Krise für Fitnessstudios schlimmer „als in unseren schlimmsten Träumen“

rnKündigungen und Rückerstattungen

Bröckelt die Solidarität der Dortmunder mit ihren Fitnessstudios? Die Branche schlägt Alarm, weil Kündigungen zunehmen. Betreiber bitten um freiwillige Weiterzahlung.

Dortmund

, 23.04.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Frust kommt in der Fitness-Branche auf. „Die Corona-Krise zieht sich weiter in die Länge, als wir uns dies in unseren schlimmsten Träumen vorgestellt haben“, schreibt die Geschäftsleitung von Fit/one auf ihrer Internet-Homepage.

Seit mittlerweile vier Wochen ist das Fitnessstudio an der Brauhausstraße mitten in der Dortmunder City geschlossen – genau wie alle anderen Studios auch.

„Nach aktuellem Stand können wir nicht vor Ende Mai mit einer Wiedereröffnung rechnen“, erfahren die Fit/one-Mitglieder auf der Homepage und können sich deshalb den Beitrag für den Mai gutschreiben oder auch überweisen lassen.

Jetzt lesen

Für die unerwartet große Geduld und Solidarität ihrer „treuen Mitglieder“ in einer „existenzbedrohenden Lage“ bedankt sich die Geschäftsleitung auf der Website ausdrücklich.

Bröckelt aber diese Solidarität nun? Mehren sich die Wünsche nach Beitragserstattung und die Kündigungen? Um diese Frage zu stellen, konnten wir bei Fit/one, wie auch bei anderen Fitnessstudios in Dortmund, weder telefonisch noch per E-Mail jemanden erreichen.

Bei den Fitnessstudios droht eine Insolvenzwelle

Zu erreichen war in Essen der Pressesprecher der Kette FitX, Alexander Morel. FitX ist in Dortmund drei Mal vertreten.

„Rückerstattungswünsche oder Kündigungen gibt es bei uns natürlich auch. Oder Mitgliedschaften werden ganz regulär pausiert. Insgesamt ist die Solidarität unserer Mitglieder beeindruckend. Und sie ist auch wichtig, um die Weiterbeschäftigung unserer Mitarbeiter zu sichern“, sagt Alexander Morel.

Jetzt lesen

Ein Großteil der insgesamt 2600 FitX-Beschäftigten in Deutschland sei derzeit in Kurzarbeit. Für die Kunden gelte: „Die Zeit, in der jetzt nicht trainiert werden kann, wird kostenfrei und automatisch an das Ende der Vertragslaufzeit angehängt.“

Zahlungsbereitschaft wird im Mai voraussichtlich sinken

Das wird nicht unbedingt jedem Mitglied schmecken. „Wir gehen davon aus, dass im nächsten Monat die Weiterzahlungsbereitschaft reißt“, sagt Birgit Schwarze, die Präsidentin des Dachverbandes DSSV.

Jetzt lesen

Anders als die einzelnen Fitnessstudio-Betreiber in Dortmund meldet sich der Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen gerade sehr laut zu Wort.

„Tausenden Fitness-Anlagen droht in den nächsten Monaten die Insolvenz“, heißt es in einer Verbandsmitteilung. Die Zielsetzung ist klar: Man will gehört werden und bei den nächsten Lockerungen dabei sein.

In der Krise können sich manche Kunden die Mitgliedschaft nicht leisten

Beim Blick auf die Internetseiten der Fitnessstudios in Dortmund ist zu sehen, dass viele die Beiträge nicht weiter einziehen. Und im Gespräch mit Birgit Schwarze wird deutlich, warum viele Studios trotz einer im Grundsatz treuen Mitgliederschaft tatsächlich in Existenznot geraten könnten.

„Ja, viele Mitglieder möchten nicht, dass ihr Studio schließt, sondern dass es irgendwann weitergeht. Aber, viele sind auch in Kurzarbeit oder haben als Studenten ihre Aushilfsjobs verloren und können sich die Studiobeiträge schlicht nicht mehr leisten“, sagt Birgit Schwarze.

Das Team von Orange Fitness an der Rosemeyer-/Ecke Wittekindstraße informiert aktuell auf der Internetseite, dass man die Beiträge nicht einziehe und bittet um freiwillige Weiterzahlung.

Unbenutzte Trainingsgeräte stehen in geschlossenen Fitnessstudios. Die Geräte müssen allerdings weiter abbezahlt werden. Der Dachverband schlägt Alarm und fordert jetzt die Wiederöffnung der Fitnessstudios.

Unbenutzte Trainingsgeräte stehen in geschlossenen Fitnessstudios. Die Geräte müssen allerdings weiter abbezahlt werden. Der Dachverband schlägt Alarm und fordert jetzt die Wiederöffnung der Fitnessstudios. © dpa

Fitnessstudios sind in der Regel kapital-intensive Betriebe mit modernen Geräten, in die ein Vermögen investiert worden ist. Darlehen müssen getilgt oder Leasingraten gezahlt werden. Hinzu kommen hohe Miet- und Raumkosten. „Auch, wenn die Verbrauchskosten derzeit nicht anfallen, aber alle anderen Zahlungen laufen doch weiter“, sagt Birgit Schwarze.

Forderung: Fitnessstudios sollen unter Auflagen wieder öffnen

Die Verbandspräsidentin fordert, dass Fitness-Betriebe unter Auflagen wieder öffnen dürfen: „Dabei wollen Fitness-Anlagen Auflagen erfüllen, die das Kraft- und Herzkreislauf-Training in unseren Betrieben genauso sicher machen wie zum Beispiel das Einkaufen im Baumarkt- und Gartencenter. Hier reichen offensichtlich ein Schild am Eingang und einige Klebestreifen auf dem Boden. Das ist leider für unsere Betriebe und die Studiomitglieder nicht nachvollziehbar und wird als Ungerechtigkeit empfunden.“

Duschen könnten gesperrt werden

Außerdem sagt sie: „Wir können Umkleiden, Duschen und Saunen sperren, kontaktlose Zugangskontrollen und intensive Hygienemaßnahmen durchführen, Einlasskontrollen zur Begrenzung von Anzahl und Dauer des Aufenthaltes gewährleisten. Mindestabstände zwischen den fixen Stationen für Kraft- und Cardiotraining sind dabei selbstverständlich.“ Und die Flächen ließen es zu, dass sich die Mitglieder sehr gut verteilen können.

Jetzt lesen

Dass die Unsicherheit bald ein Ende hat und ein softer Einstieg in den Trainingsbetrieb wieder möglich wird, wünscht sich auch Alexander Morel von FitX.

„Die Pläne dafür haben wir in der Tasche“, sagt er und will sich aber nicht so fordernd an die Politiker wenden, wie es der Dachverband tut: „Wir unterstützen jegliche Planungen, die sich mit Auflagen für eine Wieder-Eröffnung der Studios beschäftigen“, sagt Morel.

FITNESS UND GESUNDHEIT

12 MILLIONEN MENSCHEN IN FITNESSSTUDIOS

  • Nach Angaben des Arbeitgeberverbandes deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen (DSSV) sind knapp 12 Millionen Menschen deutschlandweit in Fitnessstudios angemeldet.
  • Die 10.000 Fitness-Anlagen, so heißt es, seien sehr oft familiengeführte Gewerbebetriebe, die keinerlei Zuschüsse oder Ähnliches bekämen. Gefordert wird nun eine Senkung der Mehrwertsteuer auf 7 Prozent.
  • Der DSSV wurde im Jahr 1984 gegründet und ist nach eigener Aussage Europas größter Arbeitgeberverband für die Fitness-Wirtschaft.

Lesen Sie jetzt