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Nie mehr Getränke schleppen - So gut ist die „Flaschenpost“ in Dortmund gestartet

rnHandel

Seit Kurzem rollen die weiß-pink-grünen Lieferwagen der „Flaschenpost“ durch Dortmund. Die Fahrer haben schwer zu schleppen: Der Start lief grandios. Das Start-Up bietet daher auch noch Jobs.

von Sylva Witzig

Dortmund

, 14.05.2019 / Lesedauer: 4 min

Wenn Berdan Tikil mit seinem Lieferwagen um die Ecke kommt, blickt er meist in strahlende Gesichter. Er löscht den Durst, bringt das Klopapier und sichert den Alkoholpegel auf der Party. „Die Menschen sind fast alle sehr dankbar über den Service. Das ist ein Grund, weshalb ich diesen Job richtig gerne mache“, so der Fahrer. Er ist für das Start-Up Flaschenpost unterwegs, das vor gut drei Jahren in Münster an den Start ging. Seit dem 25. April sind die Lieferwagen auch in Dortmund unterwegs.

Künftig soll es spontane Grillpartys geben

Flaschenpost hat es sich zur Aufgabe gemacht, alles zu liefern, was nicht in eine Einkaufstasche passt. Das sind vor allem Getränkekisten. Aber auch Küchenrollen oder Kaffeesäcke. Künftig wolle man auch spontane Grillpartys ermöglichen – dann kommen Produkte wie Einweggrills und Kohle ins Programm, so die Macher. In Dortmund komme der Service so gut an wie bisher nirgendwo, heißt es aus der Firma – allein in der Eröffnungswoche wurden demnach 1000 Bestellungen getätigt. „Wir sind unter anderem schon in Bochum unterwegs – vermutlich haben die Nachbarn ordentlich die Werbetrommel gerührt“, erklärt Regionalleiter Kai Lange den guten Start. Man sei gespannt, ob die Eröffnung in Essen am 15. Mai ebenso gut laufen werde.

Ein bis zwei Lkw bringen täglich Nachschub ins Lager am Dortmunder Hafen und nehmen die leeren Kästen wieder mit. Noch ist Platz im Hochregallager. „Die Regale werden langsam in Richtung meines Büros wandern“, prophezeit Lagerleiter Dominik Gauert schmunzelnd. Bisher laufe der Betrieb noch „entspannt“ – im Idealfall solle das Treiben bald einem Ameisenhaufen ähneln, so wie es schon in Münster der Fall sei: Die bisher etwa 50 Lieferwagen für Dortmund sollen sich verdoppeln. Weitere Arbeitskräfte im Lager und im Außendienst werden gesucht, um den Durst der Dortmunder zu löschen.

Job für Studenten

Fahrer Berdan Tikil kann den Job vor allem Studenten empfehlen: „Du kannst dir schon bei der Bewerbung aussuchen, wann du arbeiten möchtest. Das können auch nur ein paar Stunden in der Woche sein“, berichtet er von den Vorteilen. Und: „Wenn es richtig gut läuft, können bei einer Schicht als Fahrer bis zu 30 Euro Trinkgeld rausspringen.“

Wichtig für den Job als Fahrer sei es natürlich, gerne Auto zu fahren – und ein paar Muckis in den Armen zu haben. Denn die Fracht ist oft schwer. Und muss oft viele Stockwerke hinaufgetragen werden.

Noch etwas anderes findet der Fahrer interessant: “Ich finde es spannend zu sehen, wer hinter den Bestellungen steckt. Manchmal hat man sich die Leute ganz anders vorgestellt. Dann bringt man plötzlich ein paar Wasserkästen in eine Studentenbude, in der gerade gefeiert wird“, erzählt Tikil. Einen typischen Kunden gebe es übrigens nicht. Studenten wie Rentner, Firmen und sogar Trinkhallen – da sei alles bei.

Manche Kunden sind noch skeptisch

Das Sortiment umfasst etwa 1000 Produkte. Darunter gibt es auch regionale Spezialitäten. Brinkhoffs sei in Dortmund der absolute Verkaufsschlager. Das zeigt sich auch bei einem Blick durchs Lager: Auf den Laufbändern sind Aufkleber wie „Wasser“ oder „Cola und Mate“ angebracht. Brinkhoffs ist hier das einzige Produkt, das namentlich erwähnt wird.

Bei einem Mindestbestellwert von 15 Euro ist die Lieferung kostenfrei. Innerhalb von 120 Minuten stehen die Getränkekästen vor der Tür, verspricht das Unternehmen. Der Fahrer schleppe die Waren bis in den 5. Stock und nehme das Leergut wieder mit.

Zum Teil seien die Kunden noch skeptisch, was die Lieferzeit anbelangt. Der Regionalleiter hat dazu eine Story parat: „Ein Kunde hat um 20 Euro mit sich selber gewettet, ob wir wirklich in 120 Minuten bei ihm sind. Unser Fahrer war pünktlich und durfte dann die 20 Euro als Trinkgeld behalten.“

Von 9 bis 21 Uhr kann bestellt werden – an Sonn- und Feiertagen bleibt das Lager geschlossen. Für den nächsten Tag kann vorbestellt werden. Ein Abo ist nicht möglich. Bisher wird nur innerhalb von Dortmund und nach Castrop-Rauxel geliefert. Eine Ausdehnung des Liefergebietes wird jedoch folgen.

Bar bezahlen geht nicht

Bestellungen sind ausschließlich online möglich. Gezahl wird per Paypal oder auf Rechnung. Nicht möglich sei eine Barzahlung vor Ort: „Einerseits schützen wir uns so vor Überfällen, andererseits treten so keine Probleme auf, wenn sich ein Fahrer mal verrechnet. Die Barzahlung ist fehleranfällig, deshalb schließen wir sie aus“, so der Regioleiter.

Aktuell besteht die Flotte aus Dieselfahrzeugen. Nach einer umweltschonenden Alternative werde jedoch gesucht. „Leider ist die Reichweite der Elektrofahrzeuge aktuell noch nicht gut genug für unsere Zwecke. Wir sind aber bereits mit dem Hersteller im Kontakt und testen mögliche Alternativen“, beteuert der Regioleiter. Bis dahin fährt Berdan Tikil noch mit dem Diesel zu den Kunden.

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