Firmenauskunft24‘ gegoogelt“, sagt Almira Saliju. Fast alle Ergebnisse auf den ersten Suchseiten warnen vor dem Online-Firmenverzeichnis oder geben Tipps, wie Betroffene rechtlich dagegen vorgehen können.

Der Anwalt rät, den Betrug anzuzeigen. „Das haben wir sofort gemacht.“ Trotzdem kam in der letzten Oktoberwoche erneut Post: eine Mahnung von einem Inkasso-Unternehmen – im Auftrag von Firmenauskunft24. Diesmal sollen die Salijus 2005,26 Euro zahlen.

„Wir hatten noch nie Schulden“

„Wir hatten noch nie Schulden“, sagt Almira Saliju. Das Ehepaar ist verzweifelt. Doch ihr Fall ist kein Einzelfall. Der MyHammer-Justiziar Matthias Niebuhr kennt eine Vielzahl ähnlicher Fälle.

„Firmenauskunft24 war mir bislang nicht bekannt. Derartige ‚Adressbuchfallen‘ sind allerdings ein verbreitetes Problem“, sagt Niebuhr. „Unseriöse Anbieter nutzen Täuschungen, um wertlose, überteuerte Einträge in Verzeichnissen zu verkaufen.“

Warnung vor Firmenauskunft24: Handwerker aus Dortmund soll nach Telefonat 2000 Euro zahlen

Ende September und Anfang Oktober erhielt das Ehepaar Saliju Rechnungen von Firmenauskunft24. © Carolin West

Dabei werde – wie im Fall der Salijus – behauptet, von einem bekannten Unternehmen zu sein, bei dem der Betrieb Kunde ist. „Sobald der Anrufer dem Angerufenen ein Ja entlockt hat, üben diese Unternehmen Druck auf die Betriebe aus.“

MyHammer rät: Kunden sollen nicht zahlen

MyHammer rate dazu, den angeblichen Vertrag anzufechten und die Zahlung zu verweigern. „Wir haben bereits mehrere Unterlassungsurteile gegen solche Adressbuchfallen erwirkt“, erzählt Niebuhr. „Damit wir diesen Schritt gehen können, benötigen wir aber die Unterstützung der Betriebe als Zeugen.“

Daran scheitere es häufig, denn die Angerufenen haben oft Angst vor dem bürokratischen Aufwand und den Folgen eines Gerichtsverfahrens. „Viele Betriebe zahlen deshalb die Rechnungen, sie wollen nur ihre Ruhe haben.“

Firmenauskunft24 streitet alles ab und beschuldigt die Salijus

Firmenauskunft24, auch Firmenauskunft P.U.R. GmbH, streitet die Vorwürfe der Salijus ab. „Wir distanzieren uns von den Vorwürfen: Unsere Mitarbeiter geben sich nicht als Mitarbeiter anderer Firmen aus“, sagt ein Sprecher. Ibrahim Saliju habe einen nicht widerrufbaren Vertrag abgeschlossen.

Eine Tonbandaufzeichnung des Telefonats, die das Ehepaar nun angefordert hat, soll das beweisen. Sogenannte fernmündliche Verträge seien üblich. Es gehe nach dem entsprechenden Telefonat nicht um die Zusendung von Angeboten, sondern von Rechnungen für gebuchte Leistungen.

„Außerdem hat Frau Saliju unsere Mitarbeiter am Telefon bedroht, das geht einfach nicht.“ Almira Saliju gibt zu, dass sie sich nicht korrekt ausgedrückt habe. „Ich meinte das aber nicht so – ich hatte nur die Nase voll, weil sich nie jemand gekümmert hat.“

Tritt das Unternehmen aus Kulanz von dem Vertrag zurück?

Der Polizei Dortmund ist die Vorgehensweise von Firmenauskunft24 und ähnlichen Firmen bekannt, so Pressesprecherin Dana Seketa. Während die Fallzahl in Dortmund nicht sehr hoch sei, häufen sich landesweit die Fälle, in denen Firmenauskunft24 involviert sei.

Im Gespräch mit dieser Redaktion zeigte sich der Firmenauskunft24-Sprecher plötzlich entgegenkommend. „Möglicherweise können wir aus Kulanz etwas für Herrn Saliju machen.“

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