Warum es Fleisch nicht mehr „billiger als Hundefutter“ gibt

rnFleisch immer teurer

Seit Wochen steigen die Fleischpreise. In Dortmund bekommen die Kunden das zu spüren – sehr wahrscheinlich auch langfristig.

Dortmund

, 03.12.2019, 11:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Einkaufspreise für Schweinefleisch und Geflügel sind in den vergangenen Wochen stark gestiegen. In China ist vor einigen Wochen die afrikanische Schweinegrippe ausgebrochen und breitet sich seitdem weiter in Richtung Osteuropa aus.

Weil in China mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern mehrere Hundert Millionen Tiere verendet sind, kaufen dortige Händler in großen Mengen in Europa ein.

Fleischereien in Dortmund bekommen globalen Trend zu spüren

Doch auch wenn die Ursachen weit entfernt von Dortmund liegen – den globalen Trend bekommen auch Fleischereien in Dortmund zu spüren. Sie müssen auf dem Großmarkt mehr bezahlen, viele Betriebe müssen die Erhöhung an die Kunden weitergeben.

Die Auswirkungen der Schweinepest sorgten „für Nervosität im Markt“, sagt Michael Vollmer, Fleischermeister und Fleischsommelier aus Wellinghofen und Inhaber einer Metzgerei mit Partyservice. Aktuell zahle er beim Einkauf einer Schweinehälfte 70 bis 80 Cent pro Kilogramm mehr als noch vor einigen Wochen.

Ein weiterer Grund dafür seien neben der Tierseuche auch gestiegene Futtermittelpreise infolge der Dürre im Sommer 2018 und neue Verordnungen für Landwirte.

Jetzt lesen

„Das wirkt sich natürlich auf das Schnitzel aus, das der Kunde kauft“, sagt Vollmer. Wolf Niemann von der Fleischerei Niemann in Dorstfeld bestätigt, dass der Einkaufspreis im Moment wöchentlich steige. „Zuletzt gab es einen ganz schönen Sprung.“

„Es sind keine Beträge, die sich niemand mehr leisten kann“, sagt Michael Vollmer. Pro Kilogramm gehe es um „fünf bis zehn Prozent“ höhere Preise. „Die Verbraucher müssen sich mittelfristig sowieso damit beschäftigen. Speziell gutes Fleisch wird nicht mehr zu den Preisen zu bekommen sein, wie man es mal gewohnt war.“

Jetzt lesen

Discounter geraten stärker unter Zugzwang

Deshalb gerieten Discounter, die laut Vollmer Fleisch teilweise „billiger als Hundefutter“ verkaufen, stärker unter Zugzwang als lokale Fleischereien.

Manche Fleischer profitieren sogar in gewisser Weise von der Entwicklung. Das ist dort spürbar, wo Fleischereien ohnehin nicht vom Großmarktgeschäft abhängig sind, sondern auf kleineren, nachhaltigen Einkauf setzen. So bemerkt etwa das Geschäft „Die Fleischboutique“ an der Kaiserstraße eine steigende Nachfrage.

Eine Beobachtung der Mitarbeiter: Die Leute kommen hierher, legen noch ein paar Euro drauf und bekommen dafür hochwertigeres Fleisch. Andere kleinere Fleischereien in Dortmund berichten Ähnliches.

Jetzt lesen

Es gibt Prognosen, dass die Preiskrise bis in nächste Jahr wirken könnte. Schweinegrippe und Schweinepest breiten sich weiter aus. Die Preise steigen weiter. Branchenverbände warnen davor, dass die Preiskrise für viele Betriebe existenzbedrohend werden könne.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt