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Flamenco-Konzert in der Obstabteilung: Rewe-Chef aus Körne ist neuer Handelsverbands-Chef

Einzelhandel

1000 Unternehmer in der Region sind Mitglied im Handelsverband Westfalen-Münsterland. Dessen neuer Chef Stefan Grubendorfer ist Dortmunder, wollte nie Händler werden - und geht andere Wege.

Dortmund

, 04.05.2019 / Lesedauer: 3 min
Flamenco-Konzert in der Obstabteilung: Rewe-Chef aus Körne ist neuer Handelsverbands-Chef

„Warum soll es nach Feierabend nicht mal ein Flamenco-Konzert in der Obstabteilung geben?“, fragt Stefan Grubendorfer. Der Betreiber des Rewe-Marktes in Dortmund-Körne ist neuer Vorsitzender des Handelsverbands NRW Westfalen-Münsterland. © Oliver Schaper

Stefan Grubendorfer betreibt den Rewe-Supermarkt in Körne – dabei wollte er eigentlich nie Händler werden. Sondern Musiker. Gitarrist. Dann arbeitete er als Mittzwanziger im elterlichen Betrieb in Lünen, führte einen Betrieb mit seinem Bruder in Münster und übernahm mit 27 Jahren als selbstständiger Kaufmann den Körner Rewe. Grünkohl statt Gitarre, Kasse 3 statt Künstlerleben. Der heute 45-Jährige scheint mit dem Lauf der Dinge zufrieden zu sein und lächelt, als er den Satz sagt, den er sich zurechtgelegt hat: „Ich habe im Handel meine Bühne und ein Publikum gefunden, das vielfältiger nicht sein könnte.“

Nun betritt Grubendorfer eine neue Bühne: als Verbandsvertreter. Der Handelsverband NRW Westfalen-Münsterland, der rund 1000 Unternehmer in der Region – 300 davon in Dortmund – vertritt, hat ihn zum neuen Vorsitzenden gewählt. Ehefrau Alexandra („Sie können ruhig schreiben, dass wir glücklich verheiratet sind.“) habe ihm geraten, sich für den Handelsverband zu engagieren.

Verkaufsoffene Sonntage bleiben ein Problem

Das machte die vergangenen 15 Jahre als Vorsitzender des Handelsverbands in der Region Michael Radau, im Hauptberuf Vorstand des Superbiomarktes, der auch in Dortmund zwei Filialen hat. Zum Abschied als Vorsitzender sagt Radau diese Woche im Dortmunder Verbandshaus: „Handel ist keine Selbstverständlichkeit.“ Der Handel steigerte 2018 zwar zum neunten Mal in Folge seine Umsätze – vor allem aber durch Zuwächse im Online-Geschäft. Viele kleine und mittelständische stationäre Händler haben hingegen zu kämpfen. Aus Verbandssicht müssen sie sich noch intensiver an den Wünschen ihrer Kunden interessieren. Zudem aber, sagt Radau, brauche der Handel die Unterstützung von Politik und Verwaltung vor Ort – sonst gebe es vielerorts eine Erosion des Handels, „die man sich nicht vorstellen mag“.

Gleichwohl müsse man darüber reden, ob in den Außenbezirken wirklich jede Fußgängerzone in ihrer gesamten Länger erhalten bleiben muss, sagt Thomas Schäfer, Geschäftsführer des Handelsverbands Westfalen-Münsterland. In Hamm gebe es beispielsweise eine Diskussion um die Verkürzung der Fußgängerzone.

Beim Blick zurück aufs Jahr 2018 kritisierte Radau, dass es der Landesregierung nicht gelungen sei, für die „rechtssichere und unkomplizierte Anmeldung“ von verkaufsoffenen Sonntagen zu sorgen. Damit und auch mit der anhaltenden Diskussion um Fahrverbote in den Innenstädten (Radau: „Dafür braucht man einen attraktiven ÖPNV!“) wird sich nun Stefan Grubendorfer beschäftigen müssen.

„Handel muss Spaß machen“

Der Dortmunder möchte auf die Händler im Verband – darunter sind kleine Betriebe ebenso wie Filialisten – hören; auch und gerade auf Jungunternehmer, deren Ideen dem Verband helfen könnten. Zugleich werde die Gewinnung und Förderung des Nachwuchses für den Handel ein großes Thema bleiben, sagt Grubendorfer. Er bilde in seinem Betrieb aus Überzeugung und lasse die jungen Leute auch einfach mal machen: „Handel muss Spaß machen.“

Dass viele Händler das verstanden haben und gute Konzepte haben, beobachte er in Dortmund beispielsweise in vielen Geschäften rund um die Möllerbrücke und an der Lindemannstraße, sagt Grubendorfer. Er strebt zur Belebung des Handels einen stärkere Vernetzung mit Kunst und Kultur an: eine Bilderausstellung im Supermarkt zum Beispiel. Oder, fragt Grubendorfer, „warum soll es nach Feierabend nicht mal ein Flamenco-Konzert in der Obstabteilung geben?“ So würde der Handel vielen Kunden bestimmt Spaß machen.

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